Windräder schaden vor allem Rastvögeln

Neue Studie des Michael-Otto-Instituts im NABU

Windrad

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by Philip May

Wie wirkt sich Windenergienutzung auf die Tierwelt aus? "Ganz kurz gesagt: Es kommt darauf an" resümiert Dr. Hermann Hötker vom Michael-Otto-Institut im NABU eine vom Bundesamt für Naturschutz in Auftrag gegebene Studie zu den "Auswirkungen regenerativer Energiegewinnung auf die biologische Vielfalt am Beispiel der Vögel und Fledermäuse". Besonders gefährdet sind demnach Greifvögel wie Seeadler und Rotmilan. Generell sind für Vögel Anlagen an Gewässern und anderen Feuchtgebieten besonders unfallträchtig. Anlagen in der Umgebung von Wäldern stellen wiederum für Fledermäuse eine große Gefahr dar. "In vielen anderen Bereichen ist die Windkraftnutzung je nach Anlagengröße und -verteilung problemloser", so Hötker.

Der Ausbau der Windenergie ist im Hinblick auf die Auswirkungen auf Vögel und Fledermäuse nicht unumstritten. "Die Ergebnisse der vorgelegten Studie tragen zu einer Versachlichung der Diskussion bei, geben Anhaltspunkte für die Vermeidung von Konflikten und zeigen weiteren Forschungsbedarf auf", sagt Prof. Dr. Hartmut Vogtmann, Präsident des Bundesamtes für Naturschutz. Die Untersuchung basiert auf einer Auswertung von 127 Einzelstudien aus zehn Ländern. Nicht nur das Unfallrisiko durch Windkraftanlagen wurde darin berücksichtigt, sondern auch ihre Scheuchwirkung auf rastende Vögel. So meiden Gänse, Schwäne und Watvögel die Umgebung von Windkraftanlagen und können dadurch wertvolle Rastgebiete verlieren. Fledermäuse kollidieren überwiegend auf dem Zug oder während der Quartiersuche im Spätsommer und Herbst mit Windkraftanlagen.

Bei den Brutvogelbeständen konnte kein statistisch signifikanter Nachweis von erheblichen negativen Auswirkungen der Windkraftnutzung erbracht werden. Tendenziell werden die Brutbestände von Watvögeln der offenen Landschaft negativ beeinflusst, auf bestimmte brütende Singvogelarten üben jedoch Windkraftanlagen positive Wirkungen aus. Dies wird vermutlich durch sekundäre Effekte wie Habitatveränderungen oder landwirtschaftliche Nutzungsaufgabe in der unmittelbaren Umgebung der Anlagen verursacht.

Bei rastenden Vögeln sind die Auswirkungen deutlich gravierender. Windkraftanlagen üben jeweils signifikante negative Einflüsse auf die lokalen Rastbestände von Gänsen, Pfeifenten, Goldregenpfeifern und Kiebitzen aus. Mit Ausnahme von Kiebitz, Uferschnepfe und Rotschenkel nutzen die meisten Vögel zur Brutzeit auch die unmittelbare Umgebung von Windkraftanlagen, die Minimalabstände betragen selten mehr als 100 Meter. Außerhalb der Brutzeit halten viele Vogelarten der offenen Landschaft Abstände von mehreren hundert Metern zu den Anlagen ein.

Besonders ausgeprägt ist die Störwirkung bei Gänsen und Watvögeln. In Übereinstimmung mit den publizierten umfangreichen Studien ist bei Gänsen von einer Störwirkung von mindestens 500 Metern auszugehen. Die Minimalabstände, die rastende Vögel einhalten, nimmt in den meisten Fällen mit Größe der Anlage zu. Für den Kiebitz ist dieser Zusammenhang statistisch signifikant. Eine generelle Tendenz der "Gewöhnung" von Vögeln an Windkraftanlagen in den Jahren nach ihrer Errichtung besteht nicht.

"Unsere Ergebnisse stellen keinen Freibrief für den bedenkenlosen Ausbau der Windenergie in Deutschland aus", erläutert Hötker. "Es kommt auf eine vernünftige Risikoabschätzung im Einzelfall an." So sind Windkraftanlagen an Seen, Feuchtgebieten und Wäldern zu vermeiden. Auch sollten wichtige Rastgebiete von Gänsen, Schwänen und Watvögel weiträumig gemieden und Zugkorridore von der Windkraftnutzung freigehalten werden.

Insgesamt wird ein erheblicher Forschungsbedarf diagnostiziert, denn nur wenige Studien werden strengen wissenschaftlichen Ansprüchen gerecht. Zum Beispiel ist es dringend erforderlich, dass in Deutschland für Vögel und Fledermäuse verlässliche Kollisionsraten an Windkraftanlagen ermittelt werden. Im Übrigen sind die Ergebnisse der Studie in Abhängigkeit vom wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt ständig weiter zu entwickeln.

Quelle: Nabu
Für Rückfragen
Dr. Hermann Hötker
Michael-Otto-Institut im NABU
Tel. 0 48 85-570.

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