Nahrungsmangel und giftige Algen

Zwergflamingosterben in Ostafrika

Zwergflamingo

Zwergflamingo

Seit Mitte der 90er Jahre kommt es an den ostafrikanischen Sodaseen immer wieder zu Massensterben von Zwergflamingos (Phoeniconaias minor). So starben etwa 2006 und 2008 am Lake Nakuru und am Lake Bogoria in Kenia jeweils über 30 000 Vögel. Eine Forschergruppe des Leibniz-Institutes für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) arbeitet an der Aufklärung der Ursachen dieses Phänomens. Inzwischen haben die Wissenschaftler herausgefunden, dass der Nahrungsmenge und -zusammensetzung eine Schlüsselrolle beim Tod der Zwergflamingos zukommt. Ihre Ergebnisse wurden jetzt im "Journal of Phycology" veröffentlicht.

Die Forscher untersuchten von 2001 bis 2010 in den kenianischen Sodaseen Nakuru, Bogoria und Oloidien die Zusammensetzung des Phytoplanktons die Nahrung der Zwergflamingos. Der Zwergflamingo ist Spezialist und ernährt sich im Wesentlichen von einer Blaualge namens Arthrospira, die normalerweise in Massen im Plankton der Sodaseen wächst. Dieses Cyanobakterium kommt auch unter der Bezeichnung Spirulina als gesundheitsförderndes Nahrungsergänzungsmittel für Menschen auf den Markt.

Alternativ kann der Zwergflamingo auch von Kieselalgen leben, die er aus dem Schlamm der Seen filtert. Diese Kieselalgen wachsen jedoch deutlich langsamer und haben einen geringeren Nährwert für die Zwergflamingos. Der Schnabel des Zwergflamingos gleicht einem hochspezialisierten Filterapparat mit fein gegliederten Lamellen, der perfekt an die Algennahrung angepasst ist. Damit ist der Zwergflamingo von der Größe der Nahrungspartikel wesentlich stärker abhängig als der Rosaflamingo (Phoenicopterus ruber), der gröbere Filterlamellen besitzt.

Das IGB fand heraus, dass das Wachstum der Grundnahrungsalge Arthrospira in den Sodaseen immer öfter gestört wird. Die winzige, schnellwüchsige Grünalge Picocystis konkurriert mit Arthrospira und kann dieses über mehrere Wochen oder Monate im Plankton unterdrücken, so die Ergebnisse der Forscher. Picocystis aber ist viel zu klein, um von den Lamellen in den Flamingoschnäbeln aufgenommen zu werden. Folge: Die Zwergflamingos hungern.

2006 und 2008 beobachtete die Arbeitsgruppe von Dr. Lothar Krienitz ein besonders hohes Vorkommen von Grünalgen der Gattung Anabaenopsis. Diese können große, schleimige und klumpige Kolonien bilden, welche die feinen Lamellen im Schnabel verstopfen, so dass die Flamingos bei der Nahrungsaufnahme behindert werden. Außerdem bilden einige der Stämme von Anabaenopsis Toxine, darunter Lebergifte und das Nervengift Anatoxin-a, die ebenfalls zur Schwächung der Vögel beitragen können. Geschwächte Tiere sind dann viel empfindlicher gegenüber Krankheitserregern, beispielsweise gegenüber Mycobacterium avium, das Tuberkulose hervorruft.

Die Ursachen der Veränderungen in der Plankton-Zusammensetzung sind noch nicht vollständig erforscht. Wesentlichen Anteil haben wahrscheinlich Veränderungen in den Einzugsgebieten der Seen, die mit Entwaldung und verstärkter Bodenerosion einhergehen.

Quelle: Nabu

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