Feldlerche und Rebhuhn in Not

Feldvögel werden europaweit immer seltener

Feldlerche

Feldlerche

by Daniel Pettersson

Ehemals häufige Vogelarten der Felder und Wiesen wie die Feldlerche verschwinden mehr und mehr aus unserer Kulturlandschaft. Das gilt nicht nur für Deutschland, sondern für nahezu alle Staaten der Europäischen Gemeinschaft, wie aus einem heute vom NABU-Dachverband BirdLife International in Brüssel vorgestellten Bericht zur Bestandsentwicklung weit verbreiteter Vogelarten in 20 EU-Staaten und der Schweiz hervorgeht.

"Während es heute manch seltener Vogelart durch gezielte Schutzmaßnahmen wieder besser geht, haben ehemals häufige Feldvögel seit 1980 um durchschnittlich 50 Prozent abgenommen. So schlecht wie auf Feldern und Wiesen haben sich die Vogelbestände nirgendwo entwickelt", bilanzierte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Alarmierend sei der Rückgang bei Feldlerche, Grauammer und Rebhuhn. In den westlichen Mitgliedsländern der EU sind die Einbußen stärker als in östlichen Ländern, die der Europäischen Gemeinschaft erst 2004 beziehungsweise 2007 beigetreten sind. Experten führen diesen Unterschied auf die schon seit längerem viel höhere Intensität der Landbewirtschaftung im Westen der EU zurück.

Nach Auffassung des NABU kann die fortschreitende Verarmung der Kulturlandschaft nur gestoppt werden, wenn europäische Agrarförderungen konsequenter und wirksamer mit ökologischen Standards verknüpft werden. "In Zukunft sollten nur noch diejenigen Landwirte Subventionen erhalten, die konkrete ökologische Leistungen erbringen", betonte Miller. Hierzu gehöre der Verzicht auf Grünlandumbruch sowie die Bereitstellung von zehn Prozent ökologischer Vorrangflächen wie Hecken oder Buntbrachen.

Die jetzt veröffentlichten Indikatoren sind Ergebnisse einer jährlichen Auswertung europäischer Vogeldaten durch das in Prag ansässige Pan-European Common Bird Monitoring Scheme (PECBMS). Die von BirdLife International und der europäischen Zentrale für das Monitoring von Vögeln herausgegebene Studie fasst Millionen von Beobachtungsdaten zusammen, die Ornithologen im Rahmen von Bestandserfassungen erhoben haben. In Deutschland beteiligen sich auch Vogelkundler aus den Reihen des NABU an den regelmäßigen "Kartierungen" der Vögel.

Weniger Brachflächen, weniger Feldvögel

Grauammer

Grauammer

by Matthieu Gauvain

Viele Landwirte schaffen sich durch den Anbau von Energiepflanzen wie Mais ein zweites Standbein. Da sie seit 2008 nicht mehr gesetzlich verpflichtet sind zehn Prozent ihrer Fläche stillzulegen, nutzen sie dazu nun unter anderem diese Brachen. Die Folge: Nach Erhebungen des Statistischen Bundesamtes halbierte sich der Anteil der Brachen innerhalb nur eines Jahres. Brachen erfüllen jedoch eine wichtige Funktion in der Kulturlandschaft.

Wildkräuter siedeln sich an, Tiere nutzen sie als Lebensräume, unter anderem dienen sie vielen Vogelarten als Brutplatz. Wissenschaftler des Julius-Kühn-Instituts (JKI) Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen haben den Einfluss des drastischen Brachenrückgangs auf die Artenvielfalt untersucht und kommen zu dem Schluss, dass es sinnvoll ist, zumindest Teile der Brachflächen zu erhalten, um keinen Artenrückgang zu riskieren.

"Vogelarten wie Braunkelchen, Feldlerche und Grauammern, die am Ende der Nahrungskette stehen, gelten als Indikatoren für die biologische Qualität einer Landschaft", sagt Dr. Jörg Hoffmann. Der Wissenschaftler vom JKI für Pflanzenbau und Bodenkunde hat deshalb für Brandenburg ermittelt, welche und wie viele dieser Vögel aus insgesamt 14 Indikatorarten 2008 noch zu finden waren. Neben den schwindenden Brachen lag ein zweiter Augenmerk auf Maisflächen, die seit dem Vorjahr deutschlandweit um 6,5 Prozent zugenommen haben. Dabei konnte der Biologe auf Vogelbestandsdaten aufbauen, die er mit Kollegen auf 65 je einen Quadratkilometer großen Monitoringflächen in Brandenburg 2005/2006 erhoben hatte.

Hoffmanns Fazit: "Der Rückgang selbstbegrünter Brachen führt zum Verlust der lokalen Artenvielfalt. Wir haben festgestellt, dass sich in einer zu ,aufgeräumten" Landschaft weniger Exemplare der Indikatorvogelarten ansiedeln." Zudem stellte sich heraus, dass neu entstehende Maisflächen weniger attraktiv für die Vögel sind. Sie sind zwar zeitweilig bedeutsam für Nahrungsgäste, vermögen jedoch den Verlust der Artenvielfalt nicht zu kompensieren.

"Unsere Empfehlung ist, zumindest Teilflächen der Brachen zur Erhaltung der Artenvielfalt beizubehalten", sagt Hoffmann. "Besonders in den Grenzzonen zu Kleingewässern sowie an Waldrändern und Hecken bietet es sich an, breite Saumstrukturen von 10 bis 20 Metern zu schaffen." Diese sind nach seinen Studien gut als Ausgleich für fehlende Brachen geeignet und verbessern die Lebensraumbedingungen in der Agrarlandschaft. "Auch trockene Kuppen in großen Ackerschlägen eignen sich, um kleinen Bracheflächen zu etablieren", sagt Hoffmann.

Da es sich in vielen Regionen bei Brachen häufig um Land mit minderer Bodenqualität handelt, sollte es den Landwirten nicht schwer fallen, kleine Flächenanteile in ein "Brachemanagement" aufzunehmen, so die Hoffnung des Wissenschaftlers zumal wenn dafür finanzielle Anreize im Rahmen von Agrarumweltmaßnahmen geschaffen würden. Nach Ansicht des NABU sollten generell zehn Prozent der Flächen eines jeden landwirtschaftlichen Betriebes als ökologische Vorrangflächen ausgewiesen werden.

Quelle: Nabu

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