Affen wollen nicht mit Gurken handeln

Gerechtigkeitssinn

Nicht nur Menschen lassen sich ungern über den Tisch ziehen. Auch Kapuzineraffen können ein gutes Geschäft von einem schlechten unterscheiden - und ziemlich sauer reagieren, wenn sie beschummelt werden.

Das Wissenschaftsmagazin "Nature" stellte in seiner aktuellen Ausgabe eine Studie mit Kapuzineraffen vor, bei der den Tieren ein Tauschgeschäft beigebracht wurde. Sarah Brosnan und Frans de Waal von der Emory University in Atlanta trainierten die Primaten darauf, Spielsteine gegen ein Stückchen Gurke einzutauschen. Später erhielt dann einer von zwei Affen für den gleichen Preis eine Weintraube - die unter Affen viel begehrter ist als eine schnöde Gurke.

Beobachtete der andere Affe die Ungerechtigkeit, weigerte er sich danach, seinen eigenen Spielstein einzutauschen - oder verschmähte gar trotzig seinen Belohnungs-Leckerbissen. Echten Grimm gab es allerdings erst, als ein Affe eine Weintraube bekam, ohne dafür bezahlen zu müssen. Die anderen waren dermaßen indigniert, dass sie ihre Spielsteine aus der Versuchskammer schmissen. Gelegentlich flogen sogar die Gurken hinterher.

Alle Belohnung ist relativ

Kapuzineraffen im Belohnungstest: Deine Traube
Kapuzineraffen im Belohnungstest: Deine Traube meine Traube

Die Wissenschaftler staunten nicht schlecht: Die Tiere verzichteten auf eine Leckerei, die sie sonst unter fast allen denkbaren Umständen ohne Zögern akzeptiert hätten. Das beweise, dass die Affen ihre Belohnung mit der ihrer Artgenossen vergleichen. Denn bekam ein Affe ein Stück Gurke statt einer ebenfalls sichtbaren Weintraube, ohne dass ein Artgenosse in der Nähe war, machte er trotz des mäßigen Geschäfts keinen Ärger.

Menschen reagieren in ähnlichen Situationen im Prinzip gleich, betonen Brosnan und de Waal. In psychologischen Experimenten hätten Testpersonen mürrisch auf Menschen reagiert, die andere Personen bevorzugten. Dabei hätten die Unzufriedenen auch handfeste Nachteile in Kauf genommen.

Das Ergebnis des Gurken-Tests deutet nach Meinung der Forscher darauf hin, dass nicht nur Menschen, sondern auch andere soziale Primaten Ungerechtigkeiten ablehnen. Brosnan erklärte, Menschen und Affen hätten offenbar von ihren Vorfahren einen Sinn für Gerechtigkeit geerbt. Dieser habe möglicherweise bei der Zusammenarbeit geholfen und so das Überleben der Art gesichert.

Allerdings scheinen die Affen auch einen anderen Wesenszug mit dem Menschen gemein zu haben: Wer im Test die dickste Traube bekam, war rundum zufrieden, knabberte andächtig und ließ die Kollegen zetern.

Markus Becker
Quelle: Spiegel on-line 2011

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