Vermehrung mit Verbeugung

Neuentdeckte Pflanze baut ihre Samen selbst an

Spigelia genuflexa senkt fruchttragende Zweige zu Boden, um das Keimen zu garantieren

Brasilia - Die Verbeugung trägt sie bereits im Namen: Spigelia genuflexa lautet die Bezeichnung einer neuentdeckten Pflanze aus der Familie der Brechnussgewächse, weitläufigen Verwandten des Enzians. Entdeckt hat die Pflanze ein Amateurbotaniker im nordöstlichen Brasilien. Ihre Besonderheit: Sie beugt ihre Zweige zu Boden, um ihre Samen abzulegen - manchmal vergräbt sie sie dabei sogar unter der Erde.

Der Botaniker, der von Russland nach Brasilien ausgewanderte Alex Popovkin, sammelte auf seinem Anwesen im Staat Bahia Proben von insgesamt 800 Spezies und holte sich bei der Klassifizierung Hilfe von der US-amerikanischen Expertin Lena Struwe, wie die BBC berichtet. Struwe identifizierte die Pflanze als bislang unbekannte Spezies und stellte sie gemeinsam mit Popovkin im Fachjournal "PhytoKeys" vor.

Das ungewöhnliche Fortpflanzungsverhalten von Spigelia genuflexa ist nicht ganz singulär - ähnliches ist von anderen Spezies bekannt, die auf räumlich begrenztem, unwirtlichem Gelände wachsen. Struwe glaubt, dass dem Biotop auch in diesem Fall eine entscheidende Rolle zukommt: Die Pflanze ist nicht weit verbreitet, zudem findet sie in der Region nur kleine "Inseln" vor, auf denen sie gedeihen kann. Die gilt es auszunutzen - ein behutsamer "Eigenanbau" ist daher günstiger, als die Verteilung der Samen dem Zufall zu überlassen. Zudem hat die Spigelia nur eine Lebensdauer von einigen Monaten: Somit machen Mutter- und Tochterpflanzen einander in ihrem kleinen Lebensraum keine Konkurrenz.

Quelle: derStandard.at vom 01.10.2011

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