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Haltung von Papageien

Papageien

stellen wie die meisten exotischen Tiere besondere Anforderungen andie Haltungsbedingungen. Im Folgenden soll auf die Privathaltung von Papageien unter Tierschutzaspekten eingegangen werden.

Derzeit leben Hunderttausende von Papageien in der Obhut des Menschen. Nicht wenige von ihnen haben seit vielen Jahren einen festen Platz im Leben ihrer Besitzer eingenommen. Als leidensfähige Mitgeschöpfe, für die wir verantwortlich sind, steht ihnen ein Lebensraum zu, der dem in der freien Natur wenigstens sehr nahe kommt.

Anders als im Haus gehaltene Hunde oder Katzen, die den Lebensraum des Menschen teilen und sich entsprechend frei bewegen können, wird dem Vogel nur ein äußerst kleiner Aktionsradius zugemessen - in der Regel ein Käfig. Dieser wird allerdings den Bedürfnissen und dem Raumbedarf des Vogels nur selten gerecht.

Zudem ist der Vogel bei Käfighaltung vollkommen von seinem Pfleger abhängig.Der im Käfig lebende Vogel hat nicht die Möglichkeit, an seinem Zustand etwas zu ändern; er kann sich gewöhnlich weder bei Gefahr verstecken noch bei Bedarf einen sonnigen oder schattigen Platz aufsuchen. Grundsätzlich sollte aber das Wohlbefinden des Vogels für jeden Pfleger an erster Stelle stehen.

Mit der Haltung, Pflege und Unterbringung von Tieren befasst sich § 2 des Tierschutzgesetzes:

„Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,

1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,

2. darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden.“


Artgemäße Ernährung, Pflege und Unterbringung sind die Voraussetzung dafür, dass der Vogel physisch und psychisch gesund bleibt. Die ausschließliche Ernährung mit einem industriell hergestellten Fertigfutter mag zwar dem wenig erfahrenen Halter von z.B. Sittichen verlockend einfach erscheinen, führt aber auf Dauer zu Mangelerscheinungen. Bei der Zusammenstellung des Futters müssen neben ernährungsphysiologischen Aspekten auch die arttypischen Bedürfnisse berücksichtigt werden. Bei der Darbietung des Futters sollte auch an eine ausreichende Beschäftigung des Vogels gedacht werden, um Langeweile vorzubeugen. In der freien Natur verbringen die Tiere einen großen Teil des Tages mit der Futtersuche. Im folgenden soll jedoch schwerpunktmäßig auf die artgemäße und verhaltensgerechte Unterbringung von Papageien eingegangen werden.

Nach dem Kommentar zum Tierschutzgesetz ist eine Unterbringung dann verhaltensgerecht, „wenn die angeborenen, arteigenen und essentiellen Verhaltensmuster des Tieres nicht so eingeschränkt oder verändert werden, dass dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden an dem Tier selbst oder durch ein so gehaltenes Tier an einem anderen Tier entstehen.

Zur verhaltensgerechten Unterbringung gehört demnach, dass der Vogel seiner Art entsprechend hüpfen, klettern und fliegen kann. Fliegen ist eine artgemäße, charakteristische Bewegungsart und gerade für Vögel mit ihrem intensiven Stoffwechsel für das Wohlbefinden und zur Vorbeugung von Krankheiten wichtig. Für Papageien, die in Käfigen gehalten werden, ist daher der tägliche, kontrollierte Freiflug im Zimmer besonders wichtig.

Zur verhaltensgerechten Unterbringung gehört weiterhin, dass der Vogel die Möglichkeit hat, soziale Verhaltensweisen wie etwa die gegenseitige Gefiederpflege zu befriedigen. Da die meisten Papageien gesellige Wesen sind und in ihrer natürlichen Umgebung in sozialen Verbänden leben, bedeutet dies, dass sie auch in Gefangenschaft ihrer natürlichen Lebensweise entsprechend als Paar, in Kleingruppen oder in Schwärmen gehalten werden sollten.

Klassisches Beispiel

Agapornide
Agapornide

für paarig lebende Vögel sind die Agaporniden. Wellensittiche dagegen leben in ihrer Heimat außerhalb der Brutzeit in großen Schwärmen. Wird ein derart sozialer Vogel sein Leben lang einzeln gehalten, bedeutet dies eine große Belastung für das Tier. Ein Wellensittichpärchen wird sich dem Menschen zwar nicht so eng anschließen wie ein einzeln gehaltener Vogel. Doch wer die Vögel einmal bei der gegenseitigen Gefiederpflege und dem Austausch von Zärtlichkeiten oder sogar bei der Balz, beim Nisten und bei der Brutpflege beobachtet hat, wird an eine Einzelhaltung kaum mehr denken. Auf der anderen Seite ist eine unkontrollierte Fortpflanzung ebenso wenig wünschenswert. Stets liegt es in der Verantwortung des Halters, dafür zu sorgen, dass bei brütenden Vögeln eine artgerechte Unterbringung des Nachwuchses gewährleistet ist.

In Ermangelung eines Partners schließen sich viele der einzeln gehaltenen Papageien, vor allem Großpapageien, aber auch Sittiche, eng dem Menschen an. Einige Vögel werden völlig zutraulich, balzen sogar oder beginnen, menschliche Laute nachzuahmen. Diese Phänomene resultieren aus einer sozialen Vereinsamung der Vögel. Da der Mensch auf Dauer den natürlichen Partner nicht ersetzen kann, treten bei einzeln gehaltenen Papageien oftmals psychische Störungen auf. Diese können sich beispielsweise in depressivem Verhalten, Desinteresse an der Umwelt, Federrupfen, bei Mangel an Zuwendung auch in Aggressivität äußern.

Zuweilen sind allerdings manche Papageien, die ihr Leben lang einzeln gehalten wurden, bereits derart auf den Menschen geprägt, dass sie an einem Artgenossen keinerlei Interesse mehr zeigen oder eine Trennung von ihrer Bezugsperson nicht verkraften würden. In solch einem Fall sollte der Pfleger bestrebt sein, die Haltungsbedingungen für den einzelnen Vogel zu verbessern. Täglicher Freiflug und das Anbieten eines Kletterbaums für Großpapageien sowie eine intensive Beschäftigung mit den Tier sind dabei wichtige Faktoren.

Grundsätzlich

jedoch sollte jeder Papageienhalter bemüht sein, den von ihm betreuten Vögeln ein entsprechendes Sozialleben zu ermöglichen, ob es sich um Paar-, Gruppen- oder Schwarmhaltung handelt. Wichtig ist, dass die für eine Vergesellschaftung vorgesehenen Vögel behutsam aneinander gewöhnt und nur verträgliche Tiere zusammen gehalten werden. Die Vergesellschaftung miteinander harmonierender, sozial lebender Papageien trägt wesentlich dazu bei, die Vögel gesund zu erhalten.

Um dem Raumbedarf der Papageien gerecht zu werden, ist für die meisten Arten die Haltung in geräumigen, abwechslungsreich gestalteten Flugräumen oder Volieren am besten geeignet. Die Größe der Behausung muss der Anzahl der Vögel angepasst sein. Es genügt etwa bei angestrebter Paarhaltung nicht, einem Großpapagei oder Sittich einen Partner zuzugesellen, wenn die Unterkunft den Vögeln nicht die nötige Bewegungsfreiheit gestattet. Vögel, die auf zu engem Raum gehalten werden, leiden unter Stress, was sich wiederum in vielfältigen Krankheitsbildern ausdrücken kann.

Die Qualität einer Haltungsanlage darf nicht allein an der Größe gemessen werden. Für das Wohlbefinden der Vögel ist eine angemessene Ausstattung mindestens ebenso wichtig. Eine naturnahe Unterbringung lässt sich allerdings nur bei kleineren Arten annähernd realisieren. Zu einer tiergerechten Ausstattung zählen unter anderem, je nach Art, nicht nur Sitzstangen bzw. -äste in verschiedenen Stärken, die benagt und erklettert werden können, sondern auch Versteckplätze, Sonnen- und Schattenplätze, eine Möglichkeit zum Baden, artgerechte Spiel- undKnabbergegenstände; bei Aussenvolieren Witterungsschutz und Heizvorrichtung.

Andererseits muss darauf geachtet werden, die Unterkunft nicht mit Einrichtungsgegenständen zu überladen. Die Vögel sollten sich stets ihrem natürlichen Verhaltensrepertoire entsprechend bewegen können.

Jeder Papageienfreund

Agaporniden
Agaporniden

sollte vor der Anschaffung eines Papageis ernsthaft überlegen, ob er nicht grundsätzlich zum Wohl der Vögel auf die Haltung bestimmter Arten verzichten will bzw. sich auf die Arten beschränkt, die in Form von Nachzuchten zur Verfügung stehen und deren Haltung in Privathaushalten tiergerecht verwirklicht werden kann.

Mit Ausnahme von Wellensittich, Nymphensittich und Halsbandsittich zählen alle Papageienvögel zu den besonders geschützten Arten. Viele Papageienarten sind, u.a. durch skrupellosen Handel und Import, vom Aussterben bedroht. Auf die Haltung wildgefangener Vögel in Privathaushalten sollte daher im Sinne des Tierund Artenschutzes verzichtet werden. Selbst „optimale“ Haltungsbedingungen können keinen Ersatz für ein Leben in der freien Natur bieten. Zu wünschen wäre ausserdem, dass Papageienvögel von den Züchtern und im Fachhandel, ausser beim Kauf eines Partnervogels, nur paarweise abgegeben werden.

Wer keine optimale Haltungsbedingungen bieten kann, sollte zum Wohl des Tieres keine Kompromisslösung wählen, sondern von der Anschaffung eines Papageis lieber Abstand nehmen. Wer bereits einen oder mehrere Vögel besitzt, sollte bemüht sein, die Haltungsbedingungen im Sinne einer art- und Verhaltensgerechten Unterbringung zu optimieren.

Quelle: Deutscher Tierschutzbund

Verwendete Literatur:

  • Albert Lorz, Tierschutzgesetz, Kommentar, München, 1992
  • Lantermann, W.: Grundzüge einer artgemäßen Papageienhaltung. In: W.Lantermann u. S. Luft (Hrsg. im Auftrag des Instituts für Papageienforschung e.V.): Grundfragen der Papageienhaltung. Oberhausen, 1992.
  • Hollmann, P.: Besonderheiten der Heimtiere in der Mensch-Haustier-Beziehung, tierschutzgerechte Unterbringung von Heimtieren. In: Heimtierhaltung und Tierschutz, Sonderdruck aus Tierärztliche Praxis, Stuttgart, 1988, 1989.

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