Nachwuchs endet als Futter

Überzählige Tiere in Zoos sind ein Tabuthema

Sie werden getötet und verfüttert

Hannover. Wenn es im Zoo zu voll wird, geht es den überzähligen Bewohnern an den Kragen: Der Deutsche Tierschutzbund wirft Zoodirektoren vor, Tiertötungen als Managementmethode nutzen zu wollen. Tatsächlich kommt es auch in niedersächsischen Zoos zu Tötungen. Eine rechtliche Grauzone macht dies möglich.

Viele Einrichtungen züchteten nahezu unkontrolliert, so der Vorwurf. Die überzähligen Tiere würden unter dubiosen Umständen verkauft oder getötet und verfüttert, sagen die Tierschützer. In der Tat ist das Töten von Tieren ein unpopuläres Thema. Viele Zoos und Tierparks blocken Anfragen ab: „Überzählige Tiere gibt es bei uns nicht“, heißt es.

Offener geht der Zoo Hannover mit dem Thema um: Überzählige Tiere ließen sich nicht vermeiden, sagt der Zoologische Leiter Dr. Heiner Engel. Und im Ausnahmefall seien Töten und Verfüttern eine Lösung.

Denn auch den Zoos macht ein demografischer Wandel zu schaffen: Durch gute Hygiene und medizinische Versorgung leben die Tiere länger. Eine Antilope beispielsweise werde in der Natur acht Jahre alt – in Gefangenschaft sind es 16, sagt Dr. Engel.

Daher greifen die Zoos auf Geburtenkontrolle zurück: Durch Pille, Sterilisation und Geschlechtertrennung wird der Nachwuchs begrenzt. Doch auch diesen Methoden sind Grenzen gesetzt.

Bei Herdentieren wie Antilopen führt ein Bock eine Herde Weibchen. Der männliche Nachwuchs verlässt nach einer Weile die Gruppe, weil es sonst zu Auseinandersetzungen mit dem Bock kommt. Im Zoo ist diese Trennung kaum möglich. Ein Männerüberschuss bei Geburten erzeugt daher große Probleme.

Finde sich nun kein geeigneter Abnehmer, lande die Antilope auf der Speisekarte der Raubtiere – wie es auch in freier Wildbahn passiert. Und: „Wir verfüttern die Tiere lieber, als sie an dubiose Händler zu verkaufen“, sagt Engel.

Möglich ist dies durch eine gesetzliche Grauzone: Der Tierschutz verbietet das grundlose Töten von Tieren. Das Argument der Zoos ist, man könne den Tieren keine artgerechte Haltung bieten.

In Magdeburg wurden im vergangenen Jahr Zoomitarbeiter verurteilt, weil sie Tigerbabys aus genetischen Gründen getötet hatten. „Mit diesem Urteil ist die Grauzone infrage gestellt“, sagt James Brückner vom Tierschutzbund. Im Magdeburg sei die Fragestellung ganz anders gewesen, sagt Engel.

Dass die Zoos mit dem Handel von Tieren viel Geld verdienen, ist laut Engel ebenfalls ein Märchen. Für die im Rahmen des Zuchtprogramms EEP abgegebenen Tiere gebe es keinen Euro. Allerdings könne auch die sorgfältige Prüfung der Abnehmer nicht vor Missbrauch schützen, sagt er: Jeder könne schließlich betrogen werden.

Quelle: www.hna.de

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