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Schande für Europa

Schande für Europa

EU-Tierversuchszahlen veröffentlicht
Als »Schande für Europa« bezeichnet die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche die gerade erschienene Statistik zu Tierversuchen in den 27 Mitgliedsstaaten der EU. Zwölf Millionen Tiere wurden demzufolge in Europas Labors verwendet, darunter rund 7,1 Mio. Mäuse, 2,1 Mio. Ratten, 1 Mio. Fische, 333.000 Kaninchen, 21.000 Hunde, 9.500 Affen und 4.000 Katzen.

»Trotz aller Beteuerungen der EU, Tierversuche wenigstens reduzieren zu wollen, ist die Anzahl in den letzten drei Jahren praktisch gleich geblieben«, moniert Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Ärzte gegen Tierversuche. Bei der letzten Erhebung 2005 waren knapp 1% mehr Tiere gezählt worden. Die aktuelle Statistik bezieht sich auf das Jahr 2008 und umfasst erstmals 27 Staaten, darunter auch Bulgarien und Rumänien, die 2005 noch nicht in der EU waren. Diese beiden Länder schlagen mit nur 0,1% aller Tierversuche zu Buche. Größte Tierverbraucher sind nach wie vor Frankreich mit 2,33 Mio., Großbritannien mit 2,23 Mio. und Deutschland mit 2,02 Mio. Tieren.

Die Ärzte gegen Tierversuche sehen in den veröffentlichten Zahlen nur die Spitze des Eisbergs. Bei der EU-Statistik fehlen Tiere, die zu wissenschaftlichen Zwecken getötet werden. Diese werden in Deutschland seit dem Jahr 2000 erfasst, so dass die aktuellen Zahlen für Deutschland bei insgesamt 2,8 Millionen Tieren liegen. In Großbritannien wird zudem die Zucht gentechnisch veränderter Tiere gezählt, wodurch insgesamt 3,65 Millionen Tiere veranschlagt werden. »Die tatsächliche Zahl der Tiere, die in qualvollen und sinnlosen Experimenten in Europa ihr Leben lassen mussten, liegt also weitaus höher als die genannten 12 Millionen«, ist sich Tierärztin Gericke sicher.

Dramatisch ist der Anstieg der Tierversuche in einigen Ländern, z.B. Estland um 610% auf über 34.000, Irland um 197% auf rund 112.000, Spanien um 51% auf fast 900.000 und Österreich um 32% auf 220.000 Tiere. Malta war bei der letzten Erhebung das einzige tierversuchsfreie Land der EU. Aktuell gibt der Inselstaat 694 Tiere an.

Bei einigen Tierarten sind erhebliche Zunahmen zu verzeichnen. So wurden 2008 über 92.000 Schweine verwendet, 40% mehr als drei Jahre zuvor. Bei Kaninchen gab es eine Zunahme um 7%, bei Mäusen um 11% und bei Katzen um 5%. Halbaffen wurden 2008 zu 86% mehr verwendet als drei Jahre zuvor, nämlich 1.261. Bei den Neuwelt- (z.B. Krallenäffchen) und Altweltaffen (z.B. Rhesusaffen) sind die Zahlen gesunken. Insgesamt wurden 9.569 Affen verwendet, 823 weniger als bei der letzten Statistik.

Der größte Teil der Tierversuche ist der zweckfreien experimentellen Grundlagenforschung zuzuschreiben, nämlich 38% oder 4,58 Mio. Tiere. Gegenüber der letzten Erhebung bedeutet das eine Zunahme um 13%.

Der Ärzteverband nennt die aktuelle Statistik ein »Armutszeugnis« und bezichtigt die EU Klientelpolitik im Interesse der mächtigen Tierversuchsindustrie zu betreiben. »Nur eine moderne tierversuchsfreie Forschung wird die Medizin bei der Bekämpfung von Krankheiten sowie die Sicherheitstestungen von Substanzen voranbringen«, ist Gericke überzeugt. »Stattdessen macht die EU einen Rückschritt nach dem anderen«. Erst vor wenigen Wochen war die Verabschiedung der EU-Tierversuchsrichtlinie auf massive Kritik von Seiten der Tierschutz- und Tierversuchsgegnerverbände gestoßen.

Quelle: Ärzte gegen Tierversuche

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EU will Verbot von Tierversuchen für Kosmetika

auf unbestimmte Zeit verschieben

Die EU will das für den 11. März 2013 vorgesehene endgültige Verkaufsverbot von an Tieren getesteten Kosmetikinhaltsstoffen auf unbestimmte Zeit verschieben, weil angeblich noch nicht genügend tierversuchsfreie Testmethoden vorhanden seien. Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) wirft der EU-Kommission vor, längst nicht alle tierversuchsfreien Möglichkeiten berücksichtigt zu haben. Der Termin dürfe auf keinen Fall verschoben werden, fordert der Ärzteverband.

Die von Tierschutzseite jahrelang hart erkämpfte EU-Kosmetikrichtlinie verbietet seit 2004 Tierversuche für Kosmetika und seit 2009 den EU-weiten Verkauf von an Tieren getesteten Kosmetik-Rohstoffen und Endprodukten, unabhängig davon, ob tierversuchsfreie Methoden vorhanden sind oder nicht. Ausgenommen hiervon sind drei Tierversuche: die Langzeit-Giftigkeitsprüfung, die Überprüfung eines Einflusses auf Fortpflanzung und Entwicklung der Nachkommen sowie Untersuchungen zur Aufnahme, Verteilung und Ausscheidung von Stoffen aus dem Organismus. Ein Verbot dieser drei Tests ist laut Kosmetik-Richtlinie ab 11. März 2013 vorgesehen.

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