Die REACH-Chance: 45 Tage um Tiere zu retten

Quelle: Ärzte gegen Tierversuche

Die EU-Chemikalien-Verordnung REACH sieht vor, dass Tausende Chemikalien auf ihre Giftigkeit überprüft werden sollen. Seit Bekanntwerden dieser Pläne im Jahr 2000 haben wir für ein tierversuchsfreies REACH gekämpft. Doch trotz aller Bemühungen von Tierschutzseite sollen die Daten größtenteils in Tierversuchen erhoben werden. Schätzungen gehen von 8 bis 54 Millionen Tieren aus, die in den nächsten Jahren für REACH leiden und sterben sollen.

Doch es gibt Hoffnung, viele Tierleben zu retten: Die sogenannte 45-Tage-Kommentierungsphase.

45 Tage um Tiere zu retten

Die 45-Tage-Kommentierungsphase ist eine der wichtigsten Forderungen der Tierschutzseite, die in REACH aufgenommen wurde. Die Firmen müssen, bevor sie Tierversuche machen, Testvorschläge bei der Chemikalienbehörde ECHA in Helsinki, die für die Durchführung von REACH zuständig ist, einreichen. Die ECHA stellt diese Anträge 45 Tage lang in stark verkürzter Form auf ihre Website. Experten der Tierversuchsgegnerverbände haben so die Möglichkeit, innerhalb dieser 45 Tage zu überprüfen, ob die geforderten Daten nicht schon vorhanden sind oder mit tierversuchsfreien Methoden gewonnen werden können. Die ECHA entscheidet dann, ob die vorgeschlagenen Tierversuche durchgeführt werden müssen oder nicht. Diese Beurteilung durch die Behörde kann ein Jahr oder länger dauern.

Diese Regelung gilt nur für die besonders gefährlichen und in großen Mengen hergestellten Chemikalien (mehr als 100 t pro Jahr). Im Jahr 2009 wurden vier Tierversuchsanträge eingereicht. In den nächsten Jahren werden mehrere Hundert dieser Anträge erwartet. Jeder einzelne Antrag kann Leid und Tod von Tausenden Tieren bedeuten.

Unser Rettungsplan

Seit Mai 2010 wird unser Team von dem Facharzt für Pharmakologie und Toxikologie, Dr. med. Wolfgang Stengel unterstützt. Seine Aufgabe ist die Kommentierung von REACH-Testvorschlägen – in Zusammenarbeit mit der britischen Tierversuchsgegnerorganisation BUAV und der Europäischen Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE), bei der ebenfalls eine Toxikologin engagiert wurde.

Dass dies eine realistische Möglichkeit ist, Tierleben zu retten, zeigt das HPV, eine Art amerikanisches REACH, das Anfang der 2000er Jahre durchgeführt wurde. Mehrere amerikanische Tierrechts- und Tierversuchsgegnergruppen hatten sich zusammengetan, um Toxikologen anzustellen, die die Testvorschläge im Rahmen einer 90-Tage-Phase kommentierten.

Für die 1.400 getesteten Chemikalien hätten nach herkömmlichen Versuchsprotokollen der OECD 1.034.000 Tiere sterben müssen. Tatsächlich wurden 'nur' etwa 158.000 Tiere vergiftet. Durch den Einsatz der Fachleute konnten also rund 880.000 Tiere, hauptsächlich Ratten, Mäuse und Fische, gerettet werden.

Ob bei REACH eine ähnlich hohe Erfolgsquote erzielt werden kann, ist noch ungewiss. Problematisch ist vor allem, dass die ECHA wesentlich weniger Angaben zu den in Frage stehenden Chemikalien veröffentlicht, als dies beim HPV der Fall war.

Dennoch, jeder kommentierte Testantrag kann Tierversuche verhindern. Mit unseren Fachleuten und zusammen mit unseren Partnern bei der ECEAE werden wir die 45-Tage-Kommentierungsphase best möglich nutzen, um so viele Tiere vor einem qualvollen Vergiftungstod zu retten wie möglich.

Über eine Unterstützung unseres REACH-Projektes würden wir uns freuen.>>

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