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Gorillas geraten zwischen die Fronten

Tasso vom 23.10.2007

Im Länderdreieck Kongo, Ruanda und Uganda befindet sich der Virunga Nationalpark, das älteste Naturschutzgebiet Afrikas. Dort leben die meisten der 700 Berggorillas, die es weltweit noch gibt. Den Kämpfen zwischen der kongolesischen Armee und den Tutsi-Rebellen in Nord Kivu fallen bedauerlicherweise nicht nur tausende von Menschen zum Opfer sondern jetzt auch die dort lebenden Berggorillas.

Sie haben sich durch die Parkranger, die aus dem Nationalpark flüchten mussten, so an Menschen gewöhnt, dass sie auch bei den anhaltenden Kämpfen zunächst nicht geflohen sind. Der Park ist für die Rebellen offensichtlich wegen der angrenzenden Versorgungsbasis strategisch wichtig. Die Abwesenheit der Parkranger macht den Weg jetzt auch noch ungewollt für Wilderer frei. “Die Nachrichten über den Krieg im Kongo, der schon zehntausende von Menschen das Leben gekostet hat und hunderttausende zu Flüchtlingen machte, sind ein Beweis politischer Hilflosigkeit. Dass dadurch eine vom Aussterben bedrohte Tierart vermutlich ausgerottet wird, ist eine weitere bislang unbeachtete Facette dieses sinnlosen Konflikts.”, so Philip McCreight, Leiter der Tierschutzorganisation TASSO e.V.

Tasmanischer Teufel vom Aussterben bedroht

Tasso vom 19.10.2007

Artgenossen übertragen Krebs

Der Mangel an genetischer Vielfalt beim Tasmanischen Teufel, einem nur noch auf der australischen Insel Tasmanien vorkommenden Beuteltier könnte offensichtlich zu dessen raschem Aussterben führen, wenn keine entsprechenden Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Die ca. 70 Zentimeter langen, schwarz behaarten Tiere, mit den bei Aufregung hellrot leuchtenden Ohren übertragen durch Bisse eine tödliche Krebsart auf ihre eigenen Artgenossen. So entsteht bei den Tieren ein Gesichtskrebs, der die Tiere am Fressen hindert. Sie verhungern.

Die Population ist seit dem ersten Auftreten der Krankheit in den 90er Jahren um schätzungsweise 90 Prozent auf ca. 100.000 Tiere geschrumpft. Die Homogenität bzw. mangelnde Vielfalt der Gene könnte in naher Zukunft auch für andere Tiere wie Schnabeltier und Koala eine ernsthafte Bedrohung darstellen. Jetzt werden gesunde Exemplare des Tasmanischen Teufels von Forschern in Tierparks nach Australien gebracht, damit sie sich dort ungestört vermehren können und die Art somit hoffentlich erhalten bleibt.

Weitgehend unbekannt: Südamerikas Jagd auf Affen

Die Jagd auf Gorillas und Schimpansen in Afrika ist seit Jahren in den Schlagzeilen. Der Affenwelt Süd- und Mittelamerikas droht aber ebenfalls die Ausrottung durch den Menschen. Doch davon weiß kaum jemand. Allein im Amazonas-Gebiet werden jährlich 3 Millionen Affen erbarmungslos wegen ihres Fleisches gejagt. Vor allem die größeren Arten sind inzwischen vielerorts schon verschwunden. Gerade jetzt, nach der Regenzeit, ist mit einer vermehrten Jagd zu rechnen, da die Tiere gut genährt sind. Das traditionelle Blasrohr als Jagdwaffe hat längst dem effektiveren Gewehr Platz gemacht. Mit Konsequenzen für die Affenwelt: 20 Affenarten gelten auf der Roten Liste als vom Aussterben bedroht, 14 als stark gefährdet und 27 als gefährdet. Der Gelbschwanzwollaffe gilt mit gerade mal noch 250 Exemplare als einer der bedrohtesten Primaten weltweit.

Erderwärmung treibt Eisbären zum Kannibalismus

Eisbärin mit ihrem Nachwuchs
Eisbärin mit ihrem Nachwuchs

Auf Eisbären hat die Erderwärmung möglicherweise einen selbstzerstörerischen Effekt: Forscher der US-Wissenschaftsbehörde Geological Survey entdeckten mehrere Fälle von Kannibalismus bei Bären, deren Jagdgebiete durch den Klimawandel mehr und mehr schrumpfen.

Bis vor kurzem noch undenkbar
Die Wissenschaftler vermuten, dass schierer Hunger die Bären zu einem Verhalten treibt, das bis vor kurzem noch undenkbar schien. "Wir waren völlig überrascht", berichtete Teamleiter Steven Armstrup. Er und seine Kollegen hätten Fälle gesehen, in denen Eisbären "ganz bewusst ihre Artgenossen belauert, gejagt, getötet und gefressen haben". Dies sei während der 40-jährigen Erforschung der weißen Pelztiere in Nordalaska und Kanada noch nie vorgekommen.

Eher zufällige Entdeckung
Auf die Kannibalen stießen die Forscher eher zufällig, und auch dann brauchten sie einige Zeit, um das Verhalten zu verstehen: Das erste Mal entdeckten sie im Winter 2004 nahe der Grenze zwischen Alaska und Kanada den Kadaver einer frisch gerissenen Bärenmutter, die von einem männlichen Artgenossen aus ihrem Bau gezerrt worden war; ihre beiden Jungen waren unter den Schneemassen des zerstörten Baus erstickt. Drei Monate später fanden sie die Überreste eines weiteren Muttertiers, dessen Junges offenbar entkommen konnte. Kurz darauf sahen sie einen männlichen Bären, der genüsslich ein Jungtier fraß, das er ganz offenkundig aus seiner Höhle verschleppt hatte.

Eisbären auffallend dünn
Alle Fälle kamen in Gebieten vor, in denen das Polareis mehr und mehr wegschmilzt. Die Tiere in den Rückzugregionen seien auffallend dünn, berichtet Forscher Armstrup. Er vermutet, dass die Zahl der Kannibalen unter der Bärenpopulation noch viel größer ist als die bisher entdeckten Einzelfälle. Ihre These veröffentlichen Armstrup und sein Team in der nächsten Ausgabe der Fachzeitschrift "Polar Biology".

Eisbären ertrinken in der Arktis

Er ist der König der Arktis - doch sein Königreich schwindet: Der Eisbär scheint unter der Erderwärmung besonders zu leiden. Durch das abschmelzende Eis hat sich die Lebenssituation der massigen Tiere in den vergangenen Jahren dramatisch verschlechtert; Tierbeobachter berichten inzwischen sogar, dass unter den Eisbären Kannibalismus und Selbstmord zunimmt. Wissenschaftler sind sich zwar noch nicht sicher, ob das eine direkte Folge des globalen Klimawandels ist - die Vermutung liegt aber nahe.

Konferenz in San Diego
Von Kannibalismus- und Selbstmordfällen berichteten Forscher auf der jüngsten Konferenz der Biologie von Meeressäugern im kalifornischen San Diego. Meeresbiologen wussten außerdem zu erzählen, dass sie im Herbst vier ertrunkene Eisbären vor der Nordküste Alaskas und eine Vielzahl von Eisbären schwimmend im offenen Meer entdeckt haben. Einige der Tiere waren 95 Kilometer von der Küste entfernt. 20 Prozent der Eisbären dieser Region wurden im September im eisfreien Wasser gesichtet. In den Jahren zuvor waren es lediglich vier Prozent.

Trend noch nicht ableitbar
"Natürlich sind die Eisbären von der Klimaerwärmung betroffen", sagt Tonje Folkestad, Klimaexpertin vom WWF-Norwegen, im Interview mit der Agentur Pressetext. Aber: "Wir können im Moment aber nicht bestätigen, dass Eisbären zunehmend wegen der Klimaveränderung ertrinken. Es sei logisch, dass Eisbären im kalten Wasser schneller erschöpft sind und nach 80 Kilometern Schwimmen leichter ertrinken können als nach 20. Die Folgerung, dass die Zahl ertrunkener Eisbären systematisch zunimmt, sei derzeit aber noch nicht ableitbar.

Minus zehn Prozent in zehn Jahren
Dennoch: Das arktische Eis schwindet derzeit um etwa zehn Prozent in zehn Jahren - und damit der natürliche Lebensraum der Bären. "Die arktischen Sommertemperaturen liegen derzeit um zwei Grad Celsius höher als vor 50 Jahren. 1,3 Millionen Quadratkilometer Eisfläche sind allein in den vergangenen vier Jahren geschmolzen", weiß Folkestad.

Rückgang um 30 Prozent befürchtet
Im Sommer haben Experten der International Conservation Society gefordert, Eisbären unter Schutz zu stellen. Die Gründe dafür sind offensichtlich: Die Wissenschaftler erwarten einen Rückgang der Eisbär-Populationen von 30 Prozent innerhalb der kommenden 35 bis 50 Jahre. Derzeit scheinen die Populationen insgesamt relativ stabil zu sein - noch.

Schlimmes Beispiel: Hudson Bay
Das US-amerikanische Forschungsinstitut Geological Survey und der kanadische Wildlife Service werden im kommenden Jahr eine Studie über die Population von Eisbären in der kanadischen Hudson Bay präsentieren. Dort ist die Zahl seit 1987 um 22 Prozent zurückgegangen - dramatisch, gibt Klimaexpertin Folkestad zu. "Das ist die südlichste Eisbär-Population der Welt. Durch die immer kürzeren Eisperioden in der Bucht wird der natürliche Lebenszyklus der Bären völlig durcheinander gebracht", erklärt die norwegische WWF-Mitarbeiterin. Die Tiere ernähren sich nämlich nur, wenn sie am Eis sind und legen während der Sommermonate Fastenzeiten ein. "Es ist an zahlreichen Eisbären festgestellt worden, dass sie in den vergangenen Jahren deutlich an Körpergewicht verloren haben."

Bis zu 25.000 Eisbären weltweit
Weltweit gibt es derzeit zwischen 20.000 und 25.000 Eisbären. Etwa 3000 leben in der Region von Spitzbergen und der russischen Barent-See. An der Hudson Bay leben heute 935 Tiere. Am 15. Dezember haben drei Umweltgruppen die US-Regierung dazu aufgefordert, Eisbären als gefährdete Arten nach dem Endangered Species Act aufzunehmen.

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