Kulturschock

"Es ist vollbracht"

22.04.2011

Am vergangenen Karfreitag erklärte Frankreich mit den Worten "Es ist vollbracht" den Stierkampf zum immateriellen Kulturerbe.

Eine Meldung, die man nicht wahr haben möchte. So ist es unverständlich wie von einem Kampf die Rede sein kann, wenn die Tiere vorher Medikamente und / oder Stromstöße verabreicht bekommen und Futter vorenthalten wird. Und selbst wenn sie das beste Futter der Welt, so wären Stierkämpfe nach wie vor eines: Qual und Leid

Tiere die mit Speeren und Schwertstichen gequält werden, nur um Macht und Überlegenheit zu demonstrieren, bis das geschundene Tier nach langer Qual getötet wird. Wie kann es denn in der heutigen Gesellschaft akzeptiert werden und als Kulturgut erachtet werden, ein Lebewesen auf schlimme Weise zu quälen und zu töten, nur um die Massen zu belustigen...

Die Frage warum Frankreich zu diesem Schritt kam ist einfach zu beantworten. Der Stierkampf lockt immer wieder Unmengen an Touristen und wird nicht zuletzt von der EU subventioniert! Besonders schlimm, dadurch, dass der Stierkampf den Zusatz Kulturgut bekommen hat werden Teile des Tierschutzes nicht mehr beachtet, diese Option ist im EU-Vertrag von Lissabon niedergeschrieben!

Noch vor einem Jahr wurde bekannt gegeben, dass in Katalonien ab 2012 Stierkämpfe verboten werden, auch in Nicaragua sind Stierkämpfe in Zukunft verboten. Umso schlimmer ist die Entscheidung Frankreichs!

Von Ingolf Bossenz 26.04.2011 / Kommentar

Es ist vollbracht«, waren laut Johannes-Evangelium Jesu letzte Worte am Kreuz.

Seit vergangenem Karfreitag, dem christlichen Gedenktag der Kreuzigung, kann sich die französische Regierung diesen Satz zu eigen machen – mit Blick auf eine ähnlich qual- und leidvolle Angelegenheit: den Stierkampf. Nicht, dass das vor allem im Süden veranstaltete grausame Spektakel in der Arena endlich verboten wurde.

Das Gegenteil ist der Fall: Im Land Voltaires, Diderots und Sartres steht die Misshandlung und Tötung von Tieren zur Unterhaltung einer johlenden Menge jetzt auf der vom Pariser Kulturministerium geführten Liste des immateriellen nationalen Kulturerbes. Exakt zum Beginn der französischen Stierkampfsaison erklärte sich Frankreich damit zum weltweit ersten Land, in dem eine derartige Tortur zum Kulturgut erhoben wurde.

Damit nicht genug. Die UVTF, ein Zusammenschluss südfranzösischer Städte, in denen regelmäßig Stierkämpfe veranstaltet werden, will bei der UNESCO gar beantragen, das blutige Schauspiel als »Kulturerbe der Menschheit« zu sanktionieren. Doch sollte man die Verantwortlichen für derartigen Wahnwitz nicht nur in Frankreich (und Spanien) sehen. Der EU-Vertrag von Lissabon nimmt beim Tierschutz ausdrücklich auf solche »kulturellen Traditionen« Rücksicht – ein Freibrief für Rücksichtslosigkeit.

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