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Das langsame Ende des Stierkampfs

Am letzten Sonntag im September ging in Barcelona eine Ära zu Ende.

Zum letzten Mal fand in der Arena La Monumental der ritualisierte Stiermord statt. 20 000 fanatische Sadisten nahmen Abschied von einem Spektakel, das im vergangenen Jahr vom katalonischen Regionalparlament verboten wurde. Mangels Interesse wäre ohnehin schon bald das Ende des Stierkampfs in Katalonien eingeläutet worden. Die junge Generation interessiert sich kaum noch für das perverse Vergnügen ihrer Eltern, und laut Umfragen ist nur noch ein Drittel von 46 Millionen Spaniern für die „fiesta nacional“. Im ganzen Land gibt es immer weniger Stierkämpfe, und folglich kämpfen Stierzüchter und Stierkampf-Veranstalter ums Überleben.

Keineswegs kann uns diese Entwicklung zufrieden stellen, denn es werden weiterhin noch viel zu viele Stiere sinnlos geopfert. Ständig versuchen die Stierquäler, verlorenes Terrain zurück zu erobern. Wenn die konservative Opposition die nationalen Wahlen gewinnt, wird sie anstreben, den Beschluss des katalonischen Parlaments vor dem Verfassungsgericht anzufechten. Ihren neuesten Coup wollen sie nun 140 km weit von Barcelona in Andorra (www.vozbcn.com/2011/09/27/8704…) landen und dort eine neue Stierkampfarena errichten. Sie soll unbefriedigte Stierkampfanhänger aus Katalonien und Südfrankreich anziehen. Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy und bekanntermaßen auch Co-Präsident des Pyrenäenstaates, kann dann auch dort bald seiner Stierkampfleidenschaft frönen.

Die Erklärung des Stierkampfs als Immaterielles Kulturgut durch die UNESCO könnte jedoch den angeschlagenen Stierquälern als Rettungsanker sehr willkommen sein. Die Gefahr ist groß, dass die UNESCO auf das Werben der Stierkampfbande hereinfällt und die existentielle Bedrohung ihres Spektakels als „Kulturgut“ anerkennt. Angesichts dieser gefährlichen Einflussnahme ruft die holländische Antistierkampf-Organisation CAS International (Comité Anti Stiervechten) nun vorsorglich zur Wachsamkeit und zu Aktionen auf, um die hinterhältigen Absichten der Stierkampflobby zu durchkreuzen (www.cas-international.org/en/n….)

Im kommenden November wird das UNESCO-Komitee, das für die Entscheidung zur Aufnahme ins Kulturerbe-Register zuständig ist, die ersten Vorbereitungen für die Kandidaten-Auswahl treffen. Offiziell hat noch kein Land einen Antrag auf den Schutz des Stierkampfs gestellt, doch hinter den Kulissen sind Schiebereien zu erkennen, die zu Sorge Anlass geben: In dem UNESCO-Komitee, das für die Entscheidung zur Aufnahme ins Kulturerbe-Register zuständig ist, haben sich einige Stierkampfländer eingenistet und ausgerechnet Spanien wurde der Vorsitz zugeschanzt.

CAS International bereitet nun ausführliche Informationen für die 20 Mitgliedsländer des Komitees vor, welche die Wahrheit über das grausame Schlachtfest darstellen und zeigen, dass auch in den Stierkampfländern die Mehrheit der Bevölkerung dieses widerliche Schauspiel ablehnt. Zusammen mit befreundeten Organisationen wird sich CAS International außerdem mit führenden Beamten der UNESCO treffen, um ihnen vor Augen zu führen, welchen enormen Schaden die UNESCO erleiden wird, wenn Tierquälerei unter ihren Schutz gestellt wird.

In Frankreich hat die Stierkampflobby für die Erklärung des Stierkampfs zum Weltkulturerbe gute Vorarbeit geleistet. Im April dieses Jahres wurde von einem obskuren Komitee des französischen Kulturministeriums der Stierkampf zum Nationalen Kulturerbe erklärt. Dieses Komitee wurde seltsamerweise von einem hohen Beamten präsidiert, der gleichzeitig eine führende Position im nationalen Stierkampfverband bekleidet. Der verantwortliche Minister Frédéric Mitterrand, der angeblich von diesem Vorgang nichts wusste, kam daraufhin nicht mehr zu Ruhe. Bei allen offiziellen Anlässen wurde er in den folgenden Wochen gebührend von empörten Tierfreuden empfangen und – wo es ging – zur Rede gestellt. Jedes Mal verhielt er sich wie ein Gummibärchen, versuchte die Entscheidung seiner Verwaltung herunterzuspielen und mit schwammigen Worten zu erklären, dass damit nicht automatisch ein Antrag bei der UNESCO für das Weltkulturerbe seitens Frankreichs verbunden ist. Doch die Entscheidung seiner subalternen Ministerialbeamten strich er nicht.

Am Tag des offenen Denkmals nutzten die französischen Stierkampfgegner noch einmal – und nicht das letzte Mal – die Gelegenheit, um gegen die skandalöse Haltung des Ministers und seine Inkompetenz zu protestieren und besetzten bei der Besichtigung sein Büro. Jedoch war leider der Minister nicht anwesend. Auch vor und im ehrwürdigen Gebäude der Nationalversammlung zeigten sie mit Banderolen ihr Missfallen gegenüber den Parlamentariern, die eine solche Entscheidung nicht zu verhindern und das Tierschutzgesetz, dass Stierkämpfe im Süden des Landes toleriert, nicht zu ändern vermochten. Hier ein paar Fotos und ein Video von den Medien-wirksamen Aktionen: avns.forumactif.com/t2387-acti….

In Europa neigt sich langsam die diesjährige Stierkampfsaison dem Ende zu. Unsere Gegner werden diese Pause nutzen, ihre Fäden zu ziehen, um willfährige und leichtgläubige Politiker für ihre Machenschaften einzusetzen. Jeder von uns kann dafür eintreten, dass diese Machenschaften bekannt werden. Der Skandal, Tierquälerei als Kultur auszuzeichnen, muss immer mehr von der Öffentlichkeit wahr genommen werden. Dass die Medien zunehmend von dieser Kulturschande berichten, zeigt, dass dieses zum Teil schon gelungen ist. Dazu haben auch Sie beigetragen, vielen Dank!

Quelle: Fellbeisser Tierschutznachrichten v.03.10.2011

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