Töten von Fischen aus Aquakulturen

Positionspapier Deutscher Tierschutzbund

Der Konsum von Fisch ist in den letzten Jahren in Deutschland stetig angestiegen. Im Jahr 2005 betrug der durchschnittliche Verzehr pro Person 14,7 kg Fisch, 2008 waren es schon 15,6 kg (1). Woher die verzehrten Fische stammen, wie sie gefangen, gehalten oder getötet werden, wissen die Wenigsten.

Fast die Hälfte der im Handel angebotenen Fische stammt heute aus Aquakulturen. Einige Fischarten, etwa Lachse, werden in Einheiten von tausenden von Fischen gehalten.

Nicht nur die Aufzucht und Mast dieser Tiere ist industrialisiert, sondern auch ihre Schlachtung. In der Lachsindustrie beispielsweise werden 5.000 Fische pro Stunde getötet. Dabei können ernsthafte Tierschutzprobleme auftreten. Andere Fischarten werden zwar nicht in industriellem Stil getötet, aber die Tötungsmethoden widersprechen grundlegenden Tierschutzprinzipien und sind mit dem heutigen Wissensstand über das Schmerzen- und Leidensempfinden von Fischen sowie dem gestiegenen Wert, den der Tierschutz in unserer Gesellschaft inzwischen erlangt hat, nicht zu vereinbaren.

1. Rechtliche Grundlagen

Das deutsche Tierschutzgesetz besagt in § 4, dass Wirbeltiere nur unter Betäubung oder, so weit unter den gegebenen Umständen zumutbar, nur unter Vermeidung von Schmerzen getötet werden dürfen (2). Diese Vorgabe gilt auch für Fische.

Nach den Bestimmungen des § 13 der deutschen Schlachtverordnung (3) ist es vorgeschrieben, Fische zu betäuben, bevor sie getötet werden, Ausnahmen davon gelten für die Seefischerei.

Grundlegende Bestimmungen zur elektrischen Betäubung von Fischen sowie zur Tötung von Plattfischen und Aalen sind ebenfalls in der Verordnung festgelegt. Mit diesen Vorschriften wird der Tatsache Rechung getragen, dass Fische Schmerzen, Angst und Stress empfinden können.

In anderen Ländern, auch innerhalb der EU, ist das Töten von Fischen keinen so strengen Regeln unterworfen wie in Deutschland und eine Betäubung ist nicht vorgeschrieben.

Im Januar 2013 wird die deutsche Schlachtverordnung durch eine für die gesamte EU einheitliche Schlachtverordnung abgelöst (4). Das Töten von Fischen ist darin nicht im Detail geregelt. Es gilt nur der allgemeine Satz, der für alle Tiere gilt: “bei der Tötung und ähnlichen Tätigkeiten werden die Tiere von jedem vermeidbaren Schmerz, Stress und Leiden verschont“.

Empfehlungen zum Schlachten von Fischen wurden in die EU-Schlacht- Verordnung nicht aufgenommen, da die EU-Kommission weitere wissenschaftliche Gutachten und eine Bewertung aus wirtschaftlicher Sicht für erforderlich hält. Außerdem vertritt sie die Ansicht, die Betäubung von Fischen sei viel weniger erforscht als die anderer Nutztierarten und es sollten für das Töten von Fischen eigene Vorschriften festgelegt werden. Diese sollten sich auf eine wissenschaftliche Bewertung der EFSA (European Food Safety Authority) zur Schlachtung und Tötung von Fischen stützen und die sozialen, wirtschaftlichen und verwaltungstechnischen Auswirkungen berücksichtigen. Entsprechende Studien zur Betäubung und Tötung von bestimmten Fischen aus Aquakulturen wurden 2009 von der EFSA veröffentlicht (5) – (11).

Wann und in welcher Form die Erkenntnisse der EFSA in gesetzliche Regelungen einfließen werden, ist derzeit völlig unklar. Die üblichen Tötungsmethoden für Fische wurden bereits in zahlreichen wissenschaftlichen Studien eingehend untersucht. Wissenschaftler haben tierschutzrelevante Missstände benannt und Vorschläge zur Verbesserung der Situation gemacht. Schon 2004 hat die EFSA die Tötung von Fischen in einer wissenschaftlichen Studie kritisch beurteilt. Sie kam damals auch zu der Schlussfolgerung, dass Fische in der Lage sind Angst und Schmerz zu empfinden und zu leiden und dass der Tierschutz deshalb mehr Beachtung finden sollte (12).

Umso enttäuschender und unverständlicher ist es deshalb, dass nun erneut Studien abgewartet werden sollen und dass die Tötung von Fischen in der neuen Schlachtverordnung bis dahin nicht erfasst wird. Verbesserungen bei der Schlachtung von Fischen werden damit über Jahre hinweg hinausgezögert.

Auch für Fische aus ökologischen Aquakulturen ist die Tötung und Betäubung nicht zufriedenstellend geregelt. Immerhin schreiben die Durchführungsvorschriften für die Produktion von Tieren und Meeresalgen in ökologischer/biologischer Aquakultur vor, dass die Tiere sofort betäubt sein müssen und keinen Schmerz empfinden sollen (25). Bitte lesen Sie hier weiter

Bitte lesen Sie auch den Bericht eines Insiders

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