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Schafhaltung

Hier finden Sie wichtige Hinweise zur Haltung der Schafe:

Tilgner, Schafe - Hinweise für den Tierschutz

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Die folgende Seite befaßt sich außerdem mit den rechtlichen Grundlagen für den Tierschutz bei Schafen:
Tilgner, Schafe: Tierschutz und Recht (Geltendes Recht – Bindende Leitlinien und Bestimmungen)
Tierschutz und Recht

Auswahl typischer Tierschutzdefizite bei der ganzjährigen Weidehaltung von Schafen von Dr. Hilmar Tilgner

Bestehende Mißstände in der Schafhaltung werden von Tierschützern oftmals nicht sofort erkannt. Denn Schafe leiden still. Die folgenden Hinweise sollen eine erste Orientierung für den Tierschutz geben.

Winterlammung

Schafe auf der Suche nach Futter im tiefen Schnee bei klirrendem Dauerfrost, neugeborenes Lamm (noch mit Nabelschnur, gekrümmter Rücken). Keinerlei Zufütterung.

(Kälteempfindlichkeit neugeborener Lämmer)

Im Gegensatz zu ausgewachsenen Schafen sind neugeborene Sauglämmer wegen der noch unzureichenden Bewollung in den ersten 4 bis 8 Lebenswochen empfindlich gegen Kälte und Nässe. Bei der Geburt sind die Lämmer noch naß. In der kalten Jahreszeit sind daher in Perioden mit Temperaturen unter 0 °C oder bei naßkalter Witterung die Tiere für die Ablammung und für die ersten 4 Lebenswochen in einen überdachten, mit trockener Einstreu versehenen, dreiseitig geschlossenen Witterungsschutz (oder Stall) zu verbringen. Steht kein solcher Witterungsschutz zur Verfügung, ist die Ablammzeit durch eine entsprechende Wahl der Deckzeit in die wärmere Jahreszeit zu verlegen. Neugeborene Lämmer, die sich bei Minusgraden im Freien befinden, leiden erheblich. Jedenfalls wenn die Sauglämmer nicht nur ganz kurz, sondern für mehrere Stunden oder Tage Minusgraden ausgesetzt werden, ist der Straftatbestand aus § 17 Tierschutzgesetz (TierSchG) erfüllt.

Hinweise zur Rechtslage:
Nach einem Gutachten des »Tierschutzbeirates des Landes Rheinland-Pfalz« vom 21. Februar 2005 ist bei winterlichen Witterungsbedingungen aus Tierschutzgründen dringend eine Aufstallung der Lämmer erforderlich, da die Bewollung der neugeborenen Sauglämmer noch unzureichend entwickelt ist. Denn auch »bei Lämmern, die im Winter draußen überleben, ist ... davon auszugehen, daß die Tiere leiden« stellt der Tierschutzbeirat fest (www.tierschutzbeirat.de).

Die »Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz« (TVT) schreibt aus diesem Grunde im Winter eine Aufstallung der Lämmer bis zur 4. Lebenswoche vor (TVT, Merkblatt Nr. 91: »Hinweise für die Wanderschafhaltung in der kalten Jahreszeit«, www.tierschutz-tvt.de). Diese Empfehlung der TVT ist in Rheinland-Pfalz durch das Ministerium für Umwelt und Forsten im Februar 2005 zu einer Verwaltungsvorschrift gemacht worden, welche für die Veterinärbehörden des Bundeslandes bindend ist.

Das Verwaltungsgericht Koblenz hat dies jetzt in einer Entscheidung vom 07. April 2006 anerkannt und die Regelungen inhaltlich bestätigt (Az. 2 L 430/06.KO, rechtskräftig). Vergleichbare Regelungen für die Ablammung im Winter gelten in Thüringen und Niedersachsen sowie in Baden-Württemberg (hierzu siehe den »Thüringer Tierschutzbericht 2002«, S. 62-65, ferner die »Empfehlungen für die ganzjährige Weidehaltung von Schafen« vom Tierschutzdienst Niedersachsen (2009), S. 17, s. sowie seit März 2008 die »Empfehlungen für die Koppelschafhaltung« des Landesbeirats für Tierschutz von Baden-Württemberg, dort S. 3, letzteres u. a. auf Initiative des Landestierschutzverbandes Baden-Württemberg).
Die Empfehlungen der TVT haben überregionale Geltung bei der tierschutzkonformen Auslegung von § 2 und § 17 TierSchG.

Weiterführender Link: Tilgner, Winterlammung, 2016
Tilgner_Winterlammung-Tierschutz-Schafe-2016.pdf [1.072 KB]

 

Moderhinke

Moderhinke: Im fortgeschrittenen Krankheitsstadium „knien“ die erkrankten Schafe beim Fressen auf den Karpalgelenken der Vordergliedmaßen, um die Klauen von Schmerzen zu entlasten. Jeder Schritt verursacht hochgradige Schmerzen.

Die Moderhinke ist eine äußerst ansteckende, infektiöse Erkrankung der Klauen und verursacht bei den betroffenen Tieren an den Klauen lang anhaltende, hochgradige entzündungsbedingte Schmerzen und Leiden. Der Erreger wird über den Boden übertragen. Moderhinke weist stets auf bereits bestehendes Leiden hin. Die erkrankten Schafe gehen lahm (hinken) und laufen hinter der Herde her. Im fortgeschrittenen Stadium „knien“ sie beim Fressen auf den Karpalgelenken der Vorderläufe, um die Klauen von Schmerzen zu entlasten. Als strafbarer Verstoß gegen § 17 TierSchG zu werten ist das aktive (Mit-) Treiben der erkrankten Tiere in der Herde, da diese bei jedem Schritt sich wiederholende, erhebliche Schmerzen erleiden und oft nur unter Qualen der Herde folgen können. Die erkrankten Tiere sind vielmehr zu separieren und zu behandeln. Aber auch in dem Fall, daß keine aktive Quälerei vorgenommen wird (die erkrankten Tiere also nicht mitgetrieben werden), erfüllt ein Schafhalter, der die moderhinkebedingten erheblichen Schmerzen und Leiden seiner Tiere über einen längeren Zeitraum bewußt ohne (ausreichende) Behandlung in Kauf nimmt, den Tatbestand einer Straftat (§ 17 II b TierSchG i.V.m. § 13 StGB, Quälerei durch Unterlassen). Die Moderhinke kann erfolgreich behandelt werden (Herdensanierung).

Wenn Sie in einer Herde kniende Schafe beobachten oder sehen, daß viele Schafe humpeln, kontaktieren Sie bitte den Betreuer oder Besitzer der Herde. Wenn sich nichts ändert, verständigen Sie bitte die Amtstierärztin im zuständigen Veterinäramt.

Zur Moderhinke:
Harald Kümper/Hans-Joachim Stumpf: Moderhinke - Ein Tierschutzproblem, in: Amtstierärztlicher Dienst und Lebensmittelkontrolle, ISSN 0945-3296, Jg. 7, 2000, S. 289-291 [zu den veterinärmedizinischen und strafrechtlichen Aspekten]

Weiterführende Informationen: Tilgner, Moderhinke, 2016 (PDF)
mit folgendem Link:
Bitte klicken Sie folgenden Link an: Tilgner_Moderhinke-Schafe-2016.pdf

 

Unterlassene Zufütterung in der kalten Jahreszeit

Neugeborenes Lamm (mit Nabelschnur), bei klirrendem Nachtfrost (-7 °C) verendet und über Nacht hartgefroren. Bei Lämmern, die bei Minusgraden geboren werden, fällt die Körpertemperatur, abhängig von der Außentemperatur, von 39,5 °C bis auf unter 30 °C ab. Die Folge dieser Hypothermie ist der Exitus innerhalb weniger Stunden.

Ist in der kalten Jahreszeit die Nährstoffversorgung der Tiere unzureichend, z.B. bei geschlossener Schneedecke oder bei Weiden mit spärlichem Bewuchs, muß Zufutter zur Verfügung gestellt werden. Das gilt in besonderem Maße für hochträchtige Mutterschafe sowie für lämmerführende Muttern, da diese aufgrund von Trächtigkeit bzw. Laktation einen erhöhten Energiebedarf haben. Der Nährstoffbedarf in der Hochträchtigkeitsphase beträgt bei Einlingsgeburten etwa das Doppelte, bei Zwillingen etwa das Zweieinhalbfache im Vergleich zum Trächtigkeitsbeginn. Bei kalter Witterung ist der Futterbedarf zusätzlich erhöht.

 

Unzureichende Versorgung mit Wasser

Den Schafen muß stets sauberes Tränkwasser zur Verfügung stehen. Das gilt auch für die kalte Jahreszeit. Allein durch die Aufnahme von Schnee kann im Winter der Flüssigkeitsbedarf der Tiere nicht gedeckt werden. Es ist eine frostfreie Tränke erforderlich. Laktierende Mutterschafe haben einen Wasserbedarf von etwa 7 bis 10 Litern je Tag, bei Hitzeperioden bis zu 18 Litern (abhängig von der Außentemperatur).

Haltung von Schafen auf kahlgefressenen Weiden

Hobby-Schafhaltern ist sehr oft nicht bewußt, daß Schafe auf kahlgefressenen Weiden ihren Nährstoffbedarf nicht decken können. Diese Fehleinschätzung ist vor allem darauf zurückzuführen, daß die Erkennung des sich laufend verschlechternden Ernährungszustandes durch die Wolle zumindest erschwert wird. Den Hobby-Schafhaltern ist die Feststellung des Ernährungszustandes durch den sog. Rückengriff vielfach nicht bekannt. Die (längere) Haltung von Schafen auf kahlgefressenen Weiden stellt einen Verstoß gegen § 17 TierSchG dar und ist strafbar.

Fehlender Windschutz im Winter, Schatten im Sommer

Verendetes Schaf (hochträchtig) bei Minusgraden. Der Gesundheitszustand der Schafe muß täglich, bei ablammenden Tieren jedoch mehrmals täglich, erforderlichenfalls auch nachts, kontrolliert werden (TVT).

Allen Tieren muß, wenn sie im Winter nachtsüber in einem Pferch gehalten werden, ein wirkungsvoller Windschutz zur Verfügung stehen (z.B. dichtstehende Bäume oder Hecken oder künstliche Vorrichtungen wie z. B. Strohballen). Bei stärkerem Wind, besonders in Kombination mit Regen, wird die Wärmedämmung der Bewollung herabgesetzt, und es liegt wegen der Verdunstungskälte auf dem Körper die »gefühlte« Temperatur deutlich niedriger als die Außentemperatur. Während des Sommers sollten auf der Weide Schattenbereiche vorhanden sein, die allen Tieren Platz bieten.

 

Parasitäre Erkrankungen (Wurmbefall, Fliegen)

Fliegenmaden
Systematische und vorbeugende Maßnahmen gegen Parasitenbefall sind unerläßlich, um Schäden am Tier zu vermeiden. Unentbehrlich ist regelmäßige Entwurmung. Längerer Wurmbefall hinterläßt sichtbare Spuren am Tier: z.B. Gewichtsverlust, stumpfes Haarkleid oder Muskelatrophie. Durchfallerkrankungen führen dazu, daß die wolletragenden Hautpartien um den After durch Kot verschmiert sind. Dies kann in der warmen Jahreszeit leicht zu Befall mit Fliegenmaden führen, mit äußerst schmerzhaften Folgen für die Schafe, denn die Fliegen­maden fressen sich bei starkem Befall in Haut und Unterhaut (Myiasis), mit Gewebszerstörungen beim Wirtstier (Vergehen gegen den Straf­tat­bestand aus § 17 TierSchG i. V. m. § 13 StGB, Leidenszufügung durch garantenpflichtwidriges Unterlassen).

Weiterführende Informationen unter:
http://www.tierschutz-tvt.de/merkblaetter.html
"Merkblatt 91 der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz".

Erstattung von Anzeigen

Bei gravierenden Verstößen empfiehlt sich die Dokumentation mit einer Fotokamera und eine Beweissicherung durch herangezogene Zeugen. "Anschließend kann bei der Staatsanwaltschaft wegen Vergehens gegen den Straftatbestand aus § 17 Tierschutzgesetz schriftlich Strafanzeige erstattet werden unter Angabe der Beweismittel und unter möglichst genauer Beschreibung der vorgefundenen Mängel (Tatort, Zeitpunkt der Tat, Tathergang, Täter, Auffälligkeiten, Anzeichen für Schmerzen oder Leiden der Tiere, Benennung der Zeugen samt Anschrift, Beifügung von Beweismaterial wie z. B. Fotos). Gleichzeitig sollte die örtlich zuständige Veterinärbehörde zum Eingreifen aufgefordert werden – zur Dokumentation ebenfalls am besten schriftlich bzw. per Telefax; Telefonate dagegen geraten leider schnell in Vergessenheit, eignen sich aber für einen ergänzenden Kontakt zum Sachstand.

Stand: September 2011

Quelle: Arbeitskreis-Tierschutz

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