PETA kritisiert Brieftaubenstart

der Reisevereinigung Ostwestfalen/Soester Börde

Erschöpfte Taube
Erschöpfte Taube Quelle: peta.de

vom 13.04.2011

2.700 Tauben erneut großem Leiden ausgesetzt
Heute, Mittwoch, sollen von der Reisevereinigung Ostwestfalen/Soester Börde ca. 2.700 sogenannte Brieftauben an den Start gehen. Die Tauben wurden nach Eckenhagen gebracht. Egal ob Trainings- oder Wettflüge, die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e. V. kritisiert den Brieftaubensport heftig. Von vornherein seien die Tauben die Verlierer. Denn bei allen „Brieftauben“ ist nicht die Lust an Wettflügen die Motivation zur Heimkehr, sondern die Sehnsucht nach ihrem Heimatschlag, ihrem Partner oder nach den Jungen. Jährlich sterben hunderttausende Tiere auf den bis zu 1.300 km langen Flügen an Dehydration, Erschöpfung oder an Verletzungen. Viele können ihren Heimatschlag nicht wiederfinden und stranden in den Städten, wo sie die Populationen der „Stadttauben“ vergrößern. Laut PETA gibt es in Deutschland ca. 50.000 Züchter, die ca. 2,5 Millionen „Brieftauben“ halten.

„Die Tauben gehen nicht ins Rennen, weil sie Spaß daran haben. Die treuen Tiere reißen sich das Herz aus, um nach Hause zu kommen, zu ihren Jungen oder ihrem Partner. Die Methoden des Brieftaubensports sind gefühllos“, so Kampagnenleiterin Andrea Müller von PETA. Von Natur aus gibt es keine „Brieftauben“. Die Züchter nutzen die Treue der Tiere aus, indem sie die Männchen von ihrer Partnerin wochenlang getrennt halten oder sie kurz vor der Paarung trennen. Einzig und allein die Sehnsucht zu ihrer Partnerin treibt die Täuber, die in Einehe leben, nach Hause. Eine weitere tierquälerische Variante: Die Brieftaubenzüchter unterbrechen das Brutgeschäft der Taubenmütter.

Das Mutterschaftsverhalten und die Liebe zu den eigenen Jungen treibt die Taubenmütter zu Höchstleistungen, denen sie allzu oft aufgrund von Erschöpfung zum Opfer fallen. PETA kritisiert auch das Zuchtziel der Brieftaubenzüchter und das Töten der Tiere, die nicht dem Leistungsschema entsprechen. Nicht das Individuum sei den Züchtern wichtig, sondern seine körperliche Leistungsfähigkeit und die Erlangung von Spitzengeschwindigkeiten. Wer nicht den Anforderungen entspricht, wird in der Regel ohne Betäubung mittels Langziehen des Halses und Umdrehen des Kopfes vom Züchter getötet. Brieftaubensport ist kein romantischer Sport, es ist ein Zeitvertreib, den die Vögel mit dem Leben bezahlen, so PETA.

Brieftaubensport - ein unfaires Spiel

Das Leiden der sogenannten Brieftauben
In Deutschland werden ca. 2,5 Millionen so genannter Brieftauben gehalten und es gibt ca. 50.000 Züchter. Von den Tieren werden Höchstleistungen verlangt, welche sie freiwillig nicht erbringen würden.

Dabei nutzt der Brieftaubensport die Treue der Tauben zu ihrem Heimatschlag, ihrem Partner und ihren Jungen schamlos aus. Der Züchter trennt die Tauben, indem er sie – je nach Strecke – hunderte, aber auch über tausend Kilometer weit weg von ihrem Zuhause bringt und wettet darauf, wie viel Zeit sie benötigen, um in ihr Heim und zu ihren Familien zurück zu fliegen.

Der Brieftaubensport fordert jährlich hunderttausende Taubenverluste.

Die Methoden

Die Brieftaubenzüchter wählen für das Wettrennen und damit die Distanzflüge unterschiedliche Methoden. Bei der Witwermethode werden laut Kommentar zum Tierschutzgesetz Paare zum Getrenntleben gezwungen und nur für kurze Zeit zusammengeführt und dann bei einem Flug eingesetzt. Bei der Nestmethode wird ein Elternteil auf die Reise geschickt, während der andere die Versorgung der Jungen übernimmt. Tauben zieht es immer in ihren Heimatschlag und sie sind von Natur aus sehr treue Vögel, die ein Leben lang mit dem gleichen Partner zusammen leben. Die gleiche Zuneigung zeigen die Tiere bei der Betreuung ihrer Jungen. Die Methoden des Brieftaubensports sind gefühllos.

Hohe Verluste

Erschöpfte Tauben lassen sich oft auf der Straße
Erschöpfte Tauben lassen sich oft auf der Straße nieder und sind dem Straßenverkehr schutzlos ausgesetzt. Quelle: peta.de

Der gefühllose „Sport“ hat eine hohe Zahl an Tieropfern zur Folge. Der Verband Deutscher Brieftaubenzüchter gibt Verluste von unter 10% pro Jahr an. Allein diese Zahl bedeutet den Tod hunderttausender Tiere, die pro Flugsaison an Dehydration, Erschöpfung oder an Verletzungen sterben oder ihren Heimatschlag nicht wiederfinden können. In einem offenen Brief (Download-Link) an den Präsidenten des Verbandes Deutscher Brieftaubenzüchter e.V. spricht Insider Dr. med vet. Warzecha von „millionenfachem Elend“ und er bezieht deutlich Position zu den Tierquälereien: … „Wir alle sehen im eigenen Schlag die Tauben, die es gerade noch nach Hause geschafft haben – oft an Körper und Seele gebrochen.“

In der Studie „Beitrag zur Ermittlung von Kennzahlen zu Verlusten bei Wettflügen von Brieftauben (Untersuchungszeitraum: 2004-2008) vom April 2009“ von Dr. Warzecha und Kollegen wird zu Recht der jährliche Setzverlust von 931.475 Alttauben und Jährlingen (65%) und der jährliche Setzverlust bei Jungtauben in Höhe von 793.532 (53%) kritisiert. Die nicht wiedergekehrten Tauben, die bestenfalls von PETA und anderen Tierschützern gefunden und betreut werden, sind hierbei noch nicht einmal berücksichtigt. Mit Setzverlusten in o.g. Zusammenhang sind die Tauben gemeint, die nicht mehr gesetzt werden, weil z.B. anstrengende und/oder verlustreiche Flüge dazu führten, dass Züchter keine oder weniger Tauben setzen.

Erschöpfte Tauben sind vielen Gefahren
Erschöpfte Tauben sind vielen Gefahren ausgesetzt. Quelle: peta.de

Was passiert mit Tauben, die keine Leistung mehr bringen oder die sich verfliegen?
Das Zuchtziel des Verbandes Deutscher Brieftaubenzüchter zielt auf körperliche Leistungsfähigkeit und auf Erlangung von Spitzengeschwindigkeiten von 130 km/h ab. Die Brieftauben müssen bei Tagesstrecken bis zu 700 km und bei Weitstrecken auch 1300 km zurücklegen. Die Rechnung dieser gnadenlosen Ziele bezahlen die Tauben. Das Töten der ausgesonderten Tauben geschieht ohne Betäubung mittels Langziehen des Halses und Umdrehen des Kopfes und wird vom Züchter selbst durchgeführt. Dies ist mit dem Tierschutzrecht nicht vereinbar. Brieftaubensport ist kein romantischer Sport, es ist ein Zeitvertreib, den die Vögel mit dem Leben bezahlen.

Brieftaubensport verstößt gegen das

Tauben sind faszinierende Wesen
Tauben sind faszinierende Wesen Quelle: peta.de

Tierschutzgesetz
Mit Artikel 20a GG wurde dem ethischen Tierschutz Verfassungsrang verliehen. Werden Tierschutznormen, wie beim Brieftaubensport üblich, missachtet, liegt ein Verfassungsverstoß vor. Im Tierschutzgesetz § 1 wird gefordert, das Leben und Wohlbefinden zu schützen, und es ist verboten, einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schaden zuzufügen. In § 3 Nr. 1 heißt es: „es ist verboten, einem Tier, außer in Notfällen Leistungen abzufordern, denen es wegen seines Zustandes offensichtlich nicht gewachsen ist oder die offensichtlich seine Kräfte übersteigen“ und in § 3 Nr. 3 TschG: „es ist verboten, ein im Haus, Betrieb oder sonst in der Obhut des Menschen gehaltenes Tier auszusetzen oder zurückzulassen, um sich seiner zu entledigen oder sich der Halter- und Betreuerpflicht zu entziehen“.

Ist Brieftaubensport ein zu schützendes Kulturgut?

Vor Jahrtausenden wurden Tauben als Boten genutzt. Die Stammform der Brieftaube ist die Felsentaube (mit ihrer Standorttreue!), wie sie in Städten auch vorzufinden ist. Eine planmäßige Zucht von Brieftauben begann vor ca. 300 Jahren. Doch Brieftauben sind in der heutigen Zeit nicht mehr notwendig, weil diese Tauben keine Nachrichten mehr übermitteln. Sie werden ausschließlich als Sportgeräte für Wettflüge missbraucht.

Mit Ihrer Hilfe können wir die erbarmungslose Tradition des Brieftaubensportes, der die einfühlsamen und intelligenten Vögel zur Wegwerfware degradiert und sie buchstäblich in den Wind schlägt, beenden. Helfen Sie mit, damit nie wieder Tiere bei dem Versuch, zurück zu ihren Lebenspartnern und Jungen zu gelangen, sterben.

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