Die tödliche Falle

Quelle: ZDF vom 03.01.2010

Verirrte Wale verenden am Strand

Die Wale ziehen auf ihren Routen durch die Weltmeere. Die intelligenten Tiere orientieren sich mit unterschiedlichen Sinnesorganen. Trotzdem stranden die Meeressäuger immer wieder an den Küsten und sterben im flachen Wasser qualvoll. Hat die Brandung die Wale erst einmal an Land gespült, sind sie in eine tödliche Falle geraten. Viele Tierschützer versuchen dann verzweifelt die Wale zu retten und ins offene Wasser zu ziehen.

Trotz intensiver Forschungen haben die Forscher bisher nicht herausgefunden, warum die Tiere sich verirren und stranden. Solange der Gründe dafür nicht geklärt sind, bleibt nur den Tierschützern nur eins: sich auf den nächsten Notfall vorbereiten.

Walstrandung in Tasmanien

Im März 2009 stranden im Süden Australiens über hundert Wale. Die Tiere sind am Abend zuvor in eine seichte Bucht an der Küste von King Island geraten und finden nicht mehr den Weg zurück ins offene Meer. Vor allem im Sommer passiert es immer wieder, dass sich Wale auf ihrem Weg in die Antarktis an die Tasmanischen Strände verirren. Wale sind Säugetiere und atmen Luft mit ihren Lungen genau wie wir Menschen. Zum Atmen müssen sie an die Wasseroberfläche kommen. Je nach Walart können sie die Luft von einigen Minuten bis zu zwei Stunden anhalten.

Geraten die Wale in den Ebbe-Flutbereich, bedeutet das meist den sicheren Tod. Doch warum sterben Wale überhaupt an Land, wenn sie doch zum Atmen auftauchen müssen? Ingrid Albion, Tiernotärztin, Nationalparkverwaltung Tasmanien: "Die Tiere leben im offenen Ozean. Sie atmen Luft wie wir, doch an Land sind sie hilflos. Ihr massiger Körper zieht die Tiere in die Seitenlage. Ihr Blasloch gerät unter Wasser und sie ertrinken. Eine andere tödliche Gefahr ist die Hitze. Wenn es regnet können sie länger überleben. Aber wenn es ein sehr heißer Tag ist, können die Tiere sehr schnell an einem Hitzeschlag sterben."

Tödliche Gefahren an Land

Die Meeressäuger sind völlig an das Leben im Wasser angepasst. Gestrandete Wale müssen schnellstens ins Wasser zurück, weil sie austrocknen. Ihr hohes Körpergewicht drückt gewaltig auf die inneren Organe und Rippen. Größere Tiere haben kaum Chancen zu überleben, sie ersticken unter der Last ihres eigenen Gewichtes.

Die dicke Fettschicht unter der Haut schützt die Wale zwar im kalten Meer vor Auskühlung und bildet eine hervorragende Wärmeisolierung. Aber im warmen Sonnenlicht heizt sich der Körper unaufhaltsam auf. Dann droht ein Hitzschlag. Sie haben keine Schweißdrüsen zur Kühlung. Hitze und Kälte spüren Wale überhaupt nur an ihren Flossen. Während der Hilfsaktionen versuchen die Retter die Tier mit Wasser zu kühlen.

Ingrid Albion: "Grind- und Pottwale haben eine enge Gruppenbindung. Sie stranden am häufigsten in Massen. Gerät einer von ihnen in Not, ruft er um Hilfe und die anderen Tiere wollen ihm zu Hilfe kommen. Sogar ihre Jungen bringen sie mit. Das ist wirklich erschütternd, wenn das passiert."

Tierschützer trainieren Walrettung

Die Tierärztin aus Tasmanien bildet Walretter aus, denn wenn Wale stranden, muss schnell gehandelt werden und jeder Handgriff sitzen. Ingrid Albion leitet Trainingseinheiten, damit im Ernstfall keine Zeit verloren geht. Gemeinsam üben die Helfer den "Übungs-Wal" mit Rettungsmatten zurück ins Meer zu tragen. Trotz Wasserfüllung ist er bei weitem nicht so schwer wie ein echtes Tier. Immerhin wiegt ein Grindwal bis zu drei Tonnen, so viel wie ein Kleinlastwagen samt Ladung.

Vorsichtig müssen die Retter vor allem in der Nähe der Schwanzflosse sein, sie kann Retter im Ernstfall schwer verletzen. Zurück im tiefen Wasser ist die Gefahr weiterhin noch groß, dass der Wal den Weg ins offene Meer nicht findet, denn sein Orientierungssinn versagt im flachen Küstenwasser. Hier droht Mensch und Tier noch eine andere Gefahr: Haie, angelockt von Walkadavern. Doch die Retter nehmen das alles auf sich.

Ingrid Albion, Tierärztin: "Das schönste Gefühl ist die Tiere wieder in die Freiheit zu entlassen und zu sehen, dass sich Arbeit und Training auszahlt. Das ist für mich das Größte. Wen man merkt, dass das System funktioniert und all das Wissen was man sich angeeignet hat, am Ende dann doch nützt." Bis heute wissen die Forscher nicht, warum die intelligenten Tiere mit einem hochentwickelten Sonarsystem hilflos an die Küsten geschwemmt werden und im qualvoll im seichten Wasser verenden.

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