Die ökologischen Auswirkungen

"Nutztierhaltung ist in etwa so alt wie die Sklaverei. Oder die Behandlung von Frauen als Bürger zweiter Klasse. Wir haben in unserer Geschichte vieles getan, was uns heute unvorstellbar grausam erscheint. Was Sklaverei und Frauenrechte betrifft, hat sich unser Bewusstsein erst vor relativ sehr kurzer Zeit geändert - und ist noch keineswegs abgeschlossen. Bei den Tieren sind wir auf dem Weg.“ (Jonathan S. Foer)

Unter Intensiv-Massentierhaltung wird die Haltung von Tieren in industriellen, weitgehend automatisierten Großbetrieben verstanden, in denen der Platz pro Tier nicht oder kaum das gesetzlich vorgeschriebene Mindestmaß überschreitet. Dabei werden weltweit jede Stunde rund sechs Mill. empfindungsfähige Wesen für den Fleischkonsum getötet – ohne die Fische.

Unter dem Druck der Gesetzmäßigkeiten der industriellen Güterproduktion wurde die Intensiv-Massentierhaltung in den 60er Jahren zunächst in den USA eingeführt. (1965 Ruth Harrison, Buch „Tiermaschinen“). Sie kam dann über Großbritannien auch nach Deutschland. Es ging darum, so kostensparend wie möglich zu „produzieren“ um wettbewerbsfähig zu bleiben. Es geht darum, möglichst viele Tiere (vor allem Geflügel, Schweine und Rinder) platz-, zeit- und arbeitssparend auszubeuten, mit wenig Personal in immer kürzerer Zeit und mit wenig Energieaufwand auf engem Raum in denaturierter Umgebung möglichst viele tierische Erzeugnisse hervorzubringen. Das Streben nach immer höheren Milch-, Fleisch- und Eierleistungen führte zur Technisierung und Rationalisierung der Viehhaltung ohne individuelle Betreuung des einzelnen Tieres bei Missachtung ihrer arteigenen Bedürfnisse. Die Tiere werden zur standardisierten Produktionseinheit und wie Industrieprodukte behandelt.

Hier nur zwei herausgegriffene Beispiele: Unter natürlichen Bedingungen werden Kühe bis zu 25 Jahre alt. Die durchschnittliche Lebenserwartung einer Milchkuh ist jetzt nur noch 5 Jahre. Die Milchleistung wurde in den letzten zehn Jahren von 4.800 l auf 9.000 l gesteigert, was eine enorme Belastung des Stoffwechsels bedeutet, weswegen schon geringste Fehler in Management und Fütterung zu Erkrankungen führen. 160 Tage währt das Leben eines Mastschweins. Die normale Lebenserwartung beträgt etwa 12 Jahre.

Zahlreiche internationale Organisationen und wissenschaftliche Institutionen haben sich in den letzten Jahren vor allem mit den Auswirkungen der Viehwirtschaft und der steigenden Fleischerzeugung auf die Ökosysteme befasst, insbesondere bezüglich des Klimas: Kopernikus-Institut der Universität Utrecht, WWF Deutschland (2009), Max-Planck-Institut für terristrische Mikrobiologie (2007), der International Panel for Sustainable Resource Management des Umweltprogramms der UN, das National Centre for Epidemiology and Population Health der Universität Chicago (2007), das Institute for Food and Development Policy Oakland, der UN-Weltklimarat, American Association for the Advancement of Science, das Medical Institute der Stanford University, die National Academy of Science, Greenpeace Deutschland, Schweiz, Österreich und International (2008), Bundesämter für Umwelt und Landwirtschaft der Schweiz und andere im Folgenden genannte.

„Appell für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Positionspapier von über 100 niederländischen Professoren“, 27.04.2010. Ferner zahlreiche einzelne Autoren. Bahnbrechend bereits Jeremy Rifkin, Beyond Beef. The Rise and Fall of the Cattle Culture. New York 1992. (Dt. Das Imperium der Rinder, 1994)

Außerdem ist ein Werbeverbot für die tierischen Erzeugnisse durchzusetzen.

Auf längere Sicht ist das Projekt des Fleisches aus Zellkulturen (Retortenfleisch, künstliches Fleisch, Laborfleisch, In-Vitro-Fleisch, kultiviertes Fleisch) von Interesse. Aus Stammzellen sollen in Bioreaktoren Muskelzellen heranwachsen, aus denen Fleisch im Wesentlichen besteht. Dafür müssen die Forscher die Zellen dazu bringen, sich enorm zu vermehren. (Mit Gentechnik hat dieser Vorgang nichts zu tun, da keine Eingriffe in die DNA erfolgen). Bereits 1999 wurde ein weltweites Patent für die künstliche Fleischherstellung ausgestellt, und im April 2008 fand in Norwegen ein „Internationales In-Vitro-Fleisch-Symposium“ statt („When meat is not murder“), unterstützt von der US-Organisation New Harvest. Koordinierte Forschungen finden – von der niederländischen Regierung unterstützt - an den Universitäten Eindhoven, Utrecht und Amsterdam statt, ferner an der Medical University of South Carolina in Charleston, der University of Maryland, dem Touro College New York (NASA-Projekt) sowie in Australien. Das Projekt wird finanziell von PETA unterstützt, die auch ein Preisgeld von 1 Mill. Dollar auf ein marktfähiges Produkt ausgesetzt hat. Man hofft, dass es frühestens um 2020 so weit sein wird.

Literatur:
Jeremy Rifkin: Das Imperium der Rinder. Campus Verlag, 1994, 277 S.
Henriette Mackensen: Die Kuh als Klimasünder? Der Einfluss der Nutztierhaltung auf den Klimawandel und Ansätze für mehr Klimaschutz. Landwirtschaft 2008. Der kritische Agrarbericht, S. 231 ff.
Josef H. Reichholf: Der Tanz um das goldene Kalb. Der Ökokolonialismus Europas. Verlag Klaus Wagenbach, 2011, 144 S.
Vortrag vom April 2011
Quelle: Herbert-Gruhl-Gesellschaft e.V., Von Edgar Guhde

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