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Der lange Kampf gegen die Legebatterien

Werdegang der Legehennenhaltung

Gefunden auf den Seiten: Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft

Wenn Sie sich für die Geschichte der Legehennenhaltung interessieren, sollten Sie diesen Artikel lesen.

Bis in die 50er Jahre wurden Legehennen in Deutschland überwiegend in traditioneller Weise gehalten. Die Tiere lebten in einem Hühnerstall mit Nestern und Sitzstangen und hatten tagsüber unbegrenzten Auslauf auf dem Bauernhof. Um die steigende Nachfrage nach Eiern befriedigen zu können, erfolgte die erste Rationalisierung hin zur intensiven Bodenhaltung in fensterlosen Ställen. Sie bestanden etwa zur Hälfte aus einer ebenen Fläche mit Einstreu. Die andere Hälfte bestand aus Sitzstangen über einem mit Drahtgitter abgedeckten Kotkasten. Auf diese Art wurden 200 bis 500 Legehennen ohne Auslauf gehalten, die Haltungsdichte war mit 5 bis 6 Hennen pro Quadratmeter noch gering, Füttern und Eiersammeln erfolgte von Hand.

Die USA, Dänemark und Großbritannien erprobten in den 50er Jahren mit dem "Pennsylvania-System" zum ersten Mal die Hennenhaltung auf durchgehend abgeschrägten Gitterböden. Hier gab es kein Einstreu und keinen Scharrboden mehr, was zwar den Befall der Tiere mit Parasiten verringerte, jedoch zu ersten Verhaltensstörungen führte. In Herdengrößen von bis zu 1000 Tieren wurden aktuell 10 bis 11 Hennen pro Quadratmeter gehalten.

Die letzte Stufe dieser Entwicklung hin zu immer mehr Hennen pro Quadratmeter Fläche, Rationalisierung der Arbeitsabläufe und billigen Eiern in großer Menge, war die Käfighaltung. Nun konnte man in Ställen mit bis zu einer Million Tieren in mehreren Etagen übereinander über 100 Hennen pro Quadratmeter Grundfläche halten. Füttern, Misten und Eier sammeln wurde weitgehend automatisiert.

In Deutschland erfolgte der Übergang von der Bodenhaltung zur Käfighaltung ab den 60er Jahren in raschem Tempo. Bereits 1972 wurden 80 Prozent der Legehennen in Deutschland in Käfigen gehalten. Der Anteil der Käfigeier stieg bis Mitte der 90er Jahre sogar auf 95 Prozent. Käfige waren die vorherrschende Form der Eierproduktion, Freilandhaltung war nahezu bedeutungslos geworden.

Schon in der Frühzeit der Käfighaltung meldeten sich jedoch kenntnisreiche Gegner dieser Haltungsform zu Wort. Zu den bekanntesten gehörten der Zoologe Prof. Bernhard Grzimek, der die Käfighaltung als "grobe Tierquälerei" bezeichnete und der Verhaltensforscher Konrad Lorenz, der die Hühnerbatterien eine "Kulturschande" nannte. In einem Tierschutz-Gutachten von 1974 schrieben die Verhaltensforscher Martin, Leyhausen und Nicolai: "Die derzeit üblichen Praktiken der Käfighaltung erfüllen den Tatbestand der Tierquälerei in hohem Ausmaß."

Befürworter der Käfighaltung verwiesen indes auf die bessere Hygiene und die geringere Sterblichkeit der Hühner in den Batterien, verglichen mit der Bodenhaltung. Sie argumentierten, die Lebensumstände der Tiere hätten sich gerade durch die Käfighaltung gegenüber der Bodenhaltung deutlich verbessert. Das zeige sich in besserer Stall- und Eier-Hygiene, geringerer Sterblichkeit der Tiere und in einer gegenüber der Bodenhaltung fast verdoppelten Legeleistung: "Wenn sich die Hühner in den Käfigen wirklich nicht wohl fühlten, würden sie nicht freiwillig so viele Eier legen." Außerdem hätten Käfige mit Abstand die niedrigsten Produktionskosten. Wenn man die Bevölkerung preiswert mit Eiern versorgen wolle, sei es unrealistisch, diese Haltung abschaffen zu wollen.

Der öffentliche Druck gegen die Käfige war aber nicht mehr zu stoppen. Kampagnen und Unterschriftensammlungen von Tierschutzverbänden und die intensive Berichterstattung der Medien sensibilisierten die Bevölkerung zunehmend für das Thema. Zögernd begann auch die Entwicklung von Haltungsalternativen, die tiergemäßer sein mussten als Käfige - aber auch hygienischer und rationeller als die alte Bodenhaltung.

Politisch blieb der Bewegung gegen die Käfige in Deutschland der Erfolg jedoch lange versagt. So schrieb die Hennenhaltungsverordnung 1987 die Käfighaltung als die gängige Methode der Eiererzeugung noch einmal fest.

Eine neue Qualität bekam die Auseinandersetzung erst 1990 mit der Klage des Landes Nordrhein-Westfalen gegen die Hennenhaltungsverordnung beim Bundesverfassungsgericht. Begründet wurde die Klage mit Zweifeln, ob die deutsche Hennenhaltungsverordnung die vom Tierschutzgesetz bereits 1972 geforderte "artgemäße und verhaltensgerechte Unterbringung" der Tiere gewährleiste. Im selben Jahr zeigte eine Umfrage des Allensbacher Institutes für Demoskopie, dass mittlerweile 85 Prozent der Bundesbürger die Käfighaltung von Legehennen ablehnten. Weitere Umfragen ergaben, dass eine Mehrheit der deutschen Verbraucher auch bereit war, für Eier aus artgerechter Haltung mehr zu bezahlen.

Dennoch vergingen noch einmal fast zehn Jahre bis zum entscheidenden Wendepunkt in der Diskussion um die Käfighaltung. In seinem Urteil vom Juli 1999 setzte das Bundesverfassungsgericht die Hennenhaltungsverordnung von 1987 außer Kraft, weil sie nicht mit dem Tierschutzgesetz vereinbar sei. Das Bundesverfassungsgericht nannte als Mindestfläche für eine Henne 690 cm2 und definierte als Grundbedürfnisse der Hennen "das Scharren und Picken, die ungestörte und geschützte Eiablage, die Eigenkörperpflege, zu der auch das Sandbaden gehört, oder das erhöhte Sitzen auf Stangen".

Ebenfalls 1999 verabschiedete die Europäische Union ihre Legehennenrichtlinie, die zwar nur geringe Verbesserungen im Tierschutz festschrieb, aber den einzelnen Mitgliedsländern das Recht gab, national strengere Vorschriften für die Hennenhaltung zu erlassen. Von dieser Möglichkeit machte die Bundesregierung mit der Neuauflage der Hennenhaltungsverordnung im Jahr 2002 zum ersten Mal Gebrauch.

Ende 2006 werden die letzten herkömmlichen Käfigbatterien in Deutschland geschlossen. Historisch gesehen war die Käfighaltung von Legehennen in Deutschland dann nur eine kurze Phase der landwirtschaftlichen Tierhaltung. Sie konnte sich nicht einmal 50 Jahre halten.

Quellen:
"Batteriekäfighaltung von Legehennen – Dauererfolg einer Lobby?"
Prof.Sojka in Hühner-Info.de Hamburg 2001

"Neue Verfahren für die Legehennenhaltung"
W. Bessei und K. Damme KTBL-Schrift Nr 378

Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL)
Richtlinie 1999/74/EG vom 19. Juli 1999

Broschüre Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, Bonn 1991

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