Thunfische unter Stress

Schlechte Zuchtbedingungen belasten die Tiere

Abenteuer Forschung - Der Tod im Ozean vom 30.07.2003 im ZDF

Nach den Vorstellungen der Fischereiindustrie soll der Bedarf an Speisefischen immer mehr auch aus der Zucht gedeckt werden, ein profitables Geschäft. Doch nicht alle Fischarten eignen sich zur Massentierhaltung.

In Japan stammen bereits 85 Prozent der konsumierten Goldbrassen aus Zuchtbeständen. Langjährige Kreuzungen haben aus dem Wildfisch einen pflegeleichteren Zuchtfisch entstehen lassen. Seine Entwicklungszeit ist jetzt nur noch halb so lang wie in der freien Natur. Das bedeutet, dass immer mehr Fische in immer kürzerer Zeit produziert werden können. Eines der großen Ziele der Fischzucht. Doch nicht alle Fische lassen sich so einfach vermehren, wie die Goldbrasse. Die Aufzucht kann sehr kompliziert sein.

Zucht von Thunfischen

Ein Fisch, bei dem die Züchter bislang gescheitert sind, ist zugleich einer der teuersten Speisefische: Der Thunfisch. Thunfische werden schon sehr lange intensiv befischt, in der Folge verringern sich die Bestände und die Größe der gefangenen Fische. Die Fischereiindustrie setzt daher auf eine Methode, die diese Situation entschärfen könnte: Schwimmende Fischfarmen auf hoher See.

Die jungen Thunfische werden im Meer gefangen und einige Monate in Unterwasserkäfigen gehalten, in denen sie regelrecht gemästet werden. So können das ganze Jahr über wieder dicke und große Thunfische in den Handel gebracht werden. Ein sehr profitables Geschäft. Der Wildbestand wird durch diese Methode allerdings kaum geschont, denn die jungen Thunfische werden ja auf hoher See gefangen, bevor sie sich vermehren konnten.

Stress in den Käfigen

Das Ziel bleibt die vollständige Zucht vom Ei bis zum laichenden Thunfisch. Trotz langjähriger Forschung ist dies erst einmal unter schwierigen Bedingungen gelungen. Allein schon die Gewinnung der Fischeier ist kompliziert. Die Züchter müssen sie mühsam aus dem offenen Wasser des Meeres oder in ihren Gehegen sammeln.

Ein Unternehmen, das mehr dem Zufall unterworfen ist. Weitere Probleme stellen sich bei der Aufzucht der Larven. Noch wissen die Forscher zu wenig über richtige Ernährung und Vermeidung von Krankheiten. Die meisten Fische in den Käfignetzen sterben schon vor der Geschlechtsreife und die Überlebenden lassen sich nicht zum Laichen bringen. Der Stress in den Käfigen ist für die Fische zu hoch.

Problempulver Fischmehl

Sendung "Der stille Tod", Abenteuer Forschung vom 3. Juli 2002, 22.15 Uhr im ZDF

Seit den 70er Jahren blüht die Fischmehlproduktion - ein umstrittenes Geschäft. Rund ein Drittel der derzeit weltweit gefangenen Fische gerät in die Mahlschnecke.

Volle Teiche - leere Meere?
Den Löwenanteil der Fischmehlproduktion verbraucht die Aquakultur, die Zucht von Fischen, Krabben und Muscheln in Becken und Netzkäfigen. Um ein Kilo Zuchtfischfleisch zu erhalten, müssen zwei bis drei Kilo Fangfisch zugefüttert werden - in Form von Fischmehl. Eine beispiellose Verschwendung der ohnehin knappen Meeresfrüchte, meinen viele. Allerdings sind diese "Futterfische" klein und grätenreich und für den menschlichen Verzehr nicht geeignet. Die damit gemästeten Luxusfische Lachs, Steinbutt und Aal können dagegen auf dem Weltmarkt hohe Preise erzielen.

Sojabohne statt Fischmehl
Die Nachfrage nach Fischmehl ist durch den rasanten Boom der Aquakultur drastisch gestiegen, und dieser Trend setzt sich fort. Ziel ist, das Fischmehl durch pflanzliche Futterstoffe zu ersetzen, zum Beispiel aus der Sojabohne. Kritiker entgegnen, dass die Welt-Sojaproduktion diesen enormen Bedarf nie decken können. Die Sojapflanzen müssten auch genetisch modifiziert werden, denn noch fehlen ihnen die für die Fische essentiellen Aminosäuren. Raubfische wie der Lachs sind außerdem keine Vegetarier.

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