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Kollaps in der Ostsee

Hat der Kabeljau noch eine Chance?

Abenteuer Forschung - Der Tod im Ozean vom 30.07.2003 im ZDF

Der Kabeljau droht aus den Meeren zu verschwinden. Nicht nur die Überfischung führt zu dieser dramatischen Entwicklung, auch natürliche Faktoren dezimieren die Bestände.

Kabeljau war einst der beliebteste Speisefisch in Deutschland. Die Kabeljaufischerei wuchs seit den 70er-Jahren zu einem blühenden Imperium. Mit ausgefeilter Technik und ständig wachsenden Fangflotten wurden die riesigen Schwärme systematisch abgefischt. 200.000 Tonnen jährlich wurden allein aus der Nordsee geholt.

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Kein Nachwuchs in der Ostsee

Diese rücksichtslose Ausbeutung hat zur Folge, dass die Bestände vielerorts kollabieren. Die Fischer haben nicht nur immer weniger in ihren Netzen, sondern die gefangenen Fische sind auch kleiner - sie sind noch nicht fortpflanzungsfähig und dürfen daher nicht angelandet werden. Forscher liefern ständig unmissverständliche Daten über den Rückgang der Bestände, doch immer noch sind die kommerziellen Interessen der Fischerei stärker als alle wissenschaftlichen Empfehlungen.

In der Ostsee ist die Lage besonders dramatisch. Der Kabeljau-Nachwuchs aus dem letzten Jahr fehlt fast vollständig. Nicht nur der Fischereidruck ist dafür verantwortlich, auch natürliche Faktoren erschweren hier eine Erholung der Bestände. Der niedrige Salz- und Sauerstoffgehalt dieses Binnenmeeres war in den letzten Jahren ungünstig für den Kabeljau. Der Zugang zum offenen Meer zwischen Dänemark und Skandinavien ist sehr schmal, so dass nur wenig Wasser ausgetauscht wird. Erst wenn mehrere Tage lang starke westliche Winde über die Nordsee wehen, dringt salzhaltiges Frischwasser in die Ostsee. Im Januar 2003 geschah dies zum ersten Mal nach zehn Jahren wieder.

Dieses frische Wasser ist entscheidend für den Fortpflanzungserfolg der Fische. Denn die Kabeljau-Eier werden im freien Wasser abgelegt und verteilen sich hier entsprechend ihres Gewichts. Ist der Salzgehalt und damit die Dichte hoch genug, schwebt der Nachwuchs in der Wasserschicht, die ausreichend Sauerstoff für seine Entwicklung enthält. Bleibt der Wind und damit die Salzwasserzufuhr aus, wie in den letzten zehn Jahren, nimmt auch der Salzgehalt der Ostsee ab. Das sehr salzarme Wasser hat dann eine so geringe Dichte, dass die Fischeier zu Boden sinken und dort ohne Nahrung und Sauerstoff zu Grunde gehen. Das kann schließlich dazu führen, dass die neue Generation der bedrohten Fischart vollständig ausgelöscht wird.

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Sprotten vermehren sich stark

Das fragile biologische Gleichgewicht der Ostsee hat sich noch aus einem weiteren Grund zu Ungunsten des Kabeljaus verändert: Die Sprotte, eine wichtige Nahrungsquelle des Kabeljaus, konnte sich wegen der sinkenden Kabeljaubestände in den letzten Jahren stark vermehren. Normalerweise frisst im intakten Ökosystem der Kabeljau genug Sprotten weg und hält dadurch ihre Zahl in Grenzen. Und das ist auch für das Überleben des Kabeljaus wichtig, denn die Sprotten wiederum fressen seine Eier.

Je mehr Sprotten es also gibt, um so kleiner sind die Chancen für den Kabeljau zu überleben. Jahrzehnte der Überfischung ließen die Kabeljaubestände stetig schrumpfen. Dadurch konnte die Sprottenpopulation stark anwachsen. Die Sprotten fressen immer mehr Eier des Kabeljaus und dezimieren dessen Population noch drastischer. So droht der einst so beliebte Speisefisch aus unseren Meeren zu verschwinden.

Immer mehr Menschen leben auf der Erde und damit wächst der Bedarf an Speisefischen. 70 Prozent - so eine Schätzung - der überhaupt vorkommenden Fischbestände werden inzwischen massiv befischt. Ein Ausweg wird in der Fischzucht gesucht. Doch diese birgt neue Probleme.

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