Von intelligenten Vögel und anderen Tieren...

Pisa für Vögel...

Krähen sind vorn!

Krähen und Eichelhäher sind die Schlaumeier im Vogelreich. Auf der Liste der intelligentesten Vögel, die ein kanadischer Wissenschaftler erstellt hat, stehen sie jedenfalls ganz oben. Das Ranking basiert auf dem Verhalten der Tiere bei der Nahrungssuche. Wer besonders innovativ ist und immer neue Wege findet, sich trickreich Futter zu besorgen, schneidet besonders gut ab.

Papageien enttäuschten
Der Erfinder des Tests, Louis Lefebvre, war nach Angaben des Nachrichtensenders BBC selbst von den Ergebnissen überrascht. Er hatte Papageien ganz oben auf der Liste erwartet - wegen ihres besonders großen Gehirns. Bei der Futtersuche stellen sie sich offensichtlich jedoch nicht geschickt genug an. Lefebvre hat für seine Arbeit Forschungsberichte von wild lebenden Vögeln aus den letzten 75 Jahren ausgewertet.

Makabere Strategie der Geier
Neben Krähen und Hähern schnitten auch Falken und Spechte gut ab. Unter den innovativen Strategien bei der Futtersuche sind Lefebvre einige besonders spektakuläre Berichte untergekommen. So beobachteten Vogelkundler in afrikanischen Kriegsregionen Geier, die sich auf Minenfelder spezialisiert hatten und an den Absperrungen warteten, bis Gazellen die Felder betraten. In der Antarktis wurden Südpolarskuas beobachtet, die sich bei säugenden Robben Milch stibitzten.

Innovativ aber unbeliebt
"Was bei dem Ranking auffällt, ist dass die Beliebtheit der Vögel bei Menschen nicht mit ihrer Intelligenz steigt", sagt Louis Lefebvre. "Menschen mögen Krähen nicht besonders, weil sie schwarz sind, etwas unheimlich aussehen und Aas fressen." Vögel, die Menschen besonders gern mögen, sind in der Regel nicht die schlauen Erfinder.

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Rechnende Pferde, schlaue Hunde

Pony Einstein hat eine wilde, ungezügelte Mähne und stampft sehr entschieden mit dem rechten Vorderbein auf. Wenn es Möhren als Belohnung gibt, kann Einstein mit dem Hufeisen Zahlenrhythmen auf eine Holzplatte klopfen. Weil das kleine Pony so schlau ist, war es vor kurzem sogar in einem Berliner Universitäts-Hörsaal zu Gast. Dort ging es streng wissenschaftlich um eine Frage, die Forscher schon vor 100 Jahren beschäftigt hat: Haben Tiere so viel Grips, dass sie rechnen können?

Hund mit großem Wortschatz
Geschichten über intelligente Tiere sind beliebt. Es gab kaum ein Medium, das im vergangenen Sommer nicht über Hund Rico berichtete: Ein Border-Collie, der wie ein Kleinkind 250 Wörter den richtigen Gegenständen zuordnen kann. Forscher vom Leipziger Max-Planck- Institut für evolutionäre Anthropologie billigten Rico kognitive Fähigkeiten zu. Bekannt sind auch Tests mit Menschenaffen. Um in einem kahlen Raum an eine Banane hoch über ihren Köpfen zu gelangen, stapeln sie Kisten aufeinander. Für Forscher ist das ein Beleg dafür, dass Affen mit einer Kombination aus Beobachtung und Überlegung Probleme lösen können - eine Form von Intelligenz.

Tiere können denken und lernen
"Die Intelligenz von Tieren hat die Fantasie der Menschen seit Jahrtausenden beflügelt", sagt Elke van der Meer, Direktorin am Institut für Psychologie der Berliner Humboldt-Universität. Früher gab es Sagen über Wölfe, die Menschenkinder großzogen. Heute gibt es Fernsehserien mit tierischen Helden von "Flipper" bis "Kommissar Rex". Auch wenn Tiere im deutschen Recht als "Sachen" gelten, gesteht ihnen die Psychologie Denkvermögen und Lernfähigkeit zu - nur eben nicht immer so, wie sich Menschen das vorstellen.

Das rechnende Pferd - ein Irrtum
Ein schönes Beispiel für Irrtümer der Wissenschaft war ein Pferd namens Hans. Vor genau 100 Jahren sorgte der Berliner Gaul, der angeblich Bruchrechnen konnte, für große Aufregung. Über die Rechenkünste von Hans entbrannte nicht nur ein Gelehrten- und Medienstreit. Das Tier genoss eine Popularität wie heute ein Popstar. Polizisten mussten das Pferd schließlich vor schaulustigem Volk schützen. Das Pferd zählte Hüte oder Regenschirme und stampfte stets das korrekte Ergebnis mit dem Vorderhuf auf. Bruchrechnen konnte das Tier dem Augenschein nach auch, wenn sein Besitzer, ein pensionierter Grundschullehrer, Aufgaben stellte. Erst Experimentalpsychologen fanden heraus, dass Hans gar nicht rechnen konnte. Das Pferd las vielmehr das richtige Ergebnis an der unbewussten Mimik seines Lehrers ab - eine Art "soziale" Intelligenz, mit der die Forscher gar nicht gerechnet hatten.

Lesen und Rechnen ist an Sprache geknüpft
"Es gibt auch heute keine Hinweise darauf, dass Tiere rechnen oder lesen können", erläutert Wolfgang Prinz vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in München. "Diese Fähigkeiten sind an menschliche Sprache gebunden". Dennoch verfügten Tiere über eine große Intelligenz, die sich jedoch zumeist auf ihren eigenen Lebensraum beschränke. "Natürlich ist Dressur auch eine Form von Lernen", betont Prinz. Es gebe aber Grenzen. "Entscheidend ist dabei das Leckerchen, das Tiere als Belohnung erhalten", ergänzt der Wissenschaftler.

Ohne leckere Belohnung geht gar nichts
Der französische Mathematiker Stanislas Dehaene berichtet von Experimenten mit Ratten, die sich durch Belohnung mit Futter Zahlen merken konnten. In seinem Buch "Der Zahlensinn" geht er davon aus, dass Tiere auch ohne Futteranreiz eine Anzahl einschätzen können. Sie verfügten jedoch nicht über abstrakte Zahlenvorstellungen. So ist auch Pony Einstein nur mit Möhren zu seinen Kunststücken zu bewegen. "Wir können den Tieren nur so verständlich machen, was wir von ihnen wollen", sagt Trainerin Astrid Harsch. Sie bildet Hunde für die TV-Serie "Forsthaus Falkenau" oder Pumas für Werbespots aus. Die Trainerin hat auch keinen Zweifel daran, dass ihre Tiere viel Grips haben. Doch sie müssen mit Tricks für Auftritte nach menschlichen Vorstellungen gewonnen werden.

   

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