Anstand satt

Quelle: Die Zeit vom 20.01.2011, von Frank Drieschner

Wird es dem Kotelett ergehen wie der Zigarette? Die Folgen des Dioxinskandals für die Massentierhaltung.
Für 27 Millionen deutscher Schweine gibt es Hoffnung. Natürlich wird sich ihr Dasein nicht sofort verbessern. Aber immerhin das lässt sich mit einiger Sicherheit sagen: Die Enkel oder wenigstens die Urenkel der Zuchttiere unter ihnen werden es einmal besser haben.

Woher man das weiß? Aus einer Marktuntersuchung der Fleischindustrie, deren Gegenstand der ärgste Feind der Schweine ist, der Verbraucher. Er wandelt sich gerade. Ein mengenorientierter Fleischkonsum , heißt es in der Studie, sei out . Noch nicht überall, aber dort, wo es besonders wichtig ist: In den gesellschaftlichen Leitmilieus.

Mengenorientierter Fleischkonsum diese Formulierung sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen, vielleicht zusammen mit einem saftigen Schweinenackenkotelett vom Discounter. Mengenorientiert essen, nicht gut, nur viel muss es sein, 700 Gramm Kotelett, deutsches Qualitätsfleisch , gibt es schon für 2,39 Euro. Wer dieses Billigfleisch kauft, der will nicht wissen, wie es produziert wurde. Das Problem ist, dass es trotzdem jeder weiß. Und weil das so ist, kann man über die Umstände der mengenorientierten Kotelettproduktion nichts berichten, ohne das verdrängte Grauen in den Fleischfabriken wachzurufen. Sogar gute Nachrichten helfen nicht: Schweinefleisch jetzt wieder ohne Dioxin wenn Ilse Aigner, die Bundeslandwirtschaftsministerin, das schließlich verkünden kann, wird jeder wieder an die armen Schweine denken.

Doch es gibt Grund zur Hoffnung. In gesellschaftlichen Leitmilieus ist mengenorientierter Fleischkonsum out.

Was sich da anbahnt, ist eher eine Revolution als eine Reform. Am kommenden Wochenende wird in Berlin die erste bundesweite Demonstration gegen Massentierhaltung stattfinden. Tierschützer, Umweltorganisationen und Vertreter der Biobranche haben dazu aufgerufen. Ihre Parole: Wir haben es satt!

Es gibt kein Grundrecht auf billiges Fleisch

Natürlich braucht es für eine Agrarrevolution mehr als eine Demonstration. Aber es gibt viele Anzeichen eines Wandels. Da sind die Bücher der Fleischverächter auf der Bestsellerliste. Da ist die wachsende Zahl der Vegetarier wenige Promille waren es in den achtziger Jahren, heute sind es nach unterschiedlichen Umfragen sechs, acht, womöglich elf Prozent. Da ist das Wachstum der Biobranche. Und da ist eine Umfrage aus dem vergangenen Sommer: Jeder zweite Deutsche hat sich vorgenommen, weniger Fleisch zu essen. Natürlich werden nicht alle ihren guten Vorsätzen treu bleiben. Aber dass es überhaupt als guter Vorsatz gilt, weniger Fleisch zu essen, das ist neu.

Die Fleischlobby scheint unterdessen verstummt zu sein, auch das ist neu. Man muss schon eine Weile zurückdenken, um sich an ihre absurden Argumente zu erinnern: dass Käfighühner es doch gut hätten in ihren engen Gefängnissen trocken, warm, geschützt vor ihren leider sehr zum Kannibalismus neigenden Artgenossen. Wer derlei heute noch verträte, würde sich lächerlich machen.

Vor Jahren musste man für ein Stück Schweinefleisch vier Mal so lange arbeiten wie heute!
Wie ein Konsummuster sich wandeln kann, zeigt das Beispiel des Tabaks. Wer hätte vor zehn Jahren geglaubt, dass es ein Rauchverbot im öffentlichen Raum je geben würde? Im Rückblick sieht man die Vorgeschichte klarer. Dass Rauchen ungesund ist, weiß und wusste fast jeder. Aber es musste Zeit vergehen, bis diese Erkenntnis sich in Überdruss verwandelte, bis diese die kulturellen Leitmilieus erfasste, bis die Raucher aus dem Fernsehen, dem Kino und am Ende aus der Öffentlichkeit verschwanden.

Wird es dem Kotelett am Ende ergehen wie der Zigarette? Für diese Vermutung spricht, dass immerhin 345 Hochschullehrer, unbestreitbar eine Elite, den Appell gegen die Massentierhaltung unterstützen. So weit kommt es noch, könnte man ihnen entgegenhalten, dass ausgerechnet gut verdienende Professoren den einfachen Leuten die Wurst vom Brot nehmen! Der Einwand ist auf den ersten Blick nicht abwegig, gerade weil exzessiver Fleischkonsum inzwischen vor allem ein Unterschichtphänomen ist. Je mehr Geld eine Familie ausgeben kann, desto weniger Fleisch und Wurst kommen ihr auf den Tisch.

Aber selbst wenn dieser Konflikt Züge eines kulinarischen Klassenkampfs aufweist, was ist daran so schlimm? Es käme ja auch niemand auf die Idee, Nikotin- oder Alkoholmissbrauch in der Unterschicht als Ausdruck kultureller Selbstbestimmung zu verteidigen. Zudem haben die Exzesse der Massentierhaltung einen rasanten Preisverfall erwirkt. Vor vierzig Jahren musste ein Arbeiter für ein Stück Schweinefleisch viermal so lange arbeiten wie heute. Wem das Schicksal der Schweine egal ist, der mag das für einen Fortschritt halten. Doch lässt sich so kein Grundrecht auf billiges Fleisch begründen.

Anständig essen heißt das Buch der Schriftstellerin Karen Duve über ihre Versuche, besser zu leben. Darum geht es: um Anstand. Man muss Tiere nicht lieben, man muss keine Philosophie der Tierrechte entwickeln, und insbesondere muss man nicht glauben, dass Tiere unter keinen Umständen gegessen werden dürfen, um zu wissen, dass die Fleischproduktion in Massentierhaltung barbarisch ist. Was fehlt, ist der Anstand, aus dieser Einsicht Konsequenzen zu ziehen.

20 Milliarden Euro für die Tonne

Ein Apfel mit Druckstelle, ein Joghurt kurz vor dem Verfallsdatum - Nahrungsmittel, die eigentlich nicht in den Müll gehören. Doch keiner kauft sie mehr.

In Deutschland landen Schätzungen der Welthungerhilfe zufolge über 20 Millionen Tonnen Lebensmittel im Jahr auf dem Müll. Das sind umgerechnet Waren im Wert von 20 Milliarden Euro - für die Mülltonne. Und Handel und Verbraucher schieben sich gegenseitig die Schuld zu. Bei den Produkten handelt es sich vor allem um Obst und Gemüse, Brot und Backwaren. Lebens-mittel, die nur ein paar Macken haben und die teilweise sogar noch original verpackt sind - oft ist nicht einmal das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen.

"Nahrungsmittel, die kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums stehen, werden aus den Regalen geräumt", sagt Thomas Haller*, stellvertretender Marktleiter in einer Filiale der Supermarktkette Rewe. "Obst und Gemüse wird auf Verkaufsfähigkeit geprüft, aussortiert und gegebenenfalls weggeschmissen", so Haller. Ulrike Schmidt*, ebenfalls stellvertretende Marktleiterin eines Rewe-Marktes, sagt, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum das Problem ist: "Es suggeriert den Verbrauchern, dass die Lebens-mittel nicht mehr genießbar sind und weggeschmissen werden müssen."

Dabei stimmt das so nicht. "Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Verfallsdatum und darf nicht mit dem Verbrauchsdatum verwechselt werden", sagt Andrea Schauff von der Verbraucherzentrale Hessen. Das Verbrauchsdatum benennt nämlich im Gegensatz zum Mindesthaltbarkeitsdatum den letzten Tag, an dem das Lebens-mittel noch verzehrt werden kann. Verbrauchern sei der Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum oft unklar. Auch wüssten insbesondere jüngere Konsumenten oft nicht genug über die Beschaffenheit und die Eigenschaften von Lebens-mitteln, wie Geruch und Aussehen. Auch mangele es oft an richtiger Einkaufsplanung und Lagerung, so Schauff.

In der Dokumentation "Frisch auf den Müll" zeigt Valentin Thurn eindrucksvoll, welche Rolle der Handel bei der Lebensmittelverschwendung spielt. "Darüber reden leider nur wenige, wir waren die ersten die darüber berichtet haben, obwohl es den Insidern seit langem bekannt ist", sagt Thurn. "Der Handel will die Lebens-mittel nämlich möglichst gleichförmig haben, damit man die Qualität besser überprüfen und sie besser transportieren kann. Krumme Gurken lassen sich nicht leicht in eine Kiste packen. Also setzt der Handel Normen fest, die wiederum in der Landwirtschaft zum Wegwerfen führen."

Seelenverwandt

Quelle: Die Zeit vom 08.04.2010 - Richard David Precht

Der vermeintliche Hundefreund nimmt am Leid seines Schützlings genauso selten Anstoß wie der durchschnittliche Fleischesser am Schicksal seines Eiweißlieferanten. Die meisten greifen am liebsten nach Schnitzeln zu Schleuderpreisen. Durchschnittlich 88,4 Kilogramm Fleisch verbraucht jeder Bundesbürger im Jahr. Nicht alles davon konsumieren die Deutschen selbst, einiges verfüttern sie gleich weiter. 2,6 Milliarden Euro geben sie jährlich für Tierfutter aus, das meiste davon, um ihre 5,5 Millionen Hunde und 8,2 Millionen Katzen satt zu kriegen.

Wir lieben und verspeisen sie, unsere Tiere. Dass das in ihrem Alltag viel Grausamkeit bedeuten kann, wird uns erst bewusst, wenn wir wieder einmal mit Bildern eines Tierhaltungs- oder Schlachtskandals konfrontiert werden.

Wie Anfang April 2010 in den Tagesthemen. Ein deutscher Schlachthof. Bis zu 600 Schweine pro Stunde verschlingt die Produktionsstraße, die Tiere säuberlich zu Ware zerlegt. An ihrem Anfang sticht ein Mann jeder Sau mit einem Hohlmesser ins Herz oder in die Hauptschlagader. Nur wenige Sekunden hat der Stecher dafür und das reicht oft nicht aus, um gründlich genug zu töten. Dann können die betäubten Tiere noch einmal im Siedebad erwachen, wo ihnen Haut und Borsten abgebrüht werden. Eine Qual. An den Gesetzen mangelt es nicht. Wir haben im Prinzip ausreichende Vorschriften , sagt Klaus Troeger vom Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmitte l, der den Tod im Siedebad öffentlich gemacht hat. Die deutsche Schlachtverordnung gehe sogar über geltendes EU-Recht hinaus. Es fehle, klagt Troeger, schlicht an Kontrollen.

Und ganz offenbar am Bewusstsein des Konsumenten. Welches Schicksal sich unter der Schutzfolie der Wurstverpackung verbirgt, unter welchen Bedingungen ein Tier gehalten, transportiert oder geschlachtet worden ist, erkennt der Kunde nicht. Er sieht vor allem auf den Preis. Industrielle Produktion ist nicht per se schlecht. Aber in Verbindung mit krimineller Energie begünstigt die anonyme Massentierhaltung das Leiden in großem Maßstab.

Und gegen die Discounterpreise kann kein Metzger bestehen, der seinem Kunden noch gern berichtet, von welchen Höfen in der Umgebung seine Würste und Schnitzel stammen. Bio-Erzeugnisse die meist für bessere Haltung stehen bilden bisher nur eine kleine Marktnische. Es gibt im Lebensmittelmarkt keinen Qualitätswettbewerb, weil die Transparenz fehlt , sagt Martin Rücker, Sprecher der Verbraucherorganisation Foodwatch. Es gibt nur einen Preiswettbewerb.

Den Nutzen möglichst billig, Schutz nicht um jeden Preis dieser bigotte Umgang mit dem Tier ist nicht neu. Mit der Erfindung der Religionen erlangten Tiere in vielen Kulturen den Status von Gottheiten. Dass man den Heiligen im Alltag mit Ehrfurcht begegnet wäre, ist nicht überliefert. Erst im römischen Recht wurden Tiere vom juristischen Nichts zum Gegenstand des Rechtsverkehrs wie übrigens auch die Sklaven. Paragrafen, die das Quälen der Sache Tier verboten hätten, kannte Rom aber nicht. Humanismus, Aufklärung und Pietismus führten erst im 19. Jahrhundert zum ethisch begründeten Tierschutz. Der Elsässer Arzt und Theologe Albert Schweitzer predigte die Ehrfurcht vor dem Mitgeschöpf: Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.

Der 1822 in England verabschiedete Martin"s Act gilt als erster Erlass der Welt, der Tiere um ihrer selbst willen schützt. Vorreiter in Deutschland war 1838 das Königreich Sachsen. Es stellte in Artikel 310 des Kriminalgesetzbuchs Tierquälerei unter Strafe. Württemberg, Hessen-Darmstadt, Schwarzburg-Sonderhausen, Breme n und Bayern folgten. Im 20. Jahrhundert entwickelten die meisten europäischen Länder nationale Tierschutzgesetze. Europarat und Europäische Union erließen staatenübergreifende Regelungen. Um die Novellierung der EU-Tierversuchsrichtlinie wird gegenwärtig heftig gerungen. Die letzte gründliche Überarbeitung des deutschen Tierschutzgesetzes datiert von 1998. Vier Jahre später wurde der Tierschutz als Staatsziel ins Grundgesetz geschrieben. Damit ist er nun juristisch ein überragend wichtiges Gemeinschaftsgut .

Während der Mensch seinen Mitgeschöpfen endlich zugestand, keine bloßen Gegenstände zu sein, liefen immer weniger davon durch sein Blickfeld. In den fünfziger Jahren hatten viele Deutsche noch täglichen Kontakt zu Nutztieren. Eigene Hühner- oder Kaninchenställe, gar Hausschweine waren keine Seltenheit, auch in den Arbeitersiedlungen der Städte nicht. Fleisch machte noch Geräusche, hatte Augen und Fell oder Federn.

Allein in Deutschland leben heute rund 27 Millionen Schweine, knapp 50 Millionen Hennen und Küken, dazu Millionen Schlachtrinder für den Konsumenten praktisch unsichtbar. Und die meisten Nutztiere leben nicht allzu lange. Die Mastzeit eines Hähnchens beträgt sechs bis acht Wochen, die eines Kalbs drei Monate. Ein Schwein ist oft gerade mal ein halbes Jahr alt, wenn es zur Schlachtbank geführt wird. Zucht, Mast, Schlachtung sie sind im industriellen Maßstab organisiert und konzentriert. Und zwar weltweit.

Das Steak der Zukunft wächst im Labor

Wer wissen will, wie sich die Lebens- und Todesumstände der Nutztiere entwickeln werden, muss in die Schwellen- und Entwicklungsländer schauen. Die Menschen dort essen heute fünf Mal so viele Eier und drei Mal so viel Fleisch wie vor fünfzig Jahren. Kein Land legt in der Tiernutzung rasanter zu als China. Heute ist es der größte Schweineproduzent der Welt und muss dennoch Fleisch importieren.

Bevölkerungswachstum und Verstädterung werden die Industrialisierung der Fleischproduktion weiter vorantreiben. Mit allen Schrecken, die in Europa mühsam verdrängt worden sind: in Drahtbatterien gesperrte Hühner; Schweine mit von Gitterböden deformierten Füßen; Dauerstress durch Lärm, Schmutz und Enge, wenn in Hallen Zehntausende, gar Hunderttausende Tiere untergebracht sind. Die Maßstäbe im Tierschutz drohen global weiter auseinanderzuklaffen. Zwar bestimmten Standards bei der Haltung, beim Transport und bei der Schlachtung von Tieren in reichen Staaten zunehmend über den Zugang zu Märkten, schreiben die Autoren des jüngsten FAO-Agrarberichts. Aber: In einigen Entwicklungsländern wächst die Sorge, dass Tierschutz zu einer weiteren Hürde für sie werden könnte.

Nichts wird die Chance auf ein Überleben auf der Erde so steigern wie der Schritt zur vegetarischen Ernährung , wird Albert Einstein zitiert eine Hypothese, die sicher nicht dem experimentellen Test unterzogen werden wird, ganz offenbar ist die Fleischeslust zu groß.

Als möglicher Ausweg gilt Fleisch, das ohne Tier heranwächst, im Laborgefäß: Muskelzellen, die in Nährflüssigkeit, stimuliert von Stromstößen und Roboterbewegungen, zum Retortensteak erwachsen. Mark Post, Physiologe an der Universität Maastricht, arbeitet an dieser Zukunft. Wahrscheinlich wird es zunächst Fleischprodukte wie Würstchen oder Hamburger geben , sagt er über das künftige Kunstfleisch. Das Ziel ist aber, es so aussehen, schmecken und sich anfühlen zu lassen wie echtes Schwein oder Rind. Vielleicht, irgendwann. Wann genau? Fünf Jahre sind sicher nicht realistisch , sagt Post, Fortschritt und Umfang der gegenwärtigen Forschung sind dafür zu gering.

Das könnte sich ändern, wenn sich ein Trend auf den Lebensmittelsektor überträgt, der den Alltag im Forschungslabor prägt. Wissenschaftler suchen dort längst nach Alternativen. 3R lautet die Formel. Sie steht für replacement, reduction, refinement Tierversuche werden ersetzt, in ihrer Zahl reduziert oder wenigstens tiergerechter gestaltet.

So dürfen von 2013 an nur Kosmetikprodukte auf dem europäischen Markt angeboten werden, für die keine Experimente an Tieren durchgeführt wurden. Medikamente werden an Zellkulturen getestet, Umweltverträglichkeitsprüfungen an Fischeiern statt an Fischen vorgenommen, Biologiestudenten am Computermodell statt am Tier ausgebildet.

Transparenz und Kontrolle sind die wichtigsten Forderungen an den Tierschutz. Nicht neue Gesetze sind notwendig, sondern Bewusstseinswandel. In der Schweiz treibt der Jurist Antoine Goetschel diesen Wandel voran, der weltweit einzige Tieranwalt . Er kämpft auch für jene, die ohne öffentliche Kontrolle schutzlos ihren Besitzern ausgeliefert sind, die Heimtiere. Mit Erfolg zog er gegen eine Frau vor Gericht, die unter erbärmlichen Bedingungen 149 Katzen in ihrer Wohnung gehalten hatte. Es ist sein Verdienst, dass der Schweizer Nationalzirkus die Delfinabteilung seines Kinderzoos in Rapperswil schloss. Vielen würden wohl weitere Fälle für Goetschel einfallen.

Ungesühnt aber bleibt millionenfaches Leid, das sich jenseits unserer Wahrnehmung abspielt und das für den überwältigenden Teil der Qualen steht, die Menschen Tieren zufügen. Über die Affenversuche von Andreas Kreiter wird bald ein Gericht befinden. Auf die Anklagebank gehören andere, doch die sind nur schwer dingfest zu machen. Sie quälen ihre Tiere hinter zugezogenen Wohnzimmergardinen. Oder sie greifen zum billigsten Schnitzel, zahlen und gehen.

Die gesündeste Ernährung

Eine ärztliche Analyse und Bewertung

von Dr. med. Ernst W. Henrich

Wir kennen alle die Empfehlungen aus der Presse, mehr Obst und Gemüse und weniger Fleisch zu esse n. Die gesundheitlichen Schäden durch Fleisch und tierliche Fette wurden durch viele wissenschaftliche Studien nachgewiesen. Ebenso sind die negativen gesundheitlichen Folgen von Milch, Käse (gesättigte tierische Fette) und Eiern (Cholesterin) bekannt.

Wenn Naturkatastrophen oder Terroranschläge Hunderte oder Tausende von Toten fordern, ist das Entsetzen groß. Wenn aber eine gesellschaftsimmanente Fehlernährung Millionen von Toten durch Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere ernährungsbedingte Erkrankungen verursacht, wird dies mit einem erstaunlichen Gleichmut hingenommen.

Die Märchen der Fleisch- und Tierindustrie, wonach Fleisch, Milch und Eier gesunde und wertvolle Nahrungsmittel sind, werden widerspruchslos von meist ahnungslosen Verbrauchern und von offenbar uninteressierten Politikern hingenommen. Dieses Verhalten der Politiker ist völlig inakzeptabel, weil sie offensichtlich die wirtschaftlichen Interessen der Fleisch- und Tierindustrie höher bewerten als das gesundheitliche Wohlergehen der Bürger, denen sie eigentlich in erster Linie verpflichtet wären.

Die vegetarische Kost war früher den gleichen unberechtigten Verunglimpfungen ausgesetzt wie heute die vegane Ernährung.
Gesunde Ernährungsarten werden aus Dummheit, Unwissen und aus wirtschaftlichen Interessen in der Presse niedergemacht.
Ein Beispiel: Im Jahr 2004 starb ein Kleinkind, das durch seine Eltern angeblich vegan ernährt wurde. Tatsächlich nahm das Kind aber überhaupt keine Nahrung, also auch keine vegane Kost zu sich. Das Kind wurde auch keiner ärztlichen Hilfe zugeführt, um die der Appetitlosigkeit zugrundeliegende schwere Lungenentzündung behandeln zu lassen. Das Erstaunliche an dieser Sache ist aber nicht nur, dass das Kind überhaupt keine gesunde vegane Ernährung aufnahm, sondern dass die Eltern Anhänger einer von einem abstrusen selbsternannten "Ernährungsberater" empfohlenen sogenannten "Urkost" waren.

Diese "Urkost" hat aber nichts mit einer gesunden, ernährungsphysiologisch wertvollen veganen Ernährung zu tun. Die Presse hielt es wie so oft nicht für nötig, den Fall sauber zu recherchieren oder sich mit den Grundlagen der veganen Ernährung zu beschäftigen. Nein, die Presse verurteilte die vegane Ernährung mit den bekannten Vorurteilen bis hin zu einem Skandalartikel in der WELT, wo der Feuilletonist Eckehard Fuhr einen polemischen Schutzartikel veröffentlichen durfte, in dem Veganer als "übergeschnappt" bezeichnet wurden.

Dem gegenüber stehen Millionen von Menschen, die wegen massiver Fehlernährung insbesondere durch Fleisch und tierliche Fette an Übergewicht mit allen seinen Folgen, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Angina pectoris, Schlaganfällen, Arteriosklerose, Krebs, Diabetes und weiteren chronischen Erkrankungen leiden und sterben. Diese Millionen Kranken und Toten durch tierliche Produkte werden ohne Aufschrei in der Presse offensichtlich als "normal" hingenommen. Wenn aber in einem Einzelfall bei einer angeblichen veganen Ernährung (die nicht einmal vegan war) etwas schief gelaufen ist, dann ist nicht nur der Aufschrei groß, sondern es entlädt sich eine regelrechte Empörung der Ahnungslosen und der Interessenvertreter der Fleischindustrie.

Diese Ausgüsse der Laienpresse und Lobbyisten der "Nutztierindustrie" stehen im krassem Gegensatz zu den Ergebnissen der wissenschaftlichen Ernährungsforschung und den Aussagen renommiertester Ernährungswissenschaftler.

So nehmen zum Beispiel in einem aktuellen gemeinsamen Positionspapier von 2003 die ADA (Amerikanische Gesellschaft für Ernährung) und die DC (Verband der kanadischen Ernährungswissenschaftler) zu den gesundheitlichen Vorteilen der vegetarischen und veganen Ernährung Stellung. In diesen Verbänden sind die renommiertesten Ernährungswissenschaftler der USA und Kanadas zu finden. Allein die ADA hat etwa 70.000 Mitglieder. In diesem Positionspapier heißt es u. a.:

Phasen des Lebenszyklus geeignet, einschließlich Schwangerschaft, Stillzeit, frühe und spätere Kindheit und Adoleszenz. Vegetarische Ernährungsformen bieten eine Reihe von Vorteilen."

Und weiter heißt es dort:
"Es ist die Position der Amerikanischen Gesellschaft für Ernährung (ADA) und des Verbandes kanadischer Ernährungs-wissenschaftler (DC), dass eine vernünftig geplante vegetarische Kostform gesundheitsförderlich und dem Nährstoffbedarf angemessen ist, sowie einen gesundheitlichen Nutzen für die Prävention (Vorbeugung) und Behandlung bestimmter Erkrankungen hat."

"Es liegt in der Verantwortung von Ernährungswissenschaftlern, Interessierte bei der Aufnahme einer vegetarischen Ernährung zu unterstützen und zu ermutigen."

Auch die Aussagen eines der anerkanntesten und renommiertesten deutschen Ernährungswissenschaftler, Prof. Dr. Claus Leitzmann von der Universität Gießen, sind eindeutig:

"Studien mit vegan lebenden Menschen, die weltweit, aber auch von uns durchgeführt wurden, zeigen, dass Veganerlnnen im Durchschnitt deutlich gesünder sind als die allgemeine Bevölkerung. Körpergewicht, Blutdruck, Blutfett- und Cholesterinwerte, Nierenfunktion sowie Gesundheitsstatus allgemein liegen häufiger im Normalbereich.

Neben diesen positiven Aspekten bewirkt die vegane Ernährungsweise gleichzeitig, dass die Umwelt weniger zerstört wird (Gülle und Methan durch Tierhaltung), dass die sog. Entwicklungsländer eigenständiger werden (kein Import von Futtermitteln) und dass Tiere artgerecht behandelt werden. Dadurch werden Tierzucht, Tierhaltung, Tiertransporte und Tierversuche vermindert oder könnten teilweise ganz entfallen."

Trotzdem verbreiten große Teile der Presse, der Ärzte und vermeintlicher "Ernährungsexperten" lieber Vorurteile, Unwahrheiten der profitierenden Industrie und veraltete falsche Lehrmeinungen vergangener Zeiten.

Ist es Bequemlichkeit und einfach nur Faulheit, sich nicht mit einem Thema zu beschäftigen und statt dessen lieber Vorurteile und falsche Tatsachen zu kolportieren? Ist es die eigene Angst, durch einen neuen Erkenntnisgewinn sich der eigenen Fehler in der Ernährung bewusst zu werden und dann vor der Entscheidung zu stehen, die von einem selbst in der Vergangenheit abgelehnte vegetarische oder vegane Ernährung zu wählen?

Schon das Genie des 20. Jahrhunderts, Albert Einstein, sagte:
"Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher."
Ich bin mir jedenfalls ganz sicher, dass Albert Einstein mit seinen Aussagen Recht behalten wird.
Einstein sagte auch:
"Nichts wird die Chance auf ein Überleben auf der Erde so steigern wie der Schritt zur vegetarischen Ernährung."

Die Situation ist so dramatisch, ja pervers, dass die Menschen durch den Verzehr von tierlichen Produkten nicht nur ihre eigene Gesundheit schädigen, sondern gleichzeitig auch die tierlichen Mitgeschöpfe durch eine maßlose Ausbeutung grausam leiden und sterben lassen, die Umwelt durch Gülle, Methan, Wasserverbrauch und Abholzungen wegen der Tierzucht massiv schädigen und durch Futtermittelimporte (aus den Entwicklungsländern für die Massentierhaltung der Industrienationen) den Hungertod von Erwachsenen und Kindern in der "Dritten Welt" mitverursachen. Um 1 kg Fleisch zu "produzieren" werden durchschnittlich etwa 16 kg pflanzliche Futtermittel benötigt. Die Tiere der Reichen fressen das Brot der Armen. Insgesamt ist dies alles eine bis ins Kleinste perfektionierte moralische Kapitulation.

Ich halte die gesamte Situation auch für einen gesundheitspolitischen Skandal ersten Ranges. Die Prävention, also die Verhütung von Krankheiten sollte, ja müsste mindestens einen so wichtigen Rang in der Medizin einnehmen wie die Behandlung von Krankheiten.

Aber im milliardenschweren Gesundheitssystem mit Ärzten, Krankenhäusern, Pharmaindustrie usw. wird das große Geld mit den Behandlungen von Krankheiten verdient. Massive präventive Gesundheitspolitik würde dieser Gesundheitsindustrie einen Grossteil ihrer Geschäftsgrundlagen entziehen. Kein Wunder, dass bei dieser unglückseligen Gemengelage von Gesundheits-, Fleisch- und Tierindustrie die Prävention von Erkrankungen durch eine gesunde Ernährung weitestgehend auf der Strecke bleibt. Durch eine gesundheitsschädliche Ernährung verdienen große Teile der Nahrungsmittelindustrie viel Geld und die Bürger werden krank. Mit der Therapie der Krankheiten dieser Bürger verdient dann die Gesundheitsindustrie viel Geld. So schließt sich der Kreis, bei dem Menschen, Tiere und Umwelt auf der Strecke bleiben. Somit bleibt nur das Eigeninteresse desjenigen Bürgers, der mit einem Mindestmaß an Vernunft und Intellekt ausgestattet ist, im Interesse seiner Gesundheit auf seine Ernährung selbst zu achten. Diese kurze Zusammenfassung der wichtigsten medizinischen Erkenntnisse der Ernährungslehre und meiner langjährigen eigenen Erfahrungen sollen dabei helfen.

Leider spielt die Ernährungslehre im Studium der Humanmedizin so gut wie keine Rolle. Daher ist der katastrophale Wissensstand und die Vorurteile vieler Ärzte hinsichtlich gesunder Ernährung nicht verwunderlich. Nur ein Arzt, der sich aus eigenem Interesse und Verantwortung seinen Patienten gegenüber mit der Weiterbildung in ernährungswissenschaftlichen Fragestellungen beschäftigt, besitzt ein ausreichendes Wissen zum Wohle seiner Patienten.

Um das Ergebnis meiner Analyse und Bewertung vorwegzunehmen:
Eine richtig durchgeführte, abwechslungsreiche vegane Ernährung ist die gesündeste Kostform für den Menschen. Bei Betrachtung der ernährungswissenschaftlichen Erkenntnisse kann es daran keinen vernünftigen Zweifel geben. Selbst wenn man mit geringen ernährungsphysiologischen Kenntnissen nur 1 und 1 zusammenzählt, wird dies schnell klar, da Fleisch, Milch, Käse, Eier und teilweise Fisch mit erheblichen gesundheitlichen Risiken behaftet sind, die vielfach dokumentiert werden konnten.

Um das Ergebnis meiner Analyse und Bewertung vorwegzunehmen: Eine richtig durchgeführte, abwechslungsreiche vegane Ernährung ist die gesündeste Kostform für den Menschen. Bei Betrachtung der ernährungswissenschaftlichen Erkenntnisse kann es daran keinen vernünftigen Zweifel geben. Selbst wenn man mit geringen ernährungsphysiologischen Kenntnissen nur 1 und 1 zusammenzählt, wird dies schnell klar, dass Fleisch, Milch, Käse, Eier und teilweise Fisch mit erheblichen gesundheitlichen Risiken behaftet sind, die vielfach dokumentiert werden konnten.

Allerdings wird aus einer Ernährung, aus der man lediglich Fleisch, Milch, Käse, Eier und Fisch weglässt, nicht automatisch eine gesunde Nahrung.

Denn eine falsch zusammengestellte, nicht abwechslungsreiche vegane Ernährung ist auch ungesund! Dies gilt trotz der Tatsache, dass die Mehrzahl der sich vegetarisch und vegan ernährenden Menschen einen besseren Gesundheitsstatus aufweisen als Fleischesser. Deshalb gebe ich nachfolgend einen kurzen Überblick über die wichtigsten Tatsachen einer gesunden veganen Ernährung, so dass sehr schnell deutlich wird, warum die vegane Ernährung die gesündeste Kostform ist. Eine Erfahrung habe ich im Laufe der Jahre immer wieder gemacht:
Wer gegen vegane Ernährung ist, weiß zu wenig darüber oder er verdient an tierlichen Produkten.

Gefahr auf dem Teller

Fleischkonsum und Krebs

Quelle: Stern vom 24.03.2009

Die Studie der Nationalen Gesundheitsforschungsinstitute (NIH) der USA verglich die Ernährung von 545.000 Amerikanern zwischen 50 und 71 Jahren über einen Zeitraum von zehn Jahren. Am Ende der Untersuchung waren rund 71.000 Studien-Teilnehmer gestorben. Dabei hatten diejenigen, die am meisten rotes Fleisch aßen, das höchste Sterberisiko - auch wenn andere Gesundheitsrisiken wie Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel herausgerechnet wurden. Das Sterberisiko stieg ebenfalls mit einem erhöhten Konsum von Würstchen und Aufschnitt. Die Teilnehmer, die dagegen mehr "weißes" Fleisch verzehrten, hatten ein etwas geringeres Sterberisiko.

Die Forscher verstehen unter "rotem" Fleisch alles vom Rind und Schwein, also das Steak ebenso wie die Salami auf der Pizza oder die Bolognese-Sauce für die Pasta. Als "weißes" Fleisch verbuchen sie nicht nur Geflügel, sondern auch Fisch. Zudem untersuchten sie den Verzehr von Fleischprodukten - also Aufschnitt und Würstchen.

Sie teilten die Probanden, die zehn Jahre lang regelmäßig Fragebögen zu ihrem Essverhalten ausfüllten, in fünf Gruppen ein - je nach dem Konsum von rotem Fleisch. Die Männer mit dem höchsten Konsum aßen knapp 150 Gramm rotes Fleisch, bei den Frauen waren es gut 100 Gramm. Die Studienteilnehmer im unteren Fünftel aßen pro Tag nur knapp 20 Gramm rotes Fleisch.

Insgesamt hätten 11 Prozent der Todesfälle bei Männern und 16 Prozent bei Frauen vermieden werden können, wenn alle Teilnehmer so wenig rotes Fleisch gegessen hätten wie die unteren 20 Prozent der Probanden mit dem geringsten Konsum, schreiben die Autoren in den "Archives of Internal Medicine".

Es gibt mehrere Mechanismen, über die der Fleischkonsum die Sterblichkeit beeinflussen könnte, berichten die Forscher. So finden sich im Fleisch zum Teil krebserregende Stoffe, die bei der Verarbeitung, beim Braten oder Grillen entstehen können. Fleisch ist eine der Hauptquellen für gesättigte Fette, deren Aufnahme anderen Studien zufolge das Risiko von Darm- und Brustkrebs erhöht. Zudem geht mit hohem Fleischkonsum oft ein erhöhter Blutdruck einher - woran dies liegt, weiß man allerdings noch nicht.

Der Welt-Krebsforschungsfonds empfiehlt, nicht mehr als 300 Gramm rotes Fleisch pro Woche zu essen.

Einige Lesermeinungen

Diese Reihenfolge: Fisch - Geflügel - Rind - Schwein. Fisch ist am besten, dann Geflügel, Schwein ist am schlimmsten für den Körper.

Ich esse sowieso kaum noch Fleisch, seit ich im Internet gesehen habe wie sie die Tiere behandeln, vergeht mir der Appetit darauf. Kühe kommen in eine Maschine, dort wird der Hals lebend aufgeschnitten, dann schmeisst die Maschine sie wieder raus und die Kuh taumelt und kann sich nicht mehr auf den Beinen halten und ist in Panik und verblutet, und der Hammer ist wie dabei ihre halbe Luftröhre raushängt......PERVERSLINGE!

Wer das Video von dem armen Waschbär sieht, der erst brutal geschlagen, dann die Pfoten abgehauen und dann lebendig gehäutet wird, und der dann noch mal aufsteht und einem in die Augen schaut, kurz bevor er endgültig erlöst ist, der wird Schwierigkeiten haben, ein Stück Wurst "einfach so" zu essen, ohne nachzudenken wo es herkommt. Wenn an der Wurst noch die Augen dran wären, und wir ständig daran erinnert würden woher das eigentlich kommt, und wie es zustande kam (brutale Gewalt), würde es kein Mensch essen. Wir können Fleisch und Wurst nur deswegen essen, weil wir uns innerlich davon distanzieren woher es eigentlich kommt, und es ausblenden dass es Lebewesen waren, die auch Schmerzen und Angst usw. empfinden wie wir.

Ich esse zwar ganz selten noch Fleisch, aber nur wenn ich das Gefühl habe, dass ich das unbedingt brauche. Ist aber selten. Und selbst dann hab ich ein ungutes Gefühl. Eines Tages werd ich es ganz sein lassen. Der Mensch braucht kein Fleisch zum überleben - ist totaler Luxus.

Mich hat dieser Bericht überzeugt!
Ist ja logisch....
bei dem ganzen Chemiedreck der bei uns in Fleisch und Wurst gemischt wird.
Tonnenweise Nitritsalz in Fleisch und wurst kann auf dauer nicht gesund sein.

300 gr pro Woche?
Is ja n Witz. Wenn ich 1 Steak ess, sollte ich den Rest der Woche kein Schwein/Rind mehr essen? Oder 1x Grillen, und 3 Wochen auf rotes Fleisch verzichten...
haha, aber "auch wenn andere Gesundheitsrisiken wie Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel herausgerechnet wurden." Naja, fällt mir bisschen schwer zu glauben, in einem Land mit über 70 % z.T. stark übergewichtigen Personen. Würd eher mal sagen die sterben früher vom vielen Fett/hohen Cholesterinwert und nicht vom roten Fleisch an sich...
Mir egal, werd weiterhin kräftig Fleisch essen, jeglicher Art!

Rotes Fleisch
Das hätte ich euch auch sagen können, dass tägl. Essen von rotem Fleisch "McDonalds Burger" und gepanschter Wurst irgendwann auf den Magen schlägt. Aber da mir nun bekannt ist, dass mich Fleisch umbringt konsumiere ich jetzt lieber nur noch pure Kohlenhydrate und Fett wie Chips, Cola, Eis und was das Naschregal eben noch so hergibt. God bless America

Unbekannte Essobjekte

Den folgenden Artikel habe ich der TAZ entnommen. Er hat mir so gut gefallen, dass ich Ihnen "den etwas anderen" Artikel nicht vorenthalten möchte.

Die fleischartigen Substanzen, die man in Fastfood-Restaurants vorgesetzt bekommt, sind nur eine Travestie des Lebensmitte l Fleisch, zu dem Schlachten und Tod gehört. Der Umgang damit verrät einiges über das Verhältnis des westlichen Menschen zu seinen tierischen Mitgeschöpfen.

Fleisch ist kein gewöhnliches Nahrungsmittel. Es besitzt eine symbolische Dichte, die Marzipan, Nudeln oder Chicorèe nie erreichen werden. Das ist nicht als Bonmot gemeint: Fleisch (frz. viande) ist gewissermaßen die absolute Nahrung. "Vivenda" bedeutet etymologisch "das dem Leben Dienende". In Wirklichkeit aber hat der westliche Mensch ein kompliziertes und gestörtes Verhältnis zum Fleisch.

Fleisch verweist zunächst einmal auf unsere Natur als Fleischfresser, als Raubtiere. Fleisch ist ein Einbruch der Natur in die Kultur. Die französischen Worte für Fleisch (viande), Vergewaltigung (viol) und Gewalt (violence) ähneln sich, liegen semantisch eng beieinander. Die "tierische Nahrung" schließt sowohl das Leben als auch den Tod in sich ein. Wenn wir Fleisch verschlingen, "verdauen wir" - so ein Satz von Marguerite Yourcenar - "Agonien" anderer Lebewesen. Es ist kein Zufall, dass dieses Nahrungsmittel Leidenschaft wie Abscheu, Appetit wie Ekel erregt.

Auch rückten viele Geistliche und Philosophen Fleisch in die symbolische Nähe zu den Trieben. Im Vegetariertum schwingt ein Streben nach Reinheit mit, und zu jeder Askese - etwa während der Fastenzeit - gehört stets und zunächst der Verzicht auf Fleisch. Der Verzehr von zumal dunklem Fleisch hingegen ist zugleich Genuss durch Aneignung und distanzierter Gewalt.

Das Problem ist, da wir eben Fleisch- und nicht Assfresser sind, dass wir dafür töten müssen. Diese heikle Operation haben wir - gefühlsduselig und heuchlerisch, wie wir sind - aus unserem städtischen und vor allem moralischen Horizont weitgehend verbannt.

Der französische Soziologe Claude Fischler ruft uns die Schwierigkeit der "Fleischindustrie" ins Gedächtnis: "Es gibt gewisse Aspekte, die man buchstäblich nicht zeigen und auch nicht sehen kann." Nur das Wort "Schlachthaus" erinnert uns an das, was hier passiert: es wird geschlachtet seit eh und je. Doch obgleich der Vorgang des Tötens längst industrialisiert, parzelliert und mechanisiert ist, beschleicht uns mit jedem Steak auf unserem Teller das schlechte Gewissen: Bekunden nicht 89 Prozent der Verbraucher, sie würden kein Fleisch mehr konsumieren, wenn sie das Tier eigenhändig töten müssten?

Und schließlich hat die westliche Postmoderne unsere tierischen Lebensgefährten bis zur Unkenntlichkeit vermenschlicht und verniedlicht, um die farblose Masse der Millionen Tiere zu verleugnen, die solange ein elendes Leben haben, bis sie für uns nützlich werden - das heißt: essbar. Nur eine plötzlich auftretende Krise - wie der Skandal um hormonbehandeltes Kalbfleisch in den Siebzigerjahren oder jüngst der Rinderwahnsinn - führen uns noch gelegentlich vor Augen, wie inkohärent unsere Einstellung zu Tieren ist.

Nach und nach hat sich im Westen die Tendenz durchgesetzt, dem Fleisch nach allen Regeln der Kunst seine Fleischlichkeit auszutreiben. Am Ende einer langen Reihe semantischer oder szenografischer Umdeutungen haben wir es geschafft, dem Schlachtvieh seine Eigenschaft als Tier abzusprechen. Enthäutet und in Stücke geschnitten haben wir es vor uns, ohne dass wir das Tier selbst auch nur erahnen können. In seiner weißen Plastikschale liegt das Supermarktsteak neben all den anderen anonymen Produkten, die den Einkaufswagen füllen. Das Tier kommt darin nicht mehr vor, es wird - nicht nur insgeheim - verleugnet.

Die Fastfood-Restaurants verdrängen den letzten verbliebenen Bezug zum Tier im Fleisch und steigerten die Ambivalenz ins Schizoide: Die Realität ist nicht mehr dasselbe wie die sichtbare Wirklichkeit, unsere Wahrnehmung zerfällt in zwei voneinander völlig abgeschottete Welten. Das Fleisch, das MacDonald`s seiner wichtigsten Zielgruppe, nämlich den Kindern vorsetzt, ist, wenn man so sagen darf, bar jedes Sinngehalts, eine wirklichkeitsfremde Parodie, ein karnevaleskes Etwas, und zwar in doppelter etymologischer Hinsicht: Zum einen wird es in verspielter, verkleideter Form präsentiert, zum anderen sei daran erinnert, dass sich der Karneval vom italienischen carne levare herschreibt, was wörtlich übersetzt "Fleisch wegnehmen" bedeutet.

Was die Fastfoodketten zum Verschlingen anbieten, ist ein parodistischer Wiedergänger (vgl. Clown Ronald als Firmenzeichen von MacDonald`s), ein Gegenpol zum Tragischen, das dem Fleisch innewohnt.

Im Fastfood ist das vollständig ausradierte Tier wenn nicht abwesend, so doch zumindest unsichtbar. Das geht schon aus den Namen hervor: Nuggests, Hamburger, Rings. Ausnahmslos tritt das Englische an die Stelle der Deutschen Sprache, damit nur ja keiner auf falsche Ideen kommt - oder vielmehr, um den Schwindel perfekt zu machen. Der Rohstoff wird solange in kleine Teile zerlegt und neu zusammengepresst, eingefärbt und umgeformt, bis er den Geschmacksnormen entspricht, die die US-Lebensmittelkonzerne als allgemein gültige durchzusetzen suchen: Hauptsache farbenfroh und irgendwie süß.

Von Fleisch ist dabei schon gar nicht mehr die Rede. Es wird in Szene gesetzt, eingebunden in ein Kontinuum aus Spiel, Farben, Überraschungen und medial-kulturellen Happenings (Film- und Fernsehwerbung u. Ä.), in dem die fleischartige Substanz nur noch als Begleitphänomen auftritt. Eine kleine Umfrage ergab, dass fast alle Kinder unter fünf Jahren "zuerst wegen der Geschenke, dann wegen der Pommes und dem Ketschup" zu MacDonald`s wollen. Versteckt zwischen den Lagen des Hamburgers mimt das Fleisch den Clown. Die aufgetürmten Schichten, die diversen Saucen und Zwischenlagen bringen es nicht zur Geltung, sondern verstecken es nur noch mehr.

Veganer sind auch nur Menschen

In diesen Tagen kommt man um das Thema Fleischverzicht nicht mehr herum. So viel Mühe man sich auch gibt: Irgendwann am Tag erwischt es einen. Regelmäßig. Nichtmal im Feuilleton wird man in Ruhe gelassen. Man will nachlesen, ob es mal wieder was Neues von Frank Schätzing gibt und landet bei: "Tiere essen" von Jonathan Safran Foer. Oder bei Karen Duve. "Anständig essen" heißt ihre Version des erhobenen Zeigefingers. Vor der Glotze will man gemütlich abschalten und wird stattdessen von irgendeiner Talkshow über Tierrechte um die verdiente Feierabendruhe gebracht. Oder wenn man an der Fleischtheke im Supermarkt steht: selbst wenn man nicht blöd angeguckt wird, fühlt man sich inzwischen seltsam.

Deshalb möchte ich heute einmal versuchen, einen Mythos zu entzaubern. Denn was schon immer so war, kann einfach nicht schlecht sein.

Fleischessen ist völlig normal. Etwas anderes haben wir auch nie gelernt, warum also soll man dann davon lassen? Warum soll ich kein Recht haben, im Supermarkt zum Schweinenacken für 3,90€ das Kilo zu greifen? "Weil das Tier ein Lebewesen ist und gelitten hat, gelitten hat, gelitten hat." dröhnt es in meinen Ohren und ich kann es nicht mehr hören. Und selbst beim Fisch, diesem gefühlslosen Tier versucht eine Veganerstimme in mich zu dringen. Was also tun? Entweder Ohrstöpsel, den Veganer meinen ganzen Spott über seine Vermenschlichung von Tieren über den Kopf schütten oder sich ganz einfach mal darüber informieren, wie es denn wirklich ist. Damit ich irgendwann mal wieder ohne schlechtes Gewissen in ein Schnitzel beißen kann. Und zwar Abseits der ganzen Fanatiker - grundsolide Information will ich.

Das Intern et ist heute eine wunderbare Informationsquelle. Also beginne ich zu surfen. Zuerst lande ich auf einer Informationsseite der Fleischindustrie und werde prompt bestätigt. "Fleisch gehört zu einer ausgewogenen Ernährung" lese ich da und bin ersteinmal erleichtert. Und dann lese ich, dass die Fleischindustrie sich strikt an das Tierschutzgesetz hält. Na also! "Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen." Ich bin erleichtert. Warum können das diese ganzen Tierrechtler nicht verstehen? Ich lese weiter: "Anforderung an eine nachhaltige Nutztierhaltung: Ausübung der Tierhaltung ohne Schäden für den Menschen. Erhalt der Nutztierpopulation und ihres genetischen Potenzials. Konkret geht es darum, die Ansprüche der Nutztiere an eine ihnen gemäße Umgebung zu erfüllen, Belastungen zu reduzieren, ihr genetisches Leistungspotenzial auszuschöpfen, ihre Leistungsfähigkeit sowie ihre Vitalität zu erhöhen und damit ihre Nutzungsdauer zu verlängern. Das schafft im Übrigen auch eine hohe Akzeptanz durch die Verbraucher."

Das hat gesessen. Ich lese nocheinmal. Genauer. Hab ich da wirklich gelesen: "Ausschöpfung des genetischen Potentials? Verlängerung der Nutzungsdauer?" Nun wird mir zum ersten Mal mulmig. Ich fühle Unbehagen in mir aufsteigen.

Ich meine: selbst wenn es gefühlslose Wesen sind, die da in unseren Ställen stehen: immerhin waren die doch auch schon vor dem Menschen da und wurden nicht erst vom Menschen gemacht. Hmm. Ich beginne zu überlegen. Warum schreibt die Fleischindustrie so was. Die wollen doch nur das Beste von Mensch UND Tier, oder? Oder wollen sie am Ende doch nur eines, was im Prinzip alle wollen: mein Geld?

Nun will ich es endlich wagen. Ich suche und finde ein Video über Schlachtung aus irgendeinem ARD-Magazin. Gut recherchiert, nicht so ein irres Schockvideo wie das von Tierschützern. Zuerst eine Zahl: in Deutschland werden jedes Jahr 56 Millionen Schweine geschlachtet. Man wird vorgewarnt: die Bilder, die jetzt gezeigt werden sind nicht so grausam wie die Wirklichkeit. Das lässt meine Vorahnung nicht besser werden. Gezeigt wird ein modernes Schlachthaus. Es wird mit Kohlendioxid betäubt. Alles vollautomatisch. Ich sehe, wie Schweine von einem Gitter zusammengedrängt werden und: das kann nicht sein! Warum schreien die? Die schreien und wehren sich. Das Schreien wird immer kläglicher. Endlich werden sie von der Maschine so zusammengedrückt, dass sie sich nicht mehr wehren können. Dann verlieren sie das Bewusstsein. Dann erst kommt die Schlachtung und mein erster Reflex ist: ich schalte aus.

Ich gehe spazieren und rege mich auf. Wieso zeigt man solche Bilder? Das ist doch unmenschlich. Wieso erinnert mich alles was ich sah an Gräuelszenen, die ich in Geschichte gelernt habe?

Ich setze mich auf eine Bank und beobachte ein paar Vögel. Es sind Sittiche, Köln hat eine große Sittichpopulation und ich mag diese Tiere. Ich liebe es, ihnen zuzusehen und vor allem zuzuhören. Ich frage mich oft, wo sie herkommen, doch ich habe noch nie den Versuch unternommen, es herauszufinden. Ich will es nicht wissen, denn ich möchte meine bunten Versionen im Kopf behalten. Meine Version vom entflogenen Vogel, der eines Tages auf ein halbverhungertes Weibchen traf und es aufpeppelte. Ich habe in den Stunden auf der Bank im Park eine ganze Sittichwelt in meinem Kopf entstehen lassen, alles aus Fantasie. Und ich liebe sie. Ich weiß, dass sie nicht wahr ist, doch ich will sie so haben. Das können nur Menschen. Deshalb sind sie auch die Herrscher über die Welt geworden, deshalb können sie Tiere der nächste Gedanke bleibt stecken. Irgendwo zwischen Hirn und Mund, in irgendeinem Nervengang der nahe der Kehle liegen muss, denn die schnürt sich auf einmal zu.

So fängt es an. Alles geht kaputt im Kopf. Das geliebte schöne Gedankengebäude. Es bricht zusammen, es explodiert. Und nachher sitzt man da und fühlt sich hundeelend. Ich bin ein liebender Familienvater, habe Mitleid mit einer Maus, die ihre frierende Nase da auf der Wiese nach oben streckt. Verrückt. Wieso bin ich nicht in der Lage Mitleid zu haben mit 56 Millionen Schweinen? Weil es einfach zu viele sind?

Dann reiße ich mich zusammen. Ich gehe wieder zurück an den Computer. Ich atme tief ein, sammle mich wie ein Skispringer vor dem Sprung und beginne, weiterzurecherchieren. Ich ahne, was mich erwartet. Doch meine Ahnung ist weit harmloser als die Wirklichkeit. Obwohl sich mein Verstand dagegen wehrt, will mein Herz es nun wissen. Immerhin nehme ich mir das Recht heraus, Fleisch, Eier und Käse zu essen, dann muss ich es auch aushalten zu wissen, woher mein Essen kommt. Was ich finde ist grausam. Einfach nur grausam. Es widerspricht allem was ich bisher glaubte, was mir bisher vorgegaukelt wurde, doch es ist wahr. Belegt. Alles belegt. Ich nenne an dieser Stelle nur eine einzige Zahl von hunderten, die mich erschütterten: Jedes Jahr sterben 170.000 Kälber, die ihren Milchkuhmüttern weggenommen wurden allein durch die katastrophalen Bedingungen beim Transport.

In dieser Zahl stecken so viele grausame Informationen, dass alles in mir zusammenstürzt. Meine schöne heile Welt, meine geliebten Gewohnheiten, mein Anspruch auf Fleisch, mein gefühltes Recht auf etwas, für das einem Tier Schmerzen zugefügt werden, die ich nie, nie, niemals toleriert hätte, wenn ich denn davon gewusst hätte. Nur für ein bisschen Geschmack. Warum hat mir keiner gesagt, dass ein Tier ein fühlendes Wesen ist? Warum hat mir keiner gesagt, dass eine Kuh ihre Kälber nicht auf die Welt bringt, damit die Menschen reichlich Milch trinken und zum Dank ihr zartes Kalb essen können? So habe ich es doch gelernt. Warum hat mir keiner gesagt, dass Kälbchen leiden, wenn sie von ihren Müttern getrennt werden, dass Schweine ihre Kinder lieben und leiden, wenn ihnen die kleinen Ferkelchen entrissen werden? Warum hat mir keiner gesagt, dass Tiere wahnsinnig werden können vor Angst?

Wenn ich das alles gewusst hätte, dann hätte ich geschrieen: HAAAAALT!!!

Doch dann nach einer Stunde der Wut fällt mir auf einmal auf:
ich habe es gewusst. Ich habe es immer schon gewusst. Weil es natürlich ist, weil Tiere vom Menschen erst zu Nutztieren gemacht wurden. Es ist logisch, dass sie keine gefühlslosen Roboter sind. Wieso konnte ich dieses Wissen, das in allen von uns angelegt ist, so lange verdrängen?

Weil ich es nicht mehr sah vielleicht? Weil die Nutzung der Tiere industrialisiert wurde? Weil kaum ein Verbraucher noch sehen kann, wie sie gehalten und geschlachtet werden? Weil die Produktionsstätten inzwischen überwacht werden wie Gefängnisse? Nicht damit keiner ausbrechen, sondern damit kein Unbefugter einbrechen kann, um sehen zu können, was dort geschieht.

Der Mythos vom gefühllosen Wesen.
Ich betrachte Bilder von glücklichen Tieren. Eine Kuh auf einer Wiese, ihr Kalb liebevoll an sie geschmiegt. Darunter steht: "Liebt ihr Kind". Dann ein Bild einer glücklichen Menschenmutter mit ihrem Kind. Darunter steht: "Liebt ihr Kind."

Veganer sind auch nur Menschen. Sie nerven. Sie sind wütend. Man versteht sie nicht. Aber nun verstehe ich sie doch. Sie sind so wütend, weil sie dieses Leid der Tiere sehen können. Weil sie Tag für Tag den Schmerz spüren, den dieses Wissen und Fühlen in einer Welt auslöst, die sich nicht um dass Leid der Tiere schert. Ich versuche, mich in einen Veganer hineinzuversetzen. Ich stelle mir vor, wie ich immer wieder den Verzicht auf Tier anmahne und dafür nur Spott und Häme ernte. Wie ich ausgelacht werde, weil ich Tiere vermenschlichen würde.

Doch ein Veganer ist kein Romantiker. Er ist Realist. Er ist mehr Realist als wir. Wir sind die Romantiker, wir sind es, die an die heile Werbewelt glauben, an glückliche Tiere, an grüne Wiesen. Wir sind die wirklichen Träumer. Und nur weil 75 Millionen etwas Dummes für Richtig halten, wird es dadurch nicht schlauer.
Ich wollte den Mythos vom veganen Bessermenschen entzaubern. Was ich wirklich entzaubert habe ist der Mythos von sauberer Tierproduktion und heilem Tierkonsum.

Veganer sind auch nur Menschen. Sie vertun sich genauso häufig im Ton wie andere. Doch ich verstehe auf einmal, dass es ihnen gar nicht darum geht, sich über andere zu stellen und den Bessermenschen raushängen zu lassen. Sie werden nur so verstanden. Doch sie sprechen nicht über sich, sie sprechen vielmehr für fühlende und leidende Lebewesen, die sich nicht in die Diskussion einmischen können, die aber alles was sie haben hergeben müssen für unser Wohlergehen: ihr ganzes Leben. Veganer und Tierschützer sind Anwälte der Tiere. Ich spüre auf einmal die Last, die auf deren Schulter liegt und dann bleibt ein Gefühl in mir stehen: Ich schäme mich. Und das tut weh.

Tage später recherchiere ich endlich, wie wichtig Tier für unsere Ernährung ist. Und ich erschrecke. Es gibt nicht eins, nicht ein einziges Argument FÜR Fleischkonsum, das nicht entkräftbar wäre. Dafür hunderte dagegen. Fleischerzeugung verbraucht bis zu zehnmal soviel pflanzliches Material wie als wenn Pflanzen direkt gegessen würden. Nahrung aus Massentierhaltung kommt vor allem aus Drittländern. Vor allem Soja. Für Soja wird Regenwald abgeholzt. Man sagt, dass für einen Hamburger 4 qm; Regenwald weichen müssen. Die ganze Landwirtschaft in dritte Welt-Ländern wird zerstört. Die Folge ist Hunger. Millionen Menschen verhungern, weil wir nicht auf unser billiges Schnitzel verzichten wollen. Die Meere werden leergefischt, darüber hinaus wird der Meeresgrund durch Schleppnetze unwiederbringlich vernichtet. Nur weil einmal ein Netz dadrüber reißt. Ich lerne, wie viel Schmerz auch Fische spüren.

Ich werde nie wieder Veganer und Tierschützer verspotten, denn ich verspotte damit nicht sie, sondern ich verspotte damit leidende Tiere und verhungernde Menschen. Ich verspotte damit den Regenwald. Ich verspotte damit die Zukunft unserer Kinder. Und ich werde nie wieder ein Stück Fleisch oder Fisch anrühren.

Und wenn ich mit jemandem über die Konsequenzen von Tierkonsum spreche, dann versuche ich, nicht von oben herab zu argumentieren. Weil niemand das Recht dazu hat. Kein Mensch hat das. Ich vermeide Streit, ich will zum Nachdenken bewegen. Denn die Tiere, die Natur und unsere Kinder, deren Zukunft wir berauben sind die Leidtragenden, nicht ich bin es. Also stecke ich ein und schlucke herunter, wenn ich verspottet werde. Und argumentiere weiter. Ich brauche Geduld. Und wenn ich mit jemandem über die Konsequenzen von Tierkonsum spreche, dann versuche ich, nicht von oben herab zu argumentieren. Weil niemand das Recht dazu hat. Kein Mensch hat das. Ich vermeide Streit, ich will zum Nachdenken bewegen. Denn die Tiere, die Natur und unsere Kinder, deren Zukunft wir berauben sind die Leidtragenden, nicht ich bin es. Also stecke ich ein und schlucke herunter, wenn ich verspottet werde. Und argumentiere weiter. Ich brauche Geduld.

Wem ich inzwischen keinen Glauben mehr schenke sind bunte Werbung, schöne Heilewelt-Videos und Politiker, die versprechen, dass alles besser wird. Es wird nichts besser, ohne dass die normalen Menschen umdenken. Ohne dass die Menschen zu begreifen lernen. Die Menschen, die Tag für Tag konsumieren und damit das Angebot bestimmen. Nichts wird sich ändern in einem System, dass mit Tierquälerei und Raub an der Zukunft unserer Kinder sein Geld verdient, ohne dass die Menschen sich diesem System verweigern.

Inzwischen weiß ich, dass wir in einer Zeit der Entscheidung leben. In welche Richtung wir gehen, entscheiden wir. Und wer meint, dass man allein die Welt nicht ändern kann, der sei daran erinnert, dass es nicht darum geht, die Welt heute und augenblicklich zu ändern. Das denken nur Utopisten und es ist ein gern benutztes Argument gegen Weltverbesserer. Ich habe es selbst lange benutzt. Aber wenn man sich der Änderung verwehrt, dann steht man auf der Seite derer, die unseren Kindern eine zerstörte Welt hinterlassen. Will ich das? Werden meine Enkel stolz auf mich sein können oder werde ich mich schämen müssen wenn sie mich fragen: "Opa, was hast du damals gegen das Verbrechen der Massentierhaltung getan?"

Marsili Cronberg

Hier einige Kommentare zum Artikel

Lieber Marsili, ich habe vor ein paar Tagen hier schon einmal geschrieben und hatte Deinen Artikel Freunden weitergeleitet. Und stell Dir vor, meine Schwiegereltern haben gerade geschrieben, daß sie sich wegen des Artikels entschlossen haben, ab nächster Woche vegetarisch zu leben. Ich finde das unglaublich, ich konnte es nicht fassen und meine Freude war riesig. Zwei Menschen (und vielleicht noch viel mehr) werden nun auf Grund Deines Artikels keine Tiere mehr essen. Danke.

Hallo Marsili,
danke für deinen schönen Text.
Ich bin 20 Jahre alt seit 11 Jahren Vegetarier, seit über 5 Jahren ernähre ich mich vegan. Nachdem ich bis vor kurzem über ein Jahr in meiner veganen Utopie (fast komplett veganes Umfeld) leben könnte bin ich jetzt wieder "unter Fleischessern" und bin damit wieder regelmäßig mit subtilem Spott und Unverständnis/Unwissen konfrontiert. Zu sehen, dass immer wieder Menschen zur Einsicht finden bewahrt mich davor "aufzugeben". Die Tierproduktindustrie ist einer der richtig großen Industriezweige mit 1) risigen Werbeetats 2) großem Einfluss in alle Institutionen: Ernährungsberater, Ärzteausbildung, Schulen... Zusätzlich dazu sind Erziehung und Tradition auf Seiten der Industrie und nicht auf Seiten des Mitgefühls. Es geht um einen riesigen Finanzmarkt auf Kosten von Leben (Tiere, Menschen, Umwelt...). Fleischkonsum hat nichts mit Geschmack zu tun. Es ist Erziehung und Gewohnheit.

Bertha
"Um eines kleinen Bissen Fleisches willen berauben wir eine Seele der Sonne und des Lichtes und jener Spanne an Leben und Zeit, für die sie in die Welt hineingeboren wurde, um sich an ihr zu erfreuen." "Behauptest du dennoch, du seiest zu solchen Speisen geschaffen, so töte selber, aber eigenhändig, was du verzehren willst, aber ohne ein Schlachtmesser, eine Keule oder ein Beil zu gebrauchen, so wie die Wölfe, Bären und Löwen die Tiere töten, die sie fressen. Erwürge einmal einen Stier durch einem Biss, oder zerreisse ein Schwein, ein Lamm einen Hasen mit dem Rachen und verzehre, wie jene, deine Beute noch halb lebend! Wartest du aber, bis das Tier, das du essen willst, eine Leiche geworden ist, schreckt dich die noch im Fleische wohnende Seele zurück, weshalb isst du dann, der Natur zuwider, was eine Seele hat?"
(Plutarch) Soviel zu Ihrem Zitaten die auf mich wirken wie geistige Blähungen. Schönen Tag noch.

Wenn es an den Tellerrand geht,zeigt der Mensch seine wahre Gesinnung. Wenn er noch so hochgeschwollen schreibt und spricht, sich badet und pudert, so etepetete wie er sich gibt, in Wirklichkeit ist er ein primitiver Vorzeitmensch. Es gibt nichts primitiveres als die Leichen von Tieren zu essen. Und die Majorität ist eben so. Scheint mir, dass bei der Fehlkonstruktion Mensch ein gewaltiges Defizit vorliegt.

Ich habe weder ein ethisches noch ein praktisches Problem damit das Tier, welches ich essen möchte, zu töten. Das sollte dir klarmachen, dass es mehrere Vorstellungen von Ethik gibt.

Zur Frage der Ethik ein kleines Gedankenspiel:
Fremde Wesen aus dem All, die viel intelligenter sind als wir Menschen, landen auf der Erde. Diese Außerirdischen benutzen die Menschen zu medizinischen Versuchen. Sie essen die Menschen auf, besonders die Kinder und Babys, weil deren Fleisch so weich und zart ist und am besten schmeckt. Wir Menschen schreien: 'Seht ihr nicht, dass wir Gefühle haben und dass ihr uns weh tut?' Sie fragen: 'Habt ihr keine Moral?' Die Außerirdischen sagen dann: 'Es mag schon sein, dass wir grausam sind. Aber wir sind euch überlegen. Wir sind intelligenter und vernünftiger als ihr. Daher können wir mit Euch auch machen, was wir wollen. Und außerdem: Ihr schmeckt uns halt so gut.
(frei nach R.D.Precht aus 'Wer bin ich und wenn ja wie viele?)

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