Die Tierversuche

Die Tierversuche

Im Folgenden möchten wir alle für die 30.000 Chemikalien geplanten Tierversuche kurz beschreiben und die möglichen tierversuchsfreien Systeme vorstellen.

1. Augenschleimhauttest (Draize-Test)
Test: Mindestens drei Kaninchen pro Chemikalie wird die Testsubstanz direkt in ein Auge geträufelt. Es kommt zu Entzündungen oder Verätzungen. Bis zu 21 Tage später wird der Grad der Schädigung abgelesen.

Tierversuchsfreie Verfahren: Beim HET-CAM-Test wird die Substanz auf die direkt unter der Schale eines bebrüteten Hühnereis liegende Aderhaut geträufelt. Die Reaktion der Aderhaut wird beobachtet. Darüber hinaus können Ergebnisse aus dem Hautverträglichkeitstest herangezogen werden, da Substanzen, die auf der Haut reizend wirken, auch für die Schleimhaut schädigend sind.

2. Hautverträglichkeitstest
Test: Bei mindestens drei Kaninchen pro Substanz wird diese auf die geschorene Haut aufgetragen. Schwellung, Entzündung und Verätzung sind die Folge. Nach vier Stunden werden die Veränderungen auf der Haut beurteilt.
Tierversuchsfreie Verfahren: Zwei bereits validierte Verfahren arbeiten mit Hautzellkulturen von Mensch (Episkin) oder Ratte (TER).

3. Hautallergietest
Test: Zwischen 17 und 30 Meerschweinchen wird die Testsubstanz in die Haut gespritzt oder auf die geschorene Haut aufgetragen. Es kommt zu Schwellung, Entzündung und Abschilfern der Haut.

Tierversuchsfreie Verfahren: Mehrere Testverfahren wurden entwickelt. Bei einem besonders vielversprechenden Test werden menschliche Hautproben verwendet. In diesen werden Aktivitäten und Bewegungen der so genannten Langerhans-Zellen beobachtet, die bei der Allergieauslösung eine wichtige Rolle spielen.

4. Akute Giftigkeit
Test: Etwa 15 bis 30 Ratten wird die Testsubstanz mit einer Schlundsonde in den Magen verabreicht. Bei gasförmigen Substanzen müssen die Tiere diese einatmen. Es kommt zu Vergiftungserscheinungen: Speicheln, Atemnot, Krämpfe, Blutungen aus Augen und Nase, Zittern, Durchfall, Koma oder Tod. Die Tiere werden 14 Tage beobachtet und dann getötet, wenn sie nicht schon vorher an den Folgen der Vergiftung gestorben sind.

Tierversuchsfreie Verfahren: Mit Hilfe von Computerprogrammen können anhand der chemischen Struktur einer Substanz wichtige Informationen über Aufnahme in den Körper, Stoffwechsel, Verteilung im Körper und Ausscheidung gewonnen werden. Auf der Basis von Zellkulturen kann die Zytotoxizität (Zellgiftigkeit) festgestellt und so die potenzielle Schädlichkeit einer Chemikalie vorausgesagt werden. Für weitere Informationen können spezifische Zellkulturen von Leber, Niere, Herz, Nerven oder Gefäßen verwendet werden.

5. Giftigkeit bei wiederholter Dosierung
Test: Es werden 40-80 Ratten und/oder 32 Hunde verwendet. Versuch und Symptome sind dem Test auf akute Giftigkeit ähnlich, nur wird den Tieren die Substanz täglich über einen Zeitraum von 28-90 Tagen verabreicht. Anschließend werden die überlebenden Tiere getötet.

Tierversuchsfreie Verfahren: Siehe "Akute Giftigkeit".

6. Erbgutverändernde Eigenschaften (Mutagenität)
Test: Mindestens 40 Ratten, Mäusen oder Hamstern wird der Teststoff oral eingegeben oder in die Bauchhöhle gespritzt. Bei einer Kontrollgruppe wird eine harmlose Substanz verabreicht und bei einer zweiten Kontrollgruppe eine Substanz mit bekanntem mutagenen Potenzial gegeben. Nach spätestens 48 Stunden werden die Tiere getötet und ihre Zellen auf Erbgutschäden untersucht.

Tierversuchsfreie Verfahren: Mit Hilfe von Computerprogrammen können potenziell erbgutverändernde Stoffe identifiziert werden. Bereits seit vielen Jahren erfolgreich im Einsatz ist der Ames-Test, ein Verfahren, das mit Bakterien arbeitet. Auch an Säugetierzellkulturen lassen sich Erbgutveränderungen feststellen.

7. Krebserregende Eigenschaften (Kanzerogenität)
Test: Mindestens 400 sehr jungen Ratten oder Mäusen wird die Testsubstanz oral eingegeben, mitunter auch auf die Haut aufgetragen. Die Tiere leiden unter Gewichtsverlust, Lethargie, Unwohlsein, Tumoren bis hin zum Tod. Dieser Test kann bis zu fünf Jahre dauern. Überlebende Tiere werden getötet und auf krankhafte Veränderungen der Organe untersucht.

Tierversuchsfreie Verfahren: Viele krebserregende Stoffe können schon mittels Computermodellen oder anhand der Tatsache, dass erbgutverändernde Stoffe auch oft krebserregend wirken, identifiziert werden. Beim SHE-Test werden Syrische Hamster-Embryozellen verwendet, die sich bei Zugabe von karzinogenen Chemikalien ungewöhnlich verhalten. Dieser Test dauert nur wenige Wochen.

8. Chronische Giftigkeit
Test: Es werden 160 Ratten und oft zusätzlich 32 Hunde verwendet. Die Tiere erhalten den Teststoff über einen Zeitraum von 1 bis 2 Jahren mehrfach verabreicht, entweder über eine Schlundsonde direkt in den Magen oder durch Inhalation. Typische Symptome sind: Appetitverlust, Aggression, Ruhelosigkeit, Muskelschwäche, Speicheln, Erbrechen (Hunde), Zittern, blutiger Durchfall, Koma und oftmals der Tod. Am Ende der Experimente werden die Tiere getötet und auf Veränderungen untersucht.

Tierversuchsfreie Verfahren: Computermodelle geben Hinweise auf potenziell giftige Stoffe. Mittels verschiedener Zellkultursysteme kann eine unspezifische Giftigkeit von Chemikalien aufgedeckt werden. Mit spezifischen Zellkulturen von Leber, Niere, Nerven und Blutgefäßen, können mögliche Schäden an diesen Organen festgestellt werden.

9. Missbildende Eigenschaften (Teratogenität)
Test: Mindestens 80 trächtigen Ratten oder 48 trächtigen Kaninchen wird die Chemikalie mit einer Schlundsonde eingeben. Bei den trächtigen Tieren kommt es zu Gewichts- und Appetitverlust, Nasenausfluss, Haarausfall, Durchfall, Austrocknung und eventuell Tod. Noch vor der Geburt werden die Mütter getötet, um die Embryos zu untersuchen.

Tierversuchsfreie Verfahren: Es gibt zahlreiche In-vitro-Methoden, von denen sich drei Verfahren derzeit im Stadium der Validierung befinden. Eines von ihnen ist der Embryo-Stammzell-Test (EST), bei dem eine Zugabe von schädlichen Chemikalien die Weiterentwicklung der Embryozellen verhindert.

10. Reproduktionstoxizität
Test: Es werden etwa 100 weibliche Ratten, davon 80 trächtige, und 40 männliche Ratten verwendet. Um festzustellen, welche Wirkung eine Chemikalie auf die Fortpflanzung hat, wird sie den Tieren vor und/oder nach der Paarung verabreicht. Die Symptome sind ähnlich der unter "Teratogenität" genannten.

Tierversuchsfreie Verfahren: Eine Vielzahl von Reagenzglastests wurde bereits entwickelt. Die meisten basieren auf Kulturen mit menschlichen oder tierischen Hoden- und Eierstockzellen.

11. Toxikokinetik
Test: Mindestens 8 Ratten und 8 Hunden wird die Substanz oral eingegeben, auf die Haut aufgetragen oder durch Inhalation verabreicht. Es soll festgestellt werden, wie sich der Stoff im Körper verteilt, in welchen Organen er sich ansammelt und wie er ausgeschieden wird. Dazu werden Tiere zu bestimmten Zeitpunkten nach Verabreichung getötet, um ihre Organe zu untersuchen. Die Symptome ähneln denen anderer Giftigkeitsprüfungen: Appetitverlust, Nasenausfluss, Haarausfall, Durchfall, Austrocknung, Erbrechen (Hunde).

Tierversuchsfreie Verfahren: Der Stoffwechsel von Chemikalien kann anhand von menschlichen Leber- und Darmzellkulturen nachvollzogen werden. Toxikokinetische Modelle lassen sich auch am Computer darstellen.


Quellen:G. Langley: The Way Forward, report compiled for the British Union for the Abolition of Vivisection (BUAV), 2001 Testing requirements for proposals under the EC white paper "Strategy for a future chemicals policy",
Institute for Environment and Health, July 2001 Doctors and Lawyers for Responsible Medicine (DLRM) Newsletter, winter 2001/2002

2003 Ärzte gegen Tierversuche e.V. - Alle Rechte vorbehalten

Jährlich 600.000 Botox-Opfer

Jährlich 600.000 Botox-Opfer Quelle: Ärzte gegen Tierversuche

Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche hat in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsjournals Altex eine Berechnung der Anzahl der Tiere vorgelegt, die durch die Testung von Botox-Produkten sterben. Demnach müssen weltweit mehr als 600.000 Mäuse einen qualvollen Erstickungstod erleiden. Da sogenannte Alternativmethoden vorhanden sind, sieht der Verein einen Verstoß gegen geltendes Tierschutzrecht und fordert ein Moratorium für die kosmetische Anwendung bis die tierversuchsfreien Methoden anerkannt sind.

Bisherige Schätzungen gingen von weltweit 100.000 bis 300.000 Mäusen aus, die für Botox sterben. Die Ärzte gegen Tierversuche haben aktuell in der Wissenschaftszeitschrift Altex errechnet, dass mindestens 600.000 Mäuse zu Tode kommen. Die Zahlen fußen auf Hochrechnungen anhand des Umsatzes der drei Herstellerfirmen Allergan, Ipsen und Merz sowie auf den durch verdeckte Recherchen teilweise bekannt gewordenen Tierzahlen. Diese Angaben berücksichtigen nach Information des Ärztevereins nicht einmal andere Botox-Hersteller wie die asiatischen Firmen und damit weitere Produkte, so dass davon auszugehen ist, dass die tatsächliche Zahl der Tiere weit über 600.000 liegt.

Neben der medizinischen Anwendung spielt das Nervengift Botulinumtoxin im Kosmetiksektor eine immer größer werdende Rolle. So können Gesichtsfalten durch Lähmung der Muskeln für ein paar Wochen weggespritzt werden. Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass Tiere den Preis für dieses zweifelhafte Schönheitsideal zahlen. Der Leidensweg beginnt mit Lähmungserscheinungen und endet im Erstickungstod.

Es ist ein Skandal, dass Tiere zu Tode gequält werden, obwohl längst tierversuchsfreie Methoden existieren , kritisiert Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Ärztevereinigung die Unwilligkeit der Behörden und der Hersteller, sich für die Streichung des sogenannten LD50-Tierversuchs aus dem Arzneibuch einzusetzen. In diesem Test wird die Dosis ermittelt, bei der die Hälfte der Tiere stirbt. In Wissenschaftskreisen ist er nicht nur wegen seiner Grausamkeit umstritten, sondern auch wegen seiner wissenschaftlichen Unzuverlässigkeit , so die Ärzte gegen Tierversuche.

Um der Tierqual ein Ende zu setzen, müssen die tierversuchsfreien Methoden validiert, also auf ihre Zuverlässigkeit überprüft werden. Doch diese Validierung obliegt den Herstellerfirmen, die bislang äußerst mangelhaftes Engagement gezeigt haben , moniert Bitz. Der Ärzteverein fordert ein Moratorium für die kosmetische Anwendung des Nervengifts. Solange mit dem Faltenkiller gigantische Umsätze erzielt werden, besteht für die Konzerne nicht genügend Anreiz, auf tierfreundliche Testmethoden umzusteigen. Ein Verkaufsverbot würde die Firmen endlich zum Handeln zwingen , ist sich Bitz sicher.

Das sei dann auch im Einklang mit dem geltenden Tierschutzrecht, das die Durchführung eines Tierversuchs nur dann erlaubt, wenn keine sogenannte Alternativmethode verfügbar ist.

Weitere Information:

The Botulinum Neurotoxin LD50 Test Problems and Solutions. Altex 27, 2/10, 114-116 (PDF)

Tierqual für eine fragwürdige Schönheit >>

Videofilm: Die hässliche Wahrheit über Botox (Aufnahmen einer Undercover-Recherche der britischen Tierversuchsgegnerorgansation BUAV im Wickham Laboratory, Hampshire) >>

Forschung kann Versuchstiere humanisieren

Ein Bericht der britischen Academy of Medical Sciences fordert schärfere Kontrollen bei einigen Experimenten, in denen menschliche Zellen und Gene in Tiere eingebracht werden.

Mehr und mehr wird mit Tieren experimentiert, die aus Zwecken der medizinischen Forschung menschliche Zellen enthalten. Damit sollen neue Medikamente, diagnostische Verfahren und Therapien für den Menschen an Versuchstieren getestet werden. Die britische Academy of Medical Sciences, die den Fortschritt in der Medizin unterstützt und diesen für die Patienten nutzbar machen will, hat sich in einem Bericht mit den möglichen Folgen solcher Versuche beschäftigt und ist der Ansicht, dass bestimmte Versuche über die bislang existierenden Richtlinien für Tierversuche hinausgehen.

Da Tiere keine Menschen seien, sei eine Möglichkeit, die Unterschiede zu mindern und Tierversuche aussagekräftiger zu machen, Embryonen oder erwachsene Tiere zu schaffen, die menschliche Zellen enthalten, wenn Zellkulturen oder Computersimulationen nicht ausreichen. Meist würden für solche Versuche Mäuse verwendet, die zu Millionen "verbraucht" werden. In Deutschland alleine wurden 2008, dem letzten Jahr, aus dem Zahlen vorliegen, 1,7 Millionen Mäuse, fast 500.000 Ratten, 100.000 Kaninchen, mehr als 1.700 Affen, insgesamt mehr als 2,7 Millionen Tiere in Versuchen verwendet. Bei den Mäusen waren bereits mehr als eine halbe Million transgene Tiere.

Menschliche Zellen können in Tiere auf verschiedene Weise eingebracht werden. Man kann transgene Mäuse durch Einführung menschlicher Gene schaffen. Zudem können Chimären geschaffen, indem in entkernte tierische Eizellen der Zellkern menschlicher Zellen eingeführt wird (Klonen). In tierischen Embryonen können menschliche Stammzellen eingebracht werden. Natürlich gibt es noch die "primitive" Möglichkeit, menschliche Zellen in ein Tier zu implantieren.

Problematisch könne dies aber dann werden, wenn beispielsweise wie in der Parkinson-Forschung menschliche neuronale Stammzellen in die Gehirne der Tiere eingebracht werden. Man könne derzeit noch nicht wissen, ob die Einführung menschlicher Zellen in die Gehirne von Tieren dazu führen kann, "dass das Tier einige Elemente menschlichen Bewusstseins oder 'menschenähnliche' Verhaltensweisen und Bewusstseinsformen entwickelt". Das sei derzeit zwar unwahrscheinlich, aber man bräuchte gute experimentelle Methoden, mit denen sich die Entstehung solcher Fähigkeiten entdecken ließe. Wo solch eine Möglichkeit prinzipiell nicht abzuweisen ist, müsse die Forschung sehr vorsichtig und zusätzlich durch ein Expertengremium überwacht werden.

Auch bei der Forschung am Reproduktionssystem sehen die Wissenschaftler Probleme. So würden aktuell schon viele Tiere menschliche Gene und Zellen enthalten, um Reproduktionsprobleme von der Entwicklung von Eizellen und Spermien bis hin zur Geburt zu untersuchen. Dabei werden auch menschliche Spermien und Eizellen verwendet, was unbeabsichtigt zu einer Befruchtung von menschlichen und tierischen Zellen führen könne. Das sei zwar sehr unwahrscheinlich, zumal auch kaum ein lebensfähiges Chimärenembryo daraus entstehen werde, dennoch müsse man auch hier für zusätzliche Kontrollen sorgen. Ein drittes Problemfeld könnten Experimente sein, bei denen Tiere, also vor allem Primaten, durch gezielte Eingriffe sich ähnlich verhalten oder ähnlich aussehen wie Menschen. Das könne die Grenzen zwischen Arten auf verstörende Weise verwischen. Gefährlich könne es aber auch dann werden, wenn Tiere so geschaffen werden, dass sie auch von Viren oder Bakterien infiziert werden können, die normalerweise nur Menschen als Wirte haben, oder dass sie durch die Forschung von Tieren auf Menschen überwandern können.

Abgesehen von diesen möglichen Problemen sehen die Wissenschaftler keine neuen ethischen Probleme in der Humanisierung von Tieren. Der Nutzen für die Menschen würde auch, wenn man die Richtlinien für den Umgang mit Versuchstieren einhalte, das den Tieren zugefügte Leiden rechtfertigen. Die Möglichkeit, dass Primaten durch bio- und gentechnologische Methoden noch menschenähnlicher werden könnten, wird aber offenbar ernst genommen. So sagt Professor Thomas Baldwin, ein Mitglied der Arbeitsgruppe der Academy of Medical Sciences, die den Bericht verfasst hat, man habe bislang nur in der Science Fiction die Sorge thematisiert, dass Primaten plötzlich in eine Art Menschen verwandelt werden können, weil sie Verhaltensweisen zeigen, die man bislang wie die Sprache nur Menschen zugeschrieben hat. Damit müsse man sich nun aber wirklich auseinandersetzen.

Die Science Fiction ist weiterhin einen Schritt vorne. So wird in dem neuen Film Planet der Affen - Prevolution, der im August in Deutschland in die Kinos kommt, das Szenario geschildert, dass im Rahmen der Alzheimer-Forschung Primaten mit menschlicher Intelligenz entstehen, die dann gegen die Menschen revoltieren.

Quelle: Telepolis, Florian Rötzer vom 05.08.2011

Militärversuche

Vor gut einem Jahr sollten nach Plänen des US-Militärs auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr Schweinen und Ziegen zur Nachahmung von Kriegsverletzungen mit dem Skalpell Stich- und Schnittwunden beigebracht werden, damit Sanitäter die Wunden behandeln können. Die Regierung der Oberpfalz als zuständige Genehmigungsbehörde lehnte dies jedoch ab. Daraufhin stellte die Firma Deployment Medicine International im Auftrag des Militärs in Thüringen einen Antrag, Tierversuche zu Ausbildungszwecken durchzuführen. Das für die Genehmigung zuständige Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit lehnte den Versuchsantrag jedoch im Oktober 2010 ab und zog damit der Regierung der Oberpfalz nach, die im Fall der in Grafenwöhr geplanten Tierversuche einen Ablehnungsbescheid erließ, da sie einen Verstoß gegen geltendes Tierschutzrecht sah.

In Thüringen jedoch reichte das Unternehmen kürzlich beim Verwaltungsgericht Gera Klage ein. Mit einer Entscheidung ist in den nächsten Wochen zu rechnen. Unsere Ärztevereinigung sprach der Genehmigungsbehörde ihren Dank aus und wandte sich an das Gericht, mit der Bitte, das Tierschutzgesetz und insbesondere den grundgesetzlich verankerten Tierschutz und das Vorhandensein tierversuchsfreier Übungsmethoden adäquat zu berücksichtigen.

Es bleibt abzuwarten, ob das Gericht der Argumentation der Genehmigungsbehörde folgt, und zu der Einsicht kommt, dass die Militärtierversuche nicht zu rechtfertigen sind und zudem ausreichend sinnvollere Ausbildungsmethoden zur Verfügung stehen, wie das Training an lebensechten Dummies. An Patientensimulatoren beispielsweise können Verletzungen aller Art nachgeahmt werden, an schmerzfreiem Material können die Versorgung von Wunden oder die Verabreichung einer Spritze geübt werden.

Hoffen wir, dass immer mehr Behörden den Mut zeigen, sich in ihrer ethischen Abwägung auf den grundgesetzlich verankerten Tierschutz zu berufen und mangels Genehmigungsfähigkeit Tierversuchen eine klare Absage zu erteilen.

Quelle: Ärzte gegen Tierversuche v. 12.10.2011

Alzheimer-Tierversuche versagen

Alzheimer-Tierversuche versagen auf ganzer Linie - Wissenschaftliche Studie fordert mehr Ursachenforschung

Zwischen den Ergebnissen aus Tierstudien für die Erforschung und Behandlung der Alzheimer-Krankheit und der klinischen Realität klafft eine große Lücke. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle, in der Fachzeitschrift ALTEX erschienene Übersichtsarbeit amerikanischer Wissenschaftler. Die Experten zeigen zudem einen Weg auf, von Tierversuchen wegzukommen und sich an Forschung am Menschen zu orientieren.

Zweiundzwanzig verschiedene transgene "Mausmodelle" wurden entwickelt, die alle lediglich Teilaspekte der Alzheimer Krankheit darstellen. Bei Mäusen werden ein oder mehrere menschliche Gene in das Erbgut eingeschleust. Bei manchen Mäusen treten dadurch Plaques im Gehirn auf, andere zeigen Störungen des Hirnstoffwechsels und wieder andere leiden unter Gedächtnisverlust. Obwohl laut den Autoren über viele Jahrzehnte hinweg so viele "Modelle" für die Alzheimer-Krankheit entwickelt worden sind, hat dies kaum zu einem Nutzen für die Humanmedizin geführt. Grund hierfür ist die mangelhafte Darstellung der klinischen Situation des Menschen an Tieren. Zudem wird beim Menschen Alzheimer zu einem großen Teil gar nicht durch genetische Faktoren ausgelöst.

Was bei Mäusen durch Genmanipulation erreicht wird, versucht man bei Ratten durch Injektion eines Giftes hervorzurufen. Das Gift Streptozotocin zerstört die Zellen der Bauchspeicheldrüse, wodurch es zu Symptomen der Zuckerkrankheit kommt. So geschädigte Ratten werden im Allgemeinen in der Diabetes-Forschung verwendet. Da die Tiere als Nebeneffekt Gedächtnisprobleme zeigen, werden sie auch von der Alzheimer-Forschung vereinnahmt. Auch an Hunden, Kaninchen und Affen wird mit künstlichen Mitteln versucht, Demenz-Symptome auszulösen.

Kein "Tiermodell" ist jedoch in der Lage die komplexen Symptome der menschlichen Krankheit nachzuahmen. Die Folge ist, dass viele Behandlungsmethoden bei Tieren vielversprechend waren, beim Menschen aber auf ganzer Linie versagten. So werden in einer amerikanischen Datenbank mehr als 1.200 klinische Studien mit potentiellen Therapeutika gelistet, aber nur fünf davon wurden in den USA zugelassen (über andere Länder gibt der Artikel keine Auskunft). Eines davon wird wegen schwerwiegender Nebenwirkungen kaum eingesetzt. Die zugelassenen Arzneien führen nur bei 50 % der Patienten zu einer Besserung. Die Washingtoner Experten nennen 37 Wirkstoffe, die im Tierversuch erfolgreich waren, von denen 25 im Test am Menschen versagten, entweder wegen mangelnder Wirkung oder wegen schwerer unerwünschter Wirkungen. Sieben Mittel befinden sich zurzeit in klinischen Studien.

Zahlreiche Bevölkerungsstudien belegen Zusammenhänge zwischen dem Lebensstil und der Entwicklung von Demenzerkrankungen. So wirkt sich der Verzehr von Nüssen, Kohlgemüse, dunkelgrünem Gemüse und Obst positiv aus, während Fleisch, Butter und andere Milchprodukte die Entstehung von Alzheimer begünstigen können. Förderlich bei der Prävention von Demenz ist außerdem körperliche Bewegung. Neben einer verstärkten Erforschung der Ursachen und der Risikofaktoren fordern die Autoren eine Abkehr von der tierexperimentellen Alzheimerforschung zu Gunsten beispielsweise der Untersuchung an pluripotenten Stammzellen, d.h. Zellen die sich aus Gewebeproben von erwachsenen Menschen gewinnen lassen, um die Entwicklung von Therapiemöglichkeiten voranzutreiben.

Quelle: Ärzte gegen Tierversuche
16.08.2014

Schande für Europa

EU-Tierversuchszahlen veröffentlicht
Als Schande für Europa bezeichnet die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche die gerade erschienene Statistik zu Tierversuchen in den 27 Mitgliedsstaaten der EU. Zwölf Millionen Tiere wurden demzufolge in Europas Labors verwendet, darunter rund 7,1 Mio. Mäuse, 2,1 Mio. Ratten, 1 Mio. Fische, 333.000 Kaninchen, 21.000 Hunde, 9.500 Affen und 4.000 Katzen.

Trotz aller Beteuerungen der EU, Tierversuche wenigstens reduzieren zu wollen, ist die Anzahl in den letzten drei Jahren praktisch gleich geblieben , moniert Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Ärzte gegen Tierversuche. Bei der letzten Erhebung 2005 waren knapp 1% mehr Tiere gezählt worden. Die aktuelle Statistik bezieht sich auf das Jahr 2008 und umfasst erstmals 27 Staaten, darunter auch Bulgarien und Rumänien, die 2005 noch nicht in der EU waren. Diese beiden Länder schlagen mit nur 0,1% aller Tierversuche zu Buche. Größte Tierverbraucher sind nach wie vor Frankreich mit 2,33 Mio., Großbritannien mit 2,23 Mio. und Deutschland mit 2,02 Mio. Tieren.

Die Ärzte gegen Tierversuche sehen in den veröffentlichten Zahlen nur die Spitze des Eisbergs. Bei der EU-Statistik fehlen Tiere, die zu wissenschaftlichen Zwecken getötet werden. Diese werden in Deutschland seit dem Jahr 2000 erfasst, so dass die aktuellen Zahlen für Deutschland bei insgesamt 2,8 Millionen Tieren liegen. In Großbritannien wird zudem die Zucht gentechnisch veränderter Tiere gezählt, wodurch insgesamt 3,65 Millionen Tiere veranschlagt werden. Die tatsächliche Zahl der Tiere, die in qualvollen und sinnlosen Experimenten in Europa ihr Leben lassen mussten, liegt also weitaus höher als die genannten 12 Millionen , ist sich Tierärztin Gericke sicher.

Dramatisch ist der Anstieg der Tierversuche in einigen Ländern, z.B. Estland um 610% auf über 34.000, Irland um 197% auf rund 112.000, Spanien um 51% auf fast 900.000 und Österreich um 32% auf 220.000 Tiere. Malta war bei der letzten Erhebung das einzige tierversuchsfreie Land der EU. Aktuell gibt der Inselstaat 694 Tiere an.

Bei einigen Tierarten sind erhebliche Zunahmen zu verzeichnen. So wurden 2008 über 92.000 Schweine verwendet, 40% mehr als drei Jahre zuvor. Bei Kaninchen gab es eine Zunahme um 7%, bei Mäusen um 11% und bei Katzen um 5%. Halbaffen wurden 2008 zu 86% mehr verwendet als drei Jahre zuvor, nämlich 1.261. Bei den Neuwelt- (z.B. Krallenäffchen) und Altweltaffen (z.B. Rhesusaffen) sind die Zahlen gesunken. Insgesamt wurden 9.569 Affen verwendet, 823 weniger als bei der letzten Statistik.

EU will Verbot von Tierversuchen für Kosmetika auf unbestimmte Zeit verschieben

Die EU-Kommission will diesen Termin nun auf unbestimmte Zeit verschieben, da einem von der EU in Auftrag gegebenen Bericht zufolge bis dahin nicht genügend tierversuchsfreie Tests zur Verfügung stehen würden. Besonders dramatisch: zwei weitere Tierversuche zur Testung von Allergie und Krebs auslösenden Wirkungen sollen ebenfalls weiter erlaubt werden, obwohl diese bereits seit 2009 verboten sind.

Die Ärzte gegen Tierversuche arbeiten derzeit zusammen mit der Europäischen Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE) an einer ausführlichen Stellungnahme, die im Rahmen einer öffentlichen Befragung der EU-Kommission eingereicht wird. Darin wird aufgezeigt, dass viele der in ihrer Entwicklung weit fortgeschrittenen tierversuchsfreien Methoden in dem EU-Bericht nicht ausreichend gewürdigt werden. Beispielsweise wird ein Testsystem für Langzeitprüfungen an menschlichem Lungengewebe, mit dem mögliche schädliche Wirkungen auf die Atmungsorgane erfasst werden können, von einem spezialisierten Unternehmen kommerziell angeboten. Die Methode hat bereits eine Reihe von Studien durchlaufen, die ihre Aussagekraft und Genauigkeit unter Beweis stellen. Die EU behauptet hingegen, überprüfte Langzeit-Testmethoden würden frühestens in zehn Jahren vorliegen.

ÄgT fordert die Politik auf, die vorgesehene Frist bis zur Abschaffung aller Kosmetik-Tierversuche auf keinen Fall zu verlängern. Dies ist weder ethisch noch wissenschaftlich zu rechtfertigen und außerdem das völlig falsche Signal an die Industrie , so Dr. med. Wolfgang Stengel, Facharzt für Pharmakologie und Toxikologie bei Ärzte gegen Tierversuche. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass ein gesetzliches Verbot erfolgreich Anreize für die Förderung von tierversuchsfreien Systemen schaffen kann. Der gegenwärtige Kenntnisstand und die aktuell verfügbaren tierversuchsfreien Tests mit menschlichen Zellen oder Computer gestützten Verfahren erlauben die Nutzung eines breiten Spektrums von Anwendungen und Produkten ohne Sicherheitsbedenken , erläutert Toxikologe Stengel. Darüber hinaus gibt es Tausende von Zutaten für Kosmetikprodukte, die seit Jahren im Gebrauch sind.

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