Der Krieg ums Nashorn

Update

November 2018
China erlaubt den Handel mit Nashorn Horn und Tigerknochen - für die Medizin!

Südafrika

In Südafrika nennen sie es einen "Krieg". In den Nationalparks erlegen Wilderer immer mehr Nashörner. Und immer häufiger kommt es zu Schießereien zwischen Wilderern und Parkhütern. Allein in diesem Jahr wurden 500 Wilderer getötet.

Obwohl das Risiko für die illegalen Jäger groß ist, hält es viele nicht davon ab, nachts in die Nationalparks einzusteigen und Nashörner abzuschlachten. Mit dem begehrten Horn werden Millionenumsätze gemacht. Eine Reportage von ARD-Korrespondent Ulli Neuhoff (Studio Johannesburg).

Die Geier am Himmel sind ein untrügliches Zeichen, dass die Wilderer wieder zugeschlagen haben. Es sind auch die Geier, die die Ranger zum Kadaver führen. Zwei, dreimal in der Woche, manchmal auch täglich, alleine im Krüger Nationalpark. "Diese Kugel haben wir sehr nahe am Körper gefunden", sagt Frik Rossouw vom Krüger Nationalpark. "Ein anderes Kaliber als die erste Kugel. Das bedeutet es waren eindeutig zwei Gewehre im Spiel."

Die Ranger sichern die Spuren

Wie Kriminalisten sichern die Ranger die Spuren. Beweise, um die Wilderer die längst über alle Berge sind einmal überführen können. "Wilderer nehmen nur die Hörner mit, sonst nichts. Die haben keine Zeit zu verlieren. Sie hacken die Hörner ab und verschwinden."

Park-Ranger gegen Wilderer

Früher jagten sie um das Fleisch zu essen. Auch das illegal, aber die Ranger ließen sie oft gewähren. Das Horn der Nashörner hat alles verändert. Ein lukratives Geschäft für die Wilderer. Das Risiko ist aber auch ungleich höher.

Der Kampf um die letzten Nashörner ist zu einer Art Krieg geworden. Mit militärischen Mitteln versuchen die Park-Ranger den Wilderern Herr zu werden. Aber sie kämpfen gegen Organisiertes Verbrechen.

Die Existenz der Nashörner ist bedroht

Dieses Jahr werden es wahrscheinlich 2.000 gewilderte Nashörner sein. So viele wie noch nie. Mittlerweile geht es tatsächlich um den Fortbestand der Art. Es werden mehr Nashörner abgeschlachtet als geboren werden. Hier kämpfen sie um jedes einzelne Nashorn. Päppeln die Waisen auf, die übrig bleiben, wenn die Wilderer zuschlagen. "Sie haben seine Mutter getötet", sagt Petronel Nieuwoudt, Care for Wild Africa. "Im Krüger-Park. Sie starb aber nicht sofort, deshalb hackten sie ihr das Rückgrat durch. Er blieb bei ihr, ganze vier Tage lang. Als wir ihn fanden war er extrem dehydriert. Zwei Wochen kämpften wir um sein Leben."

Mit einem Heer von Freiwilligen ziehen sie die Babys auf. An Hilfsbereitschaft fehlt es nicht, an Geld meistens auch nicht. Trotzdem zeigt dieses Waisenheim das ganze Dilemma. Die Flaschenkinder gewöhnen sich an die Menschen. In die freie Wildbahn können sie nicht zurück. Ohne Mutter lernen sie nie in der Natur zu überleben. "Sie werden eine Zucht-Herde bilden an einem sicheren Ort", sagt Petronel Nieuwoudt, Care for Wild Africa. "Das Erbmaterial ist sehr gut und vielfältig. Damit spielen sie eine sehr wichtige Rolle für die Erhaltung der Art."

"Natürlich weiß ich, dass die Nashörner aussterben werden. Aber mir ist das doch egal. Ich will zu Geld kommen und zwar jetzt sofort", meint Smart, der Wilderer. Das ist das Problem. Die Armut gerade am Rande des Krügerparks ist groß, und die großen Häuser gehören den Wilderen. Vielen scheint es ganz natürlich sich den Gruppen anzuschließen, die immer in der Abenddämmerung in den Park einsteigen. Auch wenn das Risiko groß ist. Nicht umsonst sprechen sie in Südafrika von einem Krieg um die Nashörner. Beide Seiten rüsten mehr und mehr auf. Wenn sie sich im Busch begegnen geht es um Leben und Tod. "Die Jacke hat nur ein einziges Loch", erzählt Sindi Mashaba, die Schwester eines getöteten Wilderes. "Aber mein Bruder hatte zwei Wunden. Die andere in der Seite. Wer immer auf ihn geschossen hat, zog ihm vorher die Jacke aus und schoss dann nochmal." Ein erbitterter Kampf. Den Wilderen geht"s vornehmlich ums Geld. Für die Parkverwaltung um die Rettung des Nashorns und um die Touristen, denn die sind eine wichtige Einnahmequelle für Südafrika.

http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen
Stand: 30.11.2015

Kampf gegen Nashorn-Wilderei

2014 töteten Wilderer in Südafrika so viele Nashörner wie nie zuvor, sie verkauften geschätzte 8000 Kilo Hörner auf dem Schwarzmarkt. Nun wurden 38 Kilo entdeckt - in Vietnam.

Die Polizei in Vietnam hat 38 Kilo geschmuggelte Nashorn-Hörner sichergestellt. Sie nahm zwei Männer fest. Die Männer hatten die Hörner im Schwarzmarktwert von bis zu drei Millionen Euro in Taschen versteckt und wurden festgenommen, als sie in der Provinz Nghe An im Norden des Landes aus einem Zug stiegen, wie ein Polizeisprecher am Montag mitteilte. Einer der beiden sagte, er sei lediglich als Kurier angeheuert gewesen.

Auf dem Schwarzmarkt werden bis zu 80.000 US-Dollar für ein Kilo Horn gezahlt, es ist teurer als Gold oder Heroin. Ein vollständiges Nashorn-Horn wiegt zwischen einem und zehn Kilogramm; die afrikanischen Tiere haben zwei Hörner, ein großes und ein kleines.

Die hohen Preise entstehen vor allem durch die riesige Nachfrage in Fernost. Besonders die neue Mittelschicht möchte sich mit exotischen Tierprodukten wie Elfenbein, Bärengalle oder Tigerknochenpaste schmücken, es sind Prestigeobjekte, die den sozialen Aufstieg symbolisieren.

Besonders beliebt ist Nashorn-Mehl. Es wird in Vietnam unter anderem zum Fiebersenken, Schmerzlindern und gegen schwere Krankheiten in der traditionellen Medizin verwendet - auch wenn es keinerlei wissenschaftlichen Nachweis gibt, dass die Methode helfen würde. Das Horn besteht wie menschliche Fingernägel oder Haare hauptsächlich aus Keratin, einer Substanz, die keinerlei medizinische Wirkung hat.

Südafrikanische Sicherheitskräfte jagen Wilderer mit Spezialkräften, mit Polizei und Militärs. Mit Drohnen suchen sie das riesige Gebiet des Krüger-Parks ab, auf dem Schätzungen der Parkdirektion zufolge jeden Tag im Schnitt 15 Wilderergruppen auf die Jagd gehen. SPIEGEL-Reporter, die das Geschäft der Nashorn-Wilderer nachzeichnen wollten, gerieten jüngst ins Visier der Kriminellen.

Aufgrund der zunehmenden Nachfrage in Vietnam und China hat die Nashornwilderei in Afrika dramatische Ausmaße angenommen. Wilderer in Südafrika haben im vergangenen Jahr bei der Jagd auf die ohnehin vom Aussterben bedrohten Nashörner einen neuen traurigen Rekord aufgestellt.

Die Zahl der durch Wilderei getöteten Nashörner sei 2014 um 21 Prozent auf 1215 Exemplare gestiegen, teilte die südafrikanische Umweltministerin Edna Molewa mit. 2013 seien es noch 1004 Tiere gewesen. Grob hochgerechnet erbeuteten Wilderer also etwa 8000 Kilo Horn. Die Wilderei sei Teil eines "illegalen Handels weltweit", kritisierte die Ministerin.

Mehr als zwei Drittel der 1215 getöteten Nashörner wurden aus dem Krüger-Nationalpark gemeldet. Um die bedrohte Tierart zu schützen, seien mehr als hundert Nashörner an sicherere Orte in Südafrika oder anderen Ländern gebracht worden, teilte Molewa mit. "Mit dieser Methode wollen wir Nashorn-Hochburgen schaffen, Gegenden, in denen Nashörner kostengünstig gezüchtet werden können", fügte die Ministerin hinzu. Ein entsprechendes Programm war im vergangenen Jahr aufgelegt worden.

Während es derzeit noch etwa 20.000 Südliche Breitmaulnashörner gibt, ist die Lage ihrer nördlichen Verwandten bereits dramatisch schlecht. Im Dezember 2014 starb eines der letzten Tiere in einem amerikanischen Zoo, jetzt leben weltweit nur noch fünf Exemplare. Kurz zuvor war das letzte zeugungsfähige Männchen tot in einem Nationalpark aufgefunden worden. Für das Nördliche Breitmaulnashorn ist künstliche Befruchtung die letzte Hoffnung.

Quelle: http://www.spiegel.de

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