Wer schützt die Tiere vor den Tierschützern?

Am 4. Oktober drei Tage nach dem Weltvegetariertag ist Welttierschutztag.

Quelle: http://maqi.de

Quelle: http://maqi.de

Dabei wollen Tierschützer die Ausbeutung anderer Tiere keineswegs beenden, sondern lediglich reglementieren und reformieren. Wo Tierrechtler Freiheit und die Abschaffung von Mord fordern, beschränken Tierschützer sich auf größere Käfige und "schonende Schlachtung (was könnte weniger schonend sein als die Ermordung?), vor allem aber auf besonders spendenträchtige Themen, die nicht zuletzt deshalb so gut bei den Spendern ankommen, weil sie weit entfernt sind oder nur "Kuscheltiere oder Randaspekte, kaum aber sie selbst betreffen (Gallenbären in China, Stierkampf, Robben, Tierversuche, Jagd usw.), so dass die Spender sich mit ihren Ablasszahlungen ein vermeintlich gutes Gewissen erkaufen, ohne dass sie oder die Tierschützer ihr eigenes, tierausbeuterisches Verhalten überdenken oder gar ändern zu müssen.

Allenfalls bitten einige darum, doch einmal "einen fleischfreien Tag einzulegen ("Donnerstag ist Veggietag etc.). Dabei werden gern statt des Wohls der betroffenen nichtmenschlichen Tiere Nebeneffekte wie etwa Umweltschutz in den Vordergrund gestellt: "Mit einem fleischlosen Tag pro Woche , so die Landwirtschaftsministerin von Rheinland-Pfalz, Ulrike Höfken, kürzlich auf einem Symposium zum Thema "Nutztierhaltung im Spannungsfeld von Tierwohl und Ökonomie , könne man "enorme Kalorien sparen und einen Großteil der heute hungernden Weltbevölkerung ernähren. Damit wird indirekt dazu aufgefordert, an sechs Tagen in der Woche Leichen zu konsumieren, was meilenweit selbst hinter den Empfehlungen der DGE zurückbleibt, also der "Deutschen Gesellschaft für Ernährung (in deren Beiräten nachweislich Vertreter der Milch- und Fleischindustrie sitzen, die also diesbezüglich alles andere als unvoreingenommen ist). Ganz radikale Tierschützer verweisen gar auf die Möglichkeit des Vegetarismus und segnen damit Gefangenhaltung von und Mord an Hühnern, Rindern usw. für Ei- und Milchkonsum ab.

Besonders perfide ist es, wenn Reformen und damit die Fortführung der Ausbeutung als Erfolge gefeiert werden, so aktuell ein "Tierschutzzeichen eines Daunenproduzenten, das "fair produzierte Daunen garantiert, was nichts anderes heißt, als dass die Daunen nicht aus "Lebendrupf stammen, sondern die Gänse vor dem Rupfen, also dem Ausreißen der Federn, umgebracht werden, um so neben den zum Verzehr bestimmten Leichen "Schlachtdaunen zu erhalten. Auch das "Tierschutzlabel des "Deutschen Tierschutzbunds , "zunächst mit einem Label für Produkte von Masthühnern und Mastschweinen , das "die gesamte Produktionskette umfassen [soll] (Zucht bis Schlachtung) , zeigt mehr als deutlich, was Tierschützer unter "Schutz verstehen. Und gerade war der Jubel unter Tierschützern groß, weil der Bundesrat die Frist, die Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner den "Geflügelbetrieben bis zur "Abschaffung der Kleingruppenhaltung auf Druck der Tierausbeuterlobby eingeräumt hatte, "Bestandsschutz bis 2035, gekippt hat. Nun soll die Umstellung dieser Form der Gefangenhaltung auf andere auf 2017 oder 2020 vorverlegt werden.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck sprach von einem "guten Tag für den Tierschutz in Deutschland . Ein guter Tag für "den Tierschutz , sprich, die Tierschutzorganisationen, sicher (da solche "Erfolge angeführt werden, um das Spendeneinkommen zu erhöhen), nicht aber für die betroffenen Tiere.

  • die Hennen werden weiterhin gefangengehalten (und, wenn nach einem Jahr die "Legeleistung" nachlässt, umgebracht)

  • in Anlagen, in denen sie (zum einen durch Qualzüchtung, damit sie fast täglich ein Ei legen, zum anderen durch die Gefangenhaltung) mindestens ebenso leiden wie in "Kleingruppenkäfigen" (was sich in höherer Mortalitätsrate zeigt, da z.B. in den "Bodenhaltung" genannten "Großgruppenkäfigen", die jedoch nicht als Käfige bezeichnet werden, eben durch die große Anzahl der Tiere, die Kontakt haben, sowohl Soziopathien wie Kannibalismus als auch die Übertragung von Krankheiten usw. ansteigt),

  • es müssen mehr Hennen gefangengehalten werden, um die gleich Zahl an Eiern zu produzieren (da die Produktivität in den sogenannten Alternativhaltungen geringer ist), und

  • selbstverständlich werden ihre männlichen Geschwister, da sie keine Eier legen und für die Mast genetisch ungeeignet sind, weiterhin unmittelbar als Eintagsküken lebend vermust oder vergast.

Quelle: http://maqi.de

Quelle: http://maqi.de

Schon 2002 war mit einer Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung die Haltung von Legehennen in "Käfighaltung auf Betreiben und unter dem Beifall von Tierschützern verboten worden. 2006 ließ der damalige Landwirtschaftsminister Horst Seehofer die Haltung in sogenannten Kleingruppen von einigen Dutzend Tieren pro Käfigen zu. Bis 2010 mussten alle Betriebe, die noch konventionelle Käfighaltung in sogenannten "Legebatterien betrieben, auf Boden-, Freiland- oder Biohaltung oder eben "Kleingruppenhaltung umrüsten. Die Regelung dazu hatte das Bundesverfassungsgericht im Oktober 2010 jedoch zu Fall gebracht. Eine Neuregelung soll nun bis Ende März 2012 erfolgt sein.

Im Februar 2011 hatte Aigner ein ganzes "Tierschutzpaket angekündigt: Darin versprach sie neben dem Ende der Käfighaltung (!) von Legehennen bis 2035 (statt der Abschaffung der Hühnerausbeutung) u.a. ein Verbot der Ferkelkastration (!) ohne Betäubung (!) (statt der Abschaffung der Schweineausbeutung), ein Verbot von Brandzeichen (!) bei Pferden (statt der Abschaffung der Pferdeausbeutung), Haltungsregeln (!) für Kaninchenmast (statt der Abschaffung der Kaninchenausbeutung) sowie strengere Regeln (!) für die Gefangenhaltung in Zoos oder "Wildgehegen (statt deren Abschaffung): eben tierschutztypische Reformen, die die Tierausbeutung weiter zementieren.

Tierrechtler und Antispeziesisten dagegen setzen sich für die unverletzlichen und unveräußerlichen Rechte der Tiere auf Freiheit, psychische und physische Unversehrtheit usw. ein (analog zu Menschenrechten).

Bedauerlicherweise führen mittlerweile viele Gruppen, Vereine, Organisationen, Websites usw. Namen, in denen "Tierrechte fälschlicherweise vorkommen. Dadurch, durch die verbreitete Schrägstrichschreibweise "Tierschutz/Tierrechte (als ob dies keine Gegensätze wären, sondern zusammengehören würde), oder Journalisten, die offensichtlich reformistische Tierschützer fälschlich als "Tierrechtler bezeichnen, wird der Begriff "Tierrechte jedoch massiv verwässert.

Das ist etwa so, als würde jemand Menschenrechtler genannt, der eklatante Menschenrechtsverletzungen wie etwa Hinrichtungen explizit oder implizit gutheißt, während er "humanere Hinrichtungsmethoden propagiert.

Entsprechend fordern Tierrechtler, auch um die Tiere vor den Tierschützern zu schützen, die Abschaffung jeglicher Tierausbeutung (Abolitionismus) und insbesondere Veganismus.

[6970 Anschläge. Fotos stehen kostenfrei zur Verfügung. Diese Pressemitteilung finden Sie online mit Bildern und weiterführenden Links unter maqi.de/presse/welttierschutzt.... Bei redaktioneller Verwendung Hinweis/Belegexemplar erbeten.]

Maqi für Tierrechte, gegen Speziesismus setzt sich für eine Verwirklichung der Tierrechte (so etwa das Recht auf physische und psychische Unversehrtheit), die Abschaffung der Diskriminierung aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Spezies (analog zu Antirassismus und Antisexismus) und die Etablierung einer veganen Gesellschaft ein.

Nähere Informationen und Bildmaterial bei Maqi für Tierrechte, gegen Speziesismus, c/o Achim Stößer, Berliner Str. 34, D-63619 Bad Orb, Tel. 06056 309788, mail@maqi.de, maqi.de.

Autor: Achim Stößer vom 01.10.2011

Das deutsche Gesetz ist grausam

Der Deutsche Tierschutzbund fordert ein neues Tierschutzgesetz. Die Eckpunkte hat der Verband heute in einer Pressekonferenz vorgestellt. Die letzte umfassende Novellierung fand 1986 statt. Das im Jahr 2002 erlassene Staatsziel, sowie neue Anforderungen der Gesellschaft und der Wissenschaft an die Tierschutzgesetzgebung sind in keiner Weise im geltenden Tierschutzgesetz berücksichtigt. Den Kampf für ein neues Tierschutzgesetz hat der Deutsche Tierschutzbund zum Leitmotto des Welttierschutztages 2011 ausgerufen, der am 4. Oktober stattfindet.

2002 hat der Deutsche Bundestag den Tierschutz ins Grundgesetz aufgenommen. Damit hat er dem gewachsenen Tierschutzbewusstsein der Bevölkerung Rechnung getragen und sich verpflichtet, den Tierschutz effektiv zu verbessern. Diese Verpflichtung ist bis heute nicht eingelöst. "Das deutsche Gesetz ist grausam, es sanktioniert millionenfache Tierqual. Wir brauchen ein neues Tierschutzgesetz", erklärte Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

Der Verband stellte seine Eckpunkte für ein neues Tierschutzgesetz heute in Hannover vor: In der Landwirtschaft darf es keine Qualzucht, Engaufstallung und Verstümmelung von Tieren mehr geben. Die Leiden bei Transport und Schlachtung sind ebenso zu unterbinden wie das geschlechtsspezifische Töten (z. B. von männlichen Eintagsküken) oder Massentötungen zur sog. Marktbereinigung. Im Heimtierbereich müssen endlich konkrete Regelungen zu Zucht, Haltung, Ausbildung und Handel sowie vor allem zur Kennzeichnung und Registrierung auf den Weg gebracht werden.

Der Schutz frei lebender Katzen erfordert dabei auch eine Kastrationspflicht für Privatkatzen mit Freigang. Den Tierschutzbehörden müssen mehr Rechte und Pflichten zugewiesen werden, damit zum Beispiel in Fällen des Animal Hoarding (Tiersammel-Sucht) schnell eingeschritten wird. Die Kostenerstattung für die Versorgung Fund- und herrenloser Tiere in den Tierheimen muss verbindlich geregelt und die finanzielle Ausstattung des karitativen Tierschutzes insgesamt als Bundesaufgabe im Tierschutzgesetz festgeschrieben werden.

Das Halten von Wildtieren in Zirkusunternehmen muss unterbleiben. Sensible, anspruchsvolle Exoten - z. B. Reptilien, Vögel oder Fische - leiden und sterben in Menschenhand. Ihre Haltung ist grundsätzlich zu verbieten. Zur Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie vom September 2010 ist ein neues, separates Gesetz zum Schutz von Tieren, die in Versuchen eingesetzt werden, erforderlich. Nur so könnten alle Möglichkeiten genutzt werden, die das EU-Recht lässt, um z. B. Affenversuche oder Eingriffe, die zu schwerem Leiden führen, sofort zu unterbinden, stellte Apel klar. Um die Tierschutzbestimmungen besser kontrollieren und durchsetzen zu können, gehört zu einer Staatziel-konformen Gesetzesnovelle die Einführung der Tierschutz-Verbandsklage.

Quelle: Originaltext: Deutscher Tierschutzbund e.V. Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/7750 Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_7750.rss2
FinanzNachrichten.de v. 30.09.2011

Stille Seuche auf Bauernhöfen macht Angst

(ddp direct) Berlin (wnorg) - Tote Tiere, hilflose Landwirte. Ob Rinderwahnsinn, Geflügelpest oder die Maul-und-Klauen-Seuche, immer wieder sind in den vergangenen Jahren Tierseuchen aufgetreten. Begleitet von Medienrummel und politischem Aktionismus. Nahezu unbemerkt breitet sich aber eine Krankheit aus, die seitens der Behörden in keiner offiziellen Statistik geführt wird. Chronischer Botulismus heißt das Schreckgespenst, vor dem vor allem Landwirte in Norddeutschland zittern. Ganze Rinderherden verenden an einer schleichenden Vergiftung, ausgelöst durch das Bakterium Chlostridium Botulinum. Inoffizielle Schätzungen gehen davon aus, dass in den vergangenen Jahren Hunderte wenn nicht sogar Tausende Höfe betroffen waren.

Botulinum Toxin wirkt langsam, die Symptome sind diffus, eine Diagnose daher schwierig. Wissenschaftler und Tiermediziner streiten hartnäckig darüber, ob es den chronischen Verlauf des Botulismus überhaupt gibt. Dennoch haben Botulismus-Experten unter anderem an Höfen in Niedersachsen und Mecklenburg nachgewiesen, dass der dortige Viehbestand dem Bakterium zum Opfer fiel. Die Rinder zeigten Symptome wie Durchfall, Bewegungsstörungen und allgemeine Schwäche. Viele Kälber kamen tot zur Welt. Auch bei den Landwirten und ihren Familien zeigten sich teils schwere Krankheitsverläufe. Bei Menschen macht sich eine Infektion mit Botulinum Toxin durch eine Beeinträchtigung des Nervensystems bemerkbar: Lähmungen und Störungen in der Muskulatur, starke Müdigkeit. Auch Durchfall, Blasenstörungen oder Verstopfung werden diagnostiziert.

Zwar bessern sich die Symptome, sobald ein Mensch dem Auslöser nicht mehr ausgesetzt ist, werden aber zu große Mengen an infizierter Nahrung aufgenommen, kann der chronische Botulismus zum Tod führen. Im Gegensatz zu akutem Botulismus ist der chronische Krankheitsverlauf nicht meldepflichtig, Daten für eine Fallstatistik fehlen deshalb. Auch dieses Vorgehen halten Botulismus-Experten für fahrlässig: Da die Krankheit offiziell nicht anerkannt ist, müssen die Höfe auch nicht gesperrt werden, verseuchte Erzeugnisse dürfen weiterhin verkauft werden. Für die Landwirte gibt es zudem keine finanzielle Entschädigung wie es bei anderen Tierseuchen der Fall ist. Betroffene Bauern stehen somit häufig vor dem Ruin.

Seitens der Politik wird zum Teil beruhigt der der chronische Botulismus als nicht ausreichend bewiesene These "Hypothese" abgetan. Diese, so das Bundeslandwirtschaftsministerium, diene "zur Erklärung eines unspezifischen Krankheitsbildes". Schnell bei der Hand sind oft auch Erklärungen wie schlechte Haltungsbedingungen und mangelnde Hygiene.

Da die Zahl der Krankheitsfälle in den vergangenen Jahren zugenommen hat, suchen Botulismus-Experten verstärkt nach den Ursachen für die Verbreitung des Bakteriums. Vor allem die fortschreitende Industrialisierung der Landwirtschaft rückt dabei in den Fokus. Ist es die Massentierhaltung in nicht artgerechten Ställen? Sind es Wildtiere, die von Erntemaschinen erfasst werden und als Kadaver mit dem Futter verarbeitet werden?

Eine andere Theorie nimmt die Biogasanlagen ins Visier: Mit Chlostridien verseuchter Gärschlamm wird demnach als Dünger auf Feldern mit Futterpflanzen verbreitet. Bis jetzt forschen nur wenige Mediziner, Mikrobiologen und Neurologen an Ursachen, Verbreitung und Krankheitsverlauf einer Infektion mit Botulinum Toxin. Zwar sehen Experten bislang noch keine weitreichende Gefährdung der Verbraucher da das Krankheitsbild aber noch so gut wie unerforscht ist, bleibt das genaue Ausmaß der Verbreitung im Dunkeln. Langfristig, so die Befürchtung, könnte das Bakterium in größeren Dimensionen in der Nahrungskette Fuß fassen.

Quelle: http://www.themenportal.de vom 05.10.2012

Bundesrepublik Fleischland

Nie zuvor ist so viel Fleisch in Deutschland produziert worden, wie im vergangenen Jahr: unvorstellbare 100 Kilogramm pro Kopf. Jeder Deutsche verspeist davon "nur" 88 Kilogramm im Jahr. Was uns nicht schmeckt wird zu Dumpingpreisen exportiert.

Bundesrepublik Fleischland: Die gewerbliche Fleischproduktion erreichte im vergangenen Jahr einen neuen deutschen Rekordwert - Acht Millionen Tonnen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, bedeutet dies gegenüber dem Jahr 2009 eine Steigerung um 302.000 Tonnen, also 3,9 Prozent mehr als 2009.

Acht Millionen Tonnen Fleisch für 81,7 Millionen Deutsche - das sind fast 100 Kilogramm pro Bundesrepublikaner. 1980 konsumierte der durchschnittliche Deutsche 30 Kilogramm Fleisch und Wurst pro Jahr. 2009 waren es rund 88 Kilogramm. Nach Branchenangaben lag vor 14 Jahren der "Selbstversorgungsgrad" bei Schweinefleisch in Deutschland bei 72 Prozent. Heute sind es 110 Prozent. Zu gut deutsch: 10 Prozent des Schweinefleisches werden exportiert.

Nach Angaben der Statistiker wurden 2010 insgesamt 5,4 Millionen Tonnen Schweinefleisch produziert, 3,8 Prozent oder 200.300 Tonnen mehr als im Jahr zuvor. Dem lag ein Anstieg der Schlachtzahlen um 3,7 Prozent oder 2,1 Millionen Tiere gegenüber - ebenfalls Rekordwerte. 2010 wurden in der Bundesrepublik 58 Millionen Schweinen geschlachtet.

Allein bei Tönnies mußten 15 Millionen Schweine über die Klinge springen

Einer der größten Schlachter ist Fleischunternehmer Tönnies, der am Mittwoch Geschäftszahlen vorgelegt hat. Das ostwestfälische Familienunternehmen hat seinen Umsatz - das ist jetzt ein bisschen erwartbar - 2010 auf einen Rekord-Wert von rund 4,3 Milliarden Euro gesteigert. 2009 waren es noch 4,0 Milliarden Euro.

Damit ist die Unternehmensgruppe von Clemens Tönnies aus Rheda-Wiedenbrück Marktführer in Deutschland und die Nummer drei in Europa. Selbstredend erzielte Tönnies auch beim Abmurksen der Schweine einen neuen Rekord: Im vergangenen Jahr gingen 15 Millionen Schweine über die Klinge, 2009 waren es "nur" 13,2 Millionen.

Bei Tönnies gingen den Firmenangaben zu Folge 55 Prozent der Fleischmenge in den Export. Und Tönnies glaubt, dass der Selbstversorgungsgrad bei Schweinefleisch in Deutschland mittelfristig auf rund 150 oder 160 Prozent hochgeschraubt werden könnte. Was natürlich Blödsinn ist: Selbstversorgung bedeutet 100 Prozent, alles was darüber ist, ist mehr als zur Selbstversorgung benötigt.

"Tönnies kann konkurrenzlos billig produzieren, weil er ausländischee Arbeitskräfte radikal ausbeutet", sagt der bündnisgrüne Agarexperte Friedrich Ostendorff. Rumänen oder Ukrainer würden für einen Stundenlohn von 3,50 Euro in den Schlachthöfen von Tönnjes sechs Tage die Woche 12 bis 14 Stunden am Tag schuften. "Da kommen Schlacht- und Zerlegungskosten von 8,60 Euro pro Schwein raus", sagt Ostendorff. Zum Vergleich: Der modernste Schlachthof Europas in Dänemark kam auf 13,50 Euro je Schwein. Mittlerweile ist er dicht - die dänischen Schweine werden zum billigeren Schlachten nach Deutschland gekarrt.

Die Geflügelfleischerzeugung stieg nach Angaben der Bundesstatistiker gegenüber dem Jahr 2009 um 7,0 Prozent oder 90.800 Tonnen - auf eine Jahresproduktion von knapp 1,4 Millionen Tonnen. Dabei belief sich die Erzeugung von Jungmasthühnerfleisch auf 803.000 Tonnen - 7,1 Prozent oder 53.300 Tonnen mehr als im Vorjahr.

Noch mehr Zahlen? Besonders kräftig stieg die "Produktionsmenge" (Statistikerdeutsch) von Truthuhnfleisch, die sich um 9,2 Prozent oder 40.500 Tonnen auf 478.000 Tonnen ausweitete. Enten wurden zu 61.300 Tonnen verfleischt - 1,8 Prozent oder 1.100 Tonnen weniger als im Vorjahr.

Die Erzeugung von Rindfleisch stieg im Vergleich mit dem Jahr 2009 leicht um 0,9 Prozent (11.000 Tonnen) auf knapp 1,2 Millionen Tonnen an. Ursache dafür war das höhere Schlachtgewicht der Tiere, denn die Zahl der geschlachteten Tiere verringerte sich leicht auf 3,7 Millionen Schlachtrinder, so die Statistiker. Ein Rind produziert in seinem Pansen, einem der vier Wiederkäuermägen, jeden Tag 140 bis 600 Liter Methan. Aller vierzig Sekunden entfährt dem Vieh ein Lüftchen oder ein Rülpser. Dadurch ist die Herde der globalen Rindviecher zur größten Methanquelle der Welt geworden, einem 22 mal aggressiveres Klimagift als Kohlendioxid.

88 Kilo Fleisch pro Jahr - würden alle Menschen auf der Welt, demnächst sieben Milliarden, so leben wie wir, bräuchte es allein für die Ernährung mindestens zwei Planeten. Etwa ein Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen stammen aus der Landwirtschaft.

An der gewerblichen Fleischerzeugung insgesamt hatte im Jahr 2010 Schweinefleisch mit 67,8 Prozent den höchsten Anteil, danach folgen Geflügelfleisch (17,2 Prozent) und Rindfleisch (14,8 Prozent). Der Anteil an Schaf-, Ziegen- und Pferdefleisch beträgt zusammen 0,2 Prozent.

Deutschland schlachtet für den Export

Fragt sich, wohin das ganze Fleisch geht: Russland ist der größte Abnehmer von Schweinefleisch, 31 Prozent des Exportes gehen dort hin. China sei als Absatzmarkt ganz groß im Kommen sagen Experten. 2008 hatte Deutschland lediglich 0,1 Prozent seiner Fleischexporte ins Reich der Mitte abgesetzt. Hühnchen gehen vor allem nach Afrika: Die Brust und Teile der Schenkel bleibt in der Bundesrepublik Fleischland, der billige Rest geht subventioniert auf den Nachbarkontinent.

"Dort zerstören wir dadurch jegliche Selbstentwicklungsstruktur binnen weniger Wochen", urteilt Ostendorff, der agrarpolitischer Sprecher der Grünen. Um ein Huhn auf dem afrikanischen Markt wirtschaftlich verkaufen zu können, müsse es dem Produzenten 6 Euro einbringen. Ostendorff: "Wir karren aber die Hühnerreste, die für unsere Ernährung zu schäbig sind, tiefgekühlt für zwei Euro das Kilo nach Afrika".

"Mit dieser Fleischpolitik werden wir unseren Klimahaushalt nicht in Ordnung bringen"

2008 gaben die Industrienationen 349 Milliarden Dollar zur Produktion- und Exportsubvention ihrer Landwirtschaft aus. Das ist fast eine Milliarde Dollar pro Tag. Obendrein hat die Europäische Union um ihre Außengrenzen ein enges Geflecht aus Zöllen und Handelsschranken geschlossen, um den eigenen Agrarmarkt gegen billige Konkurrenz zu schützen. Tomaten aus Europa gibt es genauso wie Hühnerfleisch auf den afrikanischen Märkten, nicht aber afrikanische Hühnchen oder Tomaten - einfach weil es sich nicht lohnt, gegen die europäische Subventionsmacht anzukämpfen.

Aber warum das ganze? "Die Bundesregierung hat sich in den Kopf gesetzt, einer der größten Fleischexporteure Europas zu werden", sagt Ostendorff. Es gebe mit dem Staatssekretär Gerd Müller im Ministerium von Ilse Aigner (CSU) sogar einen eigenen "Exportminister", der eine "nationale Exportstrategie umzusetzen habe. Ostendorff: "Mit dieser Fleischpolitik werden wir unseren Klimahaushalt natürlich nicht in Ordnung bringen. Aber das ist ja das Schöne an Agrarministerin Aigner: Sie sagt was sie denkt. Und zum Thema Klimaschutz sagte sie: Jetzt geht es erst einmal um Arbeitsplätze, der Klimaschutz muss warten".

Quelle: Klimaretter.info vom 17.02.2011

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie diese Webseite benutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies entsprechend den Bestimmungen unserer Datenschutzerklärung zu. Wir sammeln keine Daten, über die Sie persönlich identifiziert werden können. mehr Infos