Zuchtlachse

Zuchtlachs - Stark belastet

(Von Stephan Lück)

Noch vor einigen Jahren war Lachs eine teure Delikatesse, heute kauft man ihn günstig in Discount-Märkten. Und da die Nachfrage weiter steigt, decken riesige Fischfarmen den hiesigen Bedarf. Vor allem Norweger, Schotten und Iren züchten in großen, schwim-menden Netzgehegen Millionen Lachse. Dieses Aquafarming sorgt zwar für ständigen Nachschub und günstige Preise, der Ver-braucher bezahlt allerdings dennoch teuer: mit seiner Gesundheit.

Gift im Fischmehl
Wie US-Forscher im Fachjournal "Science" berichteten, sind Zuchtlachse erheblich stärker mit Giften belastet als ihre wild lebenden Artgenossen. Vor allem in europäischen Farmen gezüchtete Fische enthalten ein Vielfaches an chlorierten Kohlenwasserstoffen wie Dioxinen, polychlorierten Biphenylen (PCB) und Hexachlorbenzen (HCB).

Ursache sei das Futter aus konzentrierten Fischprodukten wie Mehl und Öl, in denen schädliche Substanzen bereits ange-reichert seien. Dies gelte vor allem für europäische Zuchtfarmen wie in Schottland oder den Färöer-Inseln, aus denen die meisten europäischen Supermarktprodukte stammen.

Die Wissenschaftler um Ronald Hites von der Universität von Indiana in Bloomington hatten rund 700 verschiedene Proben analysiert, darunter Lachsfilets aus europäischen und ameri-kanischen Supermärkten. Fisch aus europäischen Kühltheken enthielt die höchsten Anteile chlorierter Kohlenwasserstoffe.

PCBs verursachen Krebs und schädigen das Immunsystem
Zu den chlorierten Kohlenwasserstoffen zählen viele der giftigsten Substanzen überhaupt. Sie können unter anderem Krebs, neuronale Veränderungen und Schädigungen des Immun-systems bewirken.

Auf Verpackungen müsse deshalb deutlich gekennzeichnet werden, ob das Filet von einem Wild- oder Zuchtlachs stamme, fordern die "Science"- Autoren.
Quelle: dpa

Was ist im Fischfutter?

Im Futtermittelrecht ist geregelt, welche Zutaten verfüttert werden dürfen und welche nicht. Zuchtlachse werden mit Fisch-mehl gefüttert - Tiermehl ist verboten. Die Fischmehle enthalten Öle und Fette, Kohlenhydrate wie Getreide und Mais, Eiweißträger wie zum Beispiel Sojaschrot, Mineralstoffe, Spu-renelemente und Vitamine. Auf der Futter-Verpackung müssen nur bestimmte Zutaten gekennzeichnet werden: Dazu gehören Vitamine, Spurenelemente, Aminosäuren (Bausteine von Eiweiß), Stabilisatoren, Antioxidantien - sie helfen den Verderb des Fut-termittels zu verhindern - und Farbstoffe.

Farbstoff führt zu Sehstörungen
Dabei kann man die Zusätze im Futter nicht kritisch genug unter die Lupe nehmen. Gerade im letzten Jahr führten neue Erkenntnisse über Canthaxanthin, den rötlichen Farbstoff im Fischfutter, zu Änderungen im Futtermittelgesetz. Man entdeckte einen Zusammenhang zwischen der erhöhten Aufnahme der färbenden Substanz und dem Auftreten von Sehstörungen. EU-weit wurden im letzten Jahr die Grenzwerte sofort herabgesetzt: von bisher 80 Milligramm pro Kilogramm Futtermittel auf 25 Milligramm für Lachsfutter.

Warum werden überhaupt Farbstoffe verfüttert?
Wildlachs erhält seine rosa Farbe durch das Verspeisen von Krabben und anderen Tieren, deren Schale ganz natürlich färben-des Karotin enthält. Die mit Fischmehl gemästeten Zuchtlachse sind dagegen bleich. Für den Verbraucher heißt weißes Lachs-fleisch aber sinngemäß "keine gute Qualität". Er hat zwar damit meistens recht, lässt sich aber gern betrügen, indem dem Fischfutter Canthaxanthin künstlich zugesetzt wird, so dass das Lachsfilet dennoch schön rosa ist.

Medikamente haben im Futter erst einmal nichts zu suchen
Heute sind selbst konventionelle Lachszüchter sparsam mit dem Einsatz von Medikamenten geworden. Es ist günstiger, die Tiere frühzeitig zu impfen, als ihnen lebenslänglich Antibiotika ins Futter zu mischen.

Das ist heute auch nicht mehr so einfach, denn mit Medi-kamenten angereicherte Futtermittel dürfen nur durch den Tierarzt verschrieben und dann verfüttert werden. Und nach der Behandlung müssen bis zur Schlachtung und zum Verkauf vorgeschriebene Wartezeiten eingehalten werden. Kranke Fische dürfen grundsätzlich nicht vermarktet werden.

Wildlachs versus Zuchtlachs

Lachs aus den Weltmeeren gefangen, könnte eigentlich als Biofisch verkauft werden, denn er bekommt natürliches Futter, hat ausreichend Platz zum Schwimmen und bekommt außerdem keine Medikamente verabreicht. Trotzdem dürfen diese Fische nicht als Bio-Fisch verkauft werden. Denn niemand kann sagen, was dieser wildlebende Fisch im Laufe seines Lebens verzehrt hat.

Freilebende Lachse werden meist in kühlen Gewässern vor Alaska oder in irischen und schottischen Gewässern gefangen, da hier das Wasser noch sauerstoffreich und relativ sauber ist. Die Tiere leben solange unbeschwert, bis sie eines Tages in die Fänge eines Fischnetzes geraten. Wer Wildlachs kauft muss damit rechnen, dass das Fischfleisch nach der Zubereitung nicht so intensiv rot schimmert wie von anderen Lachsen, denn der wildlebende Fisch isst, was er unterwegs findet. Die rote Farbe des Lachsfilets stammt aus dem Verzehr von Muscheln und Schalentieren. Wildlachs wird schon seit vielen Jahren nicht mehr aus Flüssen gefangen, da unsere Gewässer zu stark verschmutzt sind.

Zuchtlachs
Da die Nachfrage nach Lachs enorm ist und die Wildlachs-vorkommen nicht ausreichen, decken riesige Fischfarmen den hiesigen Bedarf. Die Lachse kommen von kleinen Becken in größere und leben mit vielen anderen Gleichaltrigen auf engem Raum. Um schnelle Gewichtszunahmen zu gewährleisten, werden sie mit Fischmehl gefüttert. Früher mussten Zuchtfische meist eine Menge an Medikamenten schlucken, damit keine Krankheit den Gewinn des Züchters gefährdet. Heute hat man erkannt, dass es günstiger ist, die Fische schon in jungen Jahren gegen bestimmte Erkrankungen zu impfen.

Der Vorteil der Fischfarmen ist, dass man jederzeit genügend Fische anbieten kann und dass die Produktion recht kosten-günstig ist. So werden die Wachstums- und Reifezeiten der Tier um einiges verkürzt. Lebt der Wildlachs sowohl im Salz- als auch im Süßwasser, so befinden sich die Zuchttiere in schwimmenden Netzen beispielsweise im Atlantik und somit nur im Salzwasser. Und im Salzwasser nehmen sie mehr an Gewicht zu als im Süß-wasser. Den Jungfischen wird durch eine künstlich veränderte Lichtintensität und Tageslänge sowie Beeinflussung der Wassertemperatur vorgegaukelt, dass ein Jahr schneller um ist, als es wirklich ist. So können die Tiere schon nach ein bis zwei Jahren in Gehegen als Speisefische verkauft werden, während Wildlebende meist zwischen zwei bis vier Jahren im Süßwasser verweilen, bevor sie ins Salzwasser abwandern.

Welche Nachteile diese Art der "Lebensmittelproduktion" hat, erfahren Sie im nächsten Absatz.

Von der Delikatesse zur Massenware

Sendung: Abenteuer Forschung "Der stille Tod" vom 3. Juli 2002 im ZDF

Wegen seiner schnellen Gewichtszunahme ist der Lachs der meist gezüchtete Fisch vor Europas Küsten geworden. Der Lachs ist zum "Huhn" der Meere degradiert worden - ein Eiweißlieferant für den Menschen.

Lachslaus: Gefahr für junge Wildlachse
Durch die Lachszucht sollten die völlig erschöpften Wild-lachsbestände geschont werden. Doch die zu dicht besetzten Netzkäfige sind ein Paradies für den schlimmsten Parasiten der Lachse: die Lachslaus. Sie kann sich hier stark vermehren - eine tödliche Gefahr für die jungen Wildlachse, die auf ihren Wander-ungen den Lachsfarmen zu nahe kommen. In Norwegen radierte die Lachslaus ganze Wildlachspopulationen komplett aus. Inzwischen setzen die Züchter auf geringere Besetzungsdichten in den Käfigen, um die Fische gesünder zu halten und den Einsatz von Antibiotika und Pestiziden zu begrenzen.

Zuchtlachs verdrängt Wildlachs
Immer wieder entkommen Zuchtlachse aus den Käfigen und vermischen sich mit der Wildlachspopulation. In einigen Flüssen entpuppt sich schon jeder zweite geangelte Lachs als Ausreißer aus den Farmen. Schätzungen zufolge wird bereits in zehn bis zwanzig Jahren der norwegische Wildlachs vom Zuchtlachs verdrängt sein.

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